Harte Urteile im Prozess gegen Sahrauis in Marokko

Rabat/El Aaiun (Laayoune) (APA/AFP) - Ein Berufungsgericht in Marokko hat am Mittwoch harte Urteile gegen 23 Sahrauis gefällt. Sie waren ang...

Rabat/El Aaiun (Laayoune) (APA/AFP) - Ein Berufungsgericht in Marokko hat am Mittwoch harte Urteile gegen 23 Sahrauis gefällt. Sie waren angeklagt, im Jahr 2010 in der marokkanisch besetzten Westsahara elf Mitglieder der marokkanischen Sicherheitskräfte getötet zu haben.

Wie die amtliche marokkanische Nachrichtenagentur MAP meldete, erfolgte das Urteil des Zivilgerichts in Sale bei Rabat nach zwölfstündigen Beratungen. Die Angeklagten wurden zu Gefängnisstrafen zwischen zwei Jahren und lebenslänglicher Haft verurteilt.

Im Oktober 2010 hatten tausende Sahrauis in der Westsahara gegen Diskriminierung und Unterdrückung protestiert. Nahe der Hauptstadt El-Aaiun (Laayoune) errichteten sie das Lager Gdeim Izik, in dem bis zu 15.000 Sahrauis Zuflucht fanden. Am 8. November stürmten marokkanische Soldaten und Militärpolizisten das Lager und vertrieben die Sahrauis. Im Anschluss kam es zu Ausschreitungen.

In einem ersten Prozess im Jahr 2013 hatte ein Militärgericht die Angeklagten zu Strafen zwischen 20 Jahren Gefängnis und lebenslanger Haft verurteilt. In dem Berufungsprozess wurden jetzt acht Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt, drei zu 30 Jahren, fünf zu 25 und drei weitere zu 20 Jahren Gefängnis. Die übrigen erhielten geringere Haftstrafen, werden jedoch nicht inhaftiert, weil sie ihre Strafen bereits verbüßt haben. Die Verteidigung hat zehn Tage Zeit, um die Urteile anzufechten.

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Während der Gerichtsverhandlung gab es zum Teil hitzige Debatten in und vor dem Gerichtssaal. Amnesty International und andere Menschenrechtsgruppen wie Human Rights Watch hatten das Verfahren von Anfang an scharf kritisiert. Die Nichtregierungsorganisation Christen für die Abschaffung der Folter (Acat) prangerte ein „ungerechtes Verfahren „ an, und verwies auf Geständnisse, die unter Folter während Polizeiverhören erzwungen worden seien.

Die an der Atlantikküste im Nordwesten Afrikas gelegene Westsahara war bis 1975 spanische Kolonie und wurde dann größtenteils von Marokko annektiert. Die sahrauische Befreiungsbewegung Frente Polisario kämpfte gegen die Besatzung und rief 1976 die Demokratische Arabische Republik Sahara aus. Das Gebiet der Westsahara ist geteilt in einen größeren westlichen Bereich unter der Kontrolle von Marokko sowie in einen östlichen und südlichen Teil, den die Polisario-Front kontrolliert.


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