“The Party“: Die besten Mordabsichten
Sally Potters vergnügliche Gesellschaftssatire „The Party“ eröffnet am Freitag das Open-Air-Kino im Zeughaus und ist auch regulär in den Kinos zu sehen.
Von Peter Angerer
Innsbruck –Um keine falschen Erwartungen aufkommen zu lassen, eröffnet Sally Potter ihren Film „The Party“ mit einer drastischen Begrüßung. Janet (Kristin Scott Thomas) wickelt aus einem Handtuch eine Pistole, rennt zur Haustür, die Kamera nimmt die Position des Gastes ein. Janet zielt auf uns – auf einen Punkt irgendwo zwischen unseren Augen. 71 Minuten später richtet Janet ihre Waffe wieder auf uns und dieses Mal gibt es keinen Zweifel an ihrer Entschlossenheit. Dabei hat der Abend so schön begonnen.
Janet ist eben zur Gesundheitsministerin im Labour-Schattenkabinett ernannt worden. Das ist ein schöner Karrieresprung, die Politikerin möchte mit ihr nahestehenden Gästen vor allem den damit verbundenen „Triumph für die Frauen“ feiern, die in besonderer Weise vom gebührenfreien Zugang zu medizinischer Versorgung profitieren. Ehemann Bill (Timothy Spall), ein Historiker, ist bei den Vorbereitungen nicht gerade eine Hilfe. Er hebt den Tonarm auf eine Schallplatte, bei Blues und Rotwein gibt er sich düsteren Gedanken hin. Die Musik liefert Janet zumindest einen akustischen Vorhang, hinter dem sie mit ihrem Liebhaber telefonieren kann. Die Dringlichkeit belegt eine SMS: „Ich kann nicht ohne Dich leben!“ Mit dem Eintreffen der Gäste überschlagen sich jedoch Geheimnisse und Geständnisse, wobei dieser Abend doch allein auf Janet zugeschnitten sein sollte.
Das Unglück kündigt sich mit dem ersten Champagnerkorken an, der das Glas der Terrassentür zertrümmert. Als man endlich auf Janets Standhaftigkeit anstoßen könnte, platzt Martha (Cherry Jones) mit der anstehenden Veränderung ihrer familiären Verhältnisse heraus, ihre Frau Jinny (Emily Mortimer) erwartet Drillinge. Wenigstens erspart sie den Anwesenden die Besichtigung der Ultraschallbilder. Nur der Lebensberater Gottfried (Bruno Ganz) findet alles aufregend, weshalb sich seine Lebensgefährtin April (Patricia Clarkson) künftig das esoterische Geschwätz ersparen möchte. Aber der Deutsche schätzt sogar Erniedrigungen, dokumentieren sie doch Gefühle und damit eine Hinwendung zum Positiven. Aber wo bleibt Marianne, die einmal Bills klügste Studentin war und künftig als Janets Assistentin arbeiten soll? Statt Marianne steht nur der schwitzende Banker Tom (Cillian Murphy) vor der Tür, der seine Frau – vielleicht für das Dessert – ankündigt, in das Badezimmer stürzt, um sich zwei Kokainstraßen aufzulegen und das Magazin seiner Pistole zu überprüfen. Damit bleiben noch 40 Minuten, um das von Tom ins Visier genommene Opfer zu enthüllen und die Waffe in Janets Küche zu bringen.
Die wildeste Party feierten wohl Martha und George vor einem halben Jahrhundert in Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“. Von der Verfilmung des Stücks hat Sally Potter das Schwarzweiß und die Streitkultur übernommen, statt der im Backrohr brennenden Häppchen werden von ihrem grandiosen Ensemble Gehässigkeiten serviert, die jede Idee eines versöhnlichen Ausgangs im Keim ersticken. Potters leichte Gesellschaftssatire über radikalen Feminismus, Parteisoldaten und humorlose Akademiker könnte mit ihren bissigen Dialogen zum Klassiker werden.