Katar verweist bei Hackerangriff auf Emirate

Doha/Abu Dhabi (APA/dpa) - Im Konflikt um die Blockade des Golfemirates Katar müssen sich die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) jetzt kri...

Doha/Abu Dhabi (APA/dpa) - Im Konflikt um die Blockade des Golfemirates Katar müssen sich die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) jetzt kritische Fragen gefallen lassen. Katar teilte am Donnerstag mit, die Falschnachricht, die mehrere arabische Staaten zum Anlass für eine Blockade des Emirates genommen hatten, sei von einem Hacker aus den VAE auf der Website der staatlichen katarischen Nachrichtenagentur (QNA) platziert worden.

„Natürlich wissen wir nicht, welche Nationalität er hat“, sagte der Botschafter Katars in Berlin, Scheich Saud bin Abdurrahman Al-Thani, der Deutschen Presse-Agentur. Kurz vor dem Hackerangriff seien aber außerdem von zwei IP-Adressen in den VAE auffällig viele Zugriffe auf die QNA-Seite erfolgt.

„Wir kennen ihre Nummern, aber wir wollen zu diesem Zeitpunkt noch keine weiteren Details nennen. Unsere Forderung ist, dass die Leute, die für diesen Cybercrime verantwortlich sind, juristisch zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte der Botschafter. Es sei „enttäuschend“, dass einer der Blockade-Staaten hinter diesem „Fake-News“-Vergehen stehe. Es sei höchste Zeit, die Blockade zu beenden, die viel Leid über die Betroffenen gebracht habe, und die Krise im Dialog zu lösen.

Auf der QNA-Seite war am 23. Mai ein Artikel über eine angebliche Rede des Emirs von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani, erschienen. Darin hieß es, der junge Monarch habe die arabischen Golfstaaten kritisiert, Verständnis für die schiitische Regionalmacht Iran gezeigt und die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas gelobt.

Saudi-Arabien, die VAE, Bahrain und Ägypten brachen daraufhin Anfang Juni alle diplomatischen Kontakte zu dem Golf-Emirat ab und schlossen die Grenzen. Sie werfen Katar die Unterstützung von Terrororganisationen und zu enge Verbindungen zum Iran vor.

Die vier Staaten verlangen unter anderem, dass das Emirat seinen TV-Sender Al-Jazeera schließt. „Sie können nicht von uns verlangen, dass wir Al-Jazeera schließen. Das ist, als würde man von Großbritannien verlangen, die BBC dicht zu machen“, sagte der Botschafter.

Die „Washington Post“ hatte bereits am vergangenen Wochenende unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise über die angebliche Verwicklung der VAE berichtet. Die Emirate bestritten daraufhin jede Verantwortung für den Hacker-Angriff. Die Golfstaaten und Ägypten ärgert nicht nur die oftmals kritische Berichterstattung von Al-Jazeera, sondern auch Katars Unterstützung für die Muslimbruderschaft und ihr gutes Verhältnis zur Türkei.


Kommentieren