Bezirk Schwaz

20 Jahre Haus am Seespitz: (Ex-)Klienten erzählen

© Fankhauser Eva-Maria

Gehört werden, sich verstanden fühlen, Hilfe bekommen – das zeichnet seit 20 Jahren das Haus am Seespitz in Eben aus. Mit viel Herz und Geduld werden dort Menschen auf ihrem Weg aus der Sucht begleitet.

Von Eva-Maria Fankhauser

Eben a. A. –Sechs Personen sitzen auf dem Podium. In allen sechs Gesichtern spiegeln sich unterschiedliche Emotionen: Freiheit, leichte Nervosität, Ruhe, Zufriedenheit, Neugier und Hoffnung. Alle sechs sind aus unterschiedlichen Gründen da. Jeder hat seine individuelle Geschichte. Einen Leidensweg. Doch eines eint diese sechs Personen: Sie alle haben sich entschieden, ihr Leben neu anzupacken.

© Fankhauser

Seit 20 Jahren bietet das Haus am Seespitz in Eben am Achensee eine stationäre Therapie für Menschen an, die einen Weg aus ihrer Abhängigkeitserkrankung suchen. Sie wollen weg von Alkohol, Medikamenten und illegalen Drogen. Die Einrichtung wird gemeinnützig vom Verein für Drogentherapie Tirol und der pro mente tirol betrieben. Aufgenommen werden Menschen, die bereits eine medizinische Entzugsbehandlung hinter sich haben. Rund 24 Mitarbeiter kümmern sich um die Klienten im Haus. Es geht darum, ihnen die Zuversicht fürs Leben wiederzugeben, sie zu stabilisieren und die Auslöser für ihr Suchtverhalten zu finden. Auch auf die Integration ins soziale und berufliche Leben wird viel Wert gelegt.

„Konsum ist ein Mittel zum Zweck. Man muss schauen, wo der Grund dafür liegt“, sagt W. Er hat seine Sucht hinter sich gelassen. „Die Örtlichkeit hier am See, das Vertrauen mir gegenüber und die Geduld sowie das Bemühen der Mitarbeiter haben mir sehr geholfen“, sagt er.

Auch D. ist froh, im Haus am Seespitz gewesen zu sein. „Ich bin seit vier Jahren trocken. Die ständigen Kontrollen im Haus gaben mir Sicherheit, auch wenn es oft eine innere Anspannung war, bis das Gerät endlich 0.0 anzeigte und ich zeigen konnte, dass ich nichts getrunken habe.“ Mittlerweile hat er sich zum „Ex-In“ ausbilden lassen. Jemand, der vom Klienten zum Betreuer wurde. Ein Vorbild. „Ich hatte zwischenzeitlich alles verloren. Damals fühlte ich mich zum ersten Mal richtig angekommen. Jetzt geht es mir gut, ich fühle mich frei.“

Er sitzt nun mit fünf anderen Klienten des Hauses am Seespitz auf dem Podium. Sie erzählen anlässlich des Jubiläums, wie es ihnen erging oder noch immer ergeht, was es bedeutet, diesen Schritt in Richtung neues Leben zu wagen. Für M. war es nicht leicht. „Aber zu wissen, dass man nicht alleine ist, dass man das nicht alleine durchstehen muss, das tat gut.“ Ihr haben vor allem die Strukturen im Haus gutgetan. „Das hatte ich jahrelang nicht mehr.“

Für S. war es reine Gewohnheit. Er wusste gar nicht mehr, was eigentlich der Auslöser für seine Sucht war. „Im Austausch kommt man dann auf so viele Sachen drauf. Es gibt einem Denkanstöße“, sagt er.

Im Laufe der Jahre habe sich im Haus am Seespitz viel getan. „Das Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Klienten ist vertrauensvoller geworden. Es ist ein schönes Arbeiten“, sagt Astrid Lich. Laut Markus Walpoth, Therapeutischer Leiter des Hauses, brauchen viele Suchtkranke lange, bis sie Hilfe annehmen wollen. W. weiß auch, wieso: „Man muss etwas aufgeben, das einen jahrelang begleitet hat. Es ist wie eine Beziehung, die in die Brüche geht. Da muss man erst wieder Vertrauen finden und auch zulassen.“ Er hat im März die Therapie abgeschlossen. „Ich will meine alte Liebschaft nicht zurückhaben“, sagt er selbstbewusst.

S. hat schon mehrere Therapien hinter sich. Keine war wie die im Haus am Seespitz. „Hier sind alle so motiviert, ihren Weg zu gehen und sich selbst zu unterstützen.“ Dieses Gefühl teilt auch R. Er war froh, endlich ernst genommen zu werden. „Ich hatte anfangs oft Selbstzweifel, ob man mir überhaupt glaubt, dass ich nichts getrunken habe. Da half aber die Bestätigung durch die Kontrollen“, sagt er. Seit September ist er im Haus am Seespitz. Im Regelfall dauert die Therapie zwei bis zwölf Monate. Angeboten werden Einzel-, Paar- und Gruppenbehandlungen. Besonders wichtig ist auch die Arbeitstherapie, bei der die Klienten in verschiedenen Bereichen ins Arbeitsleben eintauchen. Sei es in der Küche, Haushaltsführung, Gartenpflege oder beim Tischlern.

„Beim Übergang zum neuen Job fände ich es toll, wenn man in den ersten Monaten noch eine Unterstützung erhält“, merkt R. als mögliche Verbesserung an. Er blickt hoffnungsvoll in seine Zukunft. Auch für S. ist klar: „Es braucht Mut zur Veränderung.“

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