Die Kapitäne im Interview: „Gute Fußballer bekommen Mädchen“

Ein Steirer (FC Wacker) und ein Bayer (WSG Wattens) führen die Tiroler Vereine als Kapitäne in die neue Saison der Sky Go Erste Liga. Christoph Freitag und Ferdinand Oswald nahmen mit der TT am Mittagstisch Platz.

Gut gelaunt, meinungsstark und für jede Pose zu haben: Christoph Freitag (FC Wacker) und Ferdinand Oswald (WSG Wattens).
© Rudy De Moor/TT

Innsbruck – Beim Blick auf die Speisekarte eines Innsbrucker Traditionsgasthauses waren sich Ferdinand Oswald und Christoph Freitag schnell einig. Die Kapitäne der Tiroler Zweitligaklubs wählten jeweils den Lachs, bevor sie die TT vor dem Start am Freitag zum verbalen Doppelpass lud.

Warum sind ein Steirer und ein Bayer Kapitäne bei den Tiroler Profiklubs?

Ferdinand Oswald: Da müssen Sie den Trainer fragen. Ich bin gerne Führungsspieler und kann mich mit der Rolle identifizieren. Ich bin ja schon ein halber Tiroler. Immerhin ist meine zweite Tochter hier geboren.

Christoph Freitag: Ich war vergangenes Jahr zum Schluss und auch bei den Vorbereitungsspielen schon Kapitän. Der Trainer hat die Mannschaft dann gefragt, ob sie den Kapitän wählen will oder er ihn bestimmen soll. Dann hat sich die Mannschaft für mich ausgesprochen.

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Wie stehen Sie als Wahl-Tiroler zum Tiroler Weg?

Oswald: Im Prinzip setzt sich immer der Bessere durch. Bei uns spielen viele Tiroler und beim FC Wacker auch. Aber es geht nicht nur mit Tirolern.

Freitag: Wer Qualität hat, schafft es ohnehin nach oben. Man kann nicht eine ganze Mannschaft nur mit seinen Landsleuten füllen.

Am Freitag startet die neue Saison. Für den FC Wacker kann nur der Aufstieg das Ziel sein, oder?

Steckbriefe

Christoph Freitag

Geboren:

21. Jänner 1990 in Judenburg.

Größe:

1,84 Meter.

Beim FC Wacker seit: Juli 2015.

Bisherige Vereine:

Knittelfeld, Austria Akademie (U15 bis U19), Austria Wien II, FC Lustenau, Wiener Neustadt, FC Wacker.

Ferdinand Oswald

Geboren:

5. Oktober 1990 in Weilheim (GER).

Größe:

1,84 Meter.

Bei der WSG Wattens seit: 2012 bis 2013 und seit 2014.

Bisherige Vereine:

Bayern München Nachwuchs, Bayern II, Wattens, Schalke 04 II, Wattens.

Freitag: Wir sind uns bewusst, dass die Chance größer ist als in den letzten Jahren. Wir halten uns trotzdem ein bisschen zurück. Wir wollen wieder mehr Leute ins Stadion bringen und Innsbruck den Fußball bieten, den die Stadt verdient hat.

Und innerhalb der Mannschaft?

Freitag (grinst): Was wir intern kommunizieren, bleibt intern. Deshalb heißt es ja intern.

Auch bei der WSG Wattens sollen so manche vom Aufstieg träumen ...

Oswald: Jeder hat am Samstag (Cup-Aus in Bad Gleichenberg, Anm.) gesehen, dass wir mit dem Aufstieg eher nichts zu tun haben werden. Wenn wir die letzte Saison bestätigen, haben wir alles richtig gemacht. Wir wollen den maximalen Erfolg. Die Frage ist, was ist maximaler Erfolg? Die Liga ist eine Wundertüte. Wir wollen guten Fußball zeigen und begeistern.

Und die Derby-Bilanz beibehalten, oder?

Oswald (grinst): Die Derbys sind unsere Cup-Spiele. Es macht doch Spaß, wenn zwei Mannschaften in Tirol ein bisschen fighten. Beim ersten Derby kamen 9000 Zuschauer. Das ist doch schön. Wenn der FC Wacker den Aufstieg schaffen sollte, kann man nur gratulieren. Der FC Wacker ist ein super Verein, der in den letzten Jahren unter Wert geschlagen wurde. Auch weil die falschen Leute am Werk waren.

Herr Freitag, zuletzt klopfte Altach bei Ihnen an, wie nah war der Abschied aus Innsbruck?

Freitag: Im Urlaub hat mich Georg Zellhofer (Altach-Sportdirektor, Anm.) angerufen und sich nach Klaus Schmidt erkundigt. Als der Klaus als Altach-Trainer feststand, habe ich auch mit ihm ein Gespräch geführt. Es hat sich aber schnell herausgestellt, dass der FC Wacker mich nicht abgeben und ich auch hier bleiben will.

Viele Spieler hätten auf einen Abgang gedrängt, Sie nicht. Warum?

Freitag: Ich bin froh über das, was ich habe. Im Oktober werde ich Vater und mir und meiner Freundin (Sarah, Anm.) hat es von Anfang an sehr gut in Innsbruck gefallen. Das passt schon gut so. Mir liegt der Verein und die Aufgabe hier sehr am Herzen.

Herr Oswald, Sie bekamen mit Pascal Grünwald einen routinierten Torhüter-Kollegen zur Seite gestellt. Wie haben Sie diese Personalie aufgenommen?

Oswald: Wir können uns glücklich schätzen, dass er sich für uns entschieden hat. Ich kann von ihm profitieren, es ist eine Win-win-Situation.

Geschichte beim FC Wacker ist Torjäger Patrik Eler. Hatte sich sein Abschied schon länger angekündigt?

Freitag: Pati ist ein introvertierter Typ, der nicht viel spricht. Aber es hat ihm schon getaugt bei uns. Er ist aufgetaut. Wenn du so ein Angebot bekommst, ist es legitim, das zu machen. Es war aber nicht so, dass alle nur noch darauf gewartet haben.

Sein Ersatz ist mit Zlatko Dedic bereits da. Was kann man über ihn sagen?

Freitag: Es wäre unfair, ihn nach zwei Trainings zu beurteilen. Er macht einen guten Eindruck und ist ein Typ, der viel erlebt und gesehen hat.

Wenn im Oktober Ihr Nachwuchs zur Welt kommt, sind Sie nur noch die Nummer zwei bei Freundin Sarah, oder?

Freitag: Wir haben einen Hund, also bin ich Nummer drei.

Oswald: Dann bin ich ja sogar nur Nummer fünf.

Wird es ein Mädel oder ein Bub?

Freitag: Ein Mädel ...

Oswald (selbst Vater zweier Töchter): Gute Fußballer bekommen Mädchen (lacht).

Sie sind ja bereits früh Vater geworden, Herr Oswald ...

Oswald: Mit 22 Jahren. Wenn es passt, dann passt’s. Es gibt nichts Schöneres. Auch wenn du schlecht spielst, lächeln dich die Kids zuhause an.

Das Gespräch führten Alex Gruber und Tobias Waidhofer


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