Konzert der Militärkapellen der früheren Kriegsgegner an Isonzo-Front

Kobarid/Wien (APA) - Zum 100. Jahrestag der blutigsten Kämpfe an der Isonzo-Front haben am heutigen Sonntag die Militärkapellen der ehemalig...

Kobarid/Wien (APA) - Zum 100. Jahrestag der blutigsten Kämpfe an der Isonzo-Front haben am heutigen Sonntag die Militärkapellen der ehemaligen Kriegsgegner im slowenischen Kobarid mit einem Konzert ein Zeichen der Versöhnung gesetzt. Der slowenische Staatspräsident Borut Pahor warnte in seiner Ansprache, dass ein „sinnloser“ Krieg wie der Erste Weltkrieg „ganz und gar nicht unwiederholbar scheint“.

Militärmusiker aus Österreich, Italien, Deutschland, Ungarn und Kroatien kamen in die westslowenische Stadt, um gemeinsam mit ihren slowenischen Kollegen zu musizieren. Österreich-Ungarn und Italien hatten sich rund um den Fluss Isonzo (Soca) drei Jahre lang erbitterte Kämpfe geliefert, 1,1 Millionen Soldaten wurden verletzt oder getötet. Besonders blutig waren die zehnte und elfte Schlacht im Mai und August 1917 mit über 100.000 Toten.

Pahor geißelte den Krieg als „völligen Zusammenbruch alles Guten und Wertvollen, der durch praktisch nichts gerechtfertigt werden kann“. Die heutige Zeit erinnere an jene vor dem Ersten Weltkrieg, als die internationale Lage unübersichtlich gewesen sei, Imperien zerfallen und neue Mächte aufgestiegen seien. „Ähnlichkeiten und Vergleiche scheinen unausweichlich, und das macht aus der Verantwortung auf unseren Schultern eine umso schwerere Last“, sagte der Präsident nach Angaben der slowenischen Nachrichtenagentur STA.

Das Konzert war der erste Höhepunkt der Veranstaltungen, die Slowenien zum 100. Jahrestag der Isonzo-Front ausrichtet. Viele Besucher werden am 17. September am Kolovrat-Kamm erwartet, wenn dort von über 100 Darstellern eine der blutigsten Weltkriegsschlachten nachgestellt wird. Am 21. Oktober wird im Museum Kobarid eine Ausstellung in Erinnerung an das sogenannte „Wunder von Karfreit“ eröffnet, als die Mittelmächte überraschend die italienischen Verteidigungslinien durchbrachen.

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Für Slowenien und Italien haben die Kämpfe am Isonzo eine große Bedeutung. Laut dem slowenischen Historiker Renato Podbersic rettete die Entscheidung der österreichisch-ungarischen Armee, die italienischen Truppen schon im westlichen Gebirge zu stoppen, einen großen Teil des im Flachland gelegenen slowenischen Siedlungsgebiets vor der Zerstörung. In Italien wurden die verlustreichen Kämpfe, die letztlich in einer militärischen Katastrophe endeten, nach dem Sieg im Ersten Weltkrieg heroisiert.


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