„Für uns ist die Welt zusammengebrochen“
Tirols Erfolgs-Voltigier-Duo Jasmin Lindner und Lukas Wacha ist tief getroffen. Es muss die Heim-WM vom Krankenbett aus beobachten.
Von Susann Frank
Hochrum –Es war Samstagnachmittag, als für Tirols Aushängeschilder im Voltigieren ein Traum platzte und Jasmin Lindner und Lukas Wacha sehr schmerzhaft in der Realität landeten. Wacha brach sich im Training beim Absprung vom Pferd den fünften Mittelfußknochen und verrenkte sich die Mittelfußknochen zwei bis vier.
Wenige Stunden später erwachte der 29-Jährige aus seiner Vollnarkose im Klinikum Hochrum. Im Fuß steckten drei Stifte zur Stabilisierung, in seinem Kopf machte sich eine Riesen-Enttäuschung breit: „Für uns ist eine Welt zusammengebrochen.“
Das Ziel, nach drei Weltmeistertiteln in zwei Wochen vor heimischem Publikum in Ebreichsdorf den vierten Titel anzuhängen, ist unerreichbar geworden. „Etwas Bittereres konnte uns nicht passieren“, sagte seine niedergeschlagene Sport- und Lebenspartnerin Lindner.
Es war das i-Tüpferl einer Pechsträhne, welche vergangenen Dezember mit einer Ellbogenluxation der 22-Jährigen begann. Als die Zillertalerin Ende März wieder trainieren konnte, verletzte sich ihr Turnierpferd Dr. Doolittle. Tests mit einem Pferd in der Schweiz scheiterten, erst Mitte Juni wurde ihnen das geeignete Turnierpferd in der Nähe von München angeboten.
Das Leben der Titelhamster (auch noch zweifache Europameister und Gesamtweltcupsieger) war durchgetaktet. Neben der Arbeit als Physiotherapeut (Wacha) und dem Studium (Lindner) pendelten die beiden zwischen ihrem Wohnort in Vomp, München, Salzburg und der Schweiz. In München wurde trainiert. Stand Wallach Holt’s Romeo nicht zur Verfügung, übten sie auf einem anderen Pferd in der Nähe von Zürich. Und in Salzburg nähten sie zusammen mit Wachas Oma ihre aufwendigen Kostüme. „Wir haben wirklich alle Energie, jede freie Minute gewendet“, betonte Lindner.
Eine Grätsche, die sie zukünftig wahrscheinlich nicht mehr machen werden. Um ihre Erfolgskarriere positiv abzuschließen, würden sie die fertige WM-Kür kommendes Jahr gerne einmal präsentieren. Wann, ist ungewiss. Jetzt steht die Genesung im Vordergrund. Seinen Fuß darf Wacha acht Wochen nicht belasten, danach beginnt eine lange Reha und das Leben in einer neuen Welt ohne Spitzensport.