Hocus Pocus verzaubert Amazone
Springreiterin Catrin Glötzer-Thaler verdankt Staatsmeistertitel auch Mut ihres Pferdes.
Von Susann Frank
Ebreichsdorf –Catrin Glötzer-Thaler konnte nicht hinsehen. Sie wandte sich ab, als Springreiter Christoph Obenauer die letzten Hindernisse bei dem hochspannenden Finale der Staatsmeisterschaften in Ebreichsdorf überquerte. Erst als ihr jemand zum Titel gratulierte, wusste die in Wiesing lebende Miemingerin, dass sie erstmals den Titel gewonnen hatte. Nur ein halber Zeitfehler des Kitzbühelers Obenauer entschied über Gold für sie und Silber für ihn.
Auch nach der Rückkehr aus Niederösterreich war Glötzer-Thaler ob der Ereignisse am Sonntag noch perplex. Das von ihr anvisierte „Ziel, ins Ziel zu kommen“, hatte sie auf ihrem Wallach Hocus Pocus trotz 1,60 Meter hoher Hindernisse weit übersprungen. „Dabei bin ich mit ihm noch nie ein so mächtiges Springen geritten. Das war absolutes Neuland für ihn“, erklärte die Tirolerin: „Deswegen ist es auch so überraschend.“
Verzaubert von Hocus Pocus schwärmte die Amazone von dessen Mut: „Er hat ein absolutes Kämpferherz. Er kämpft für mich.“ Der selbst angerittene Wallach ist mit Emelie (13) mittlerweile ihr zweites heißes Eisen für den Turniersport.
Auf der Stute hatte sie 2013 erstmals den Tiroler Meistertitel gewonnen und den österreichischen Meistertitel als Ziel ausgesprochen. Und jetzt? „Die Form halten und auf internationalen Turnieren punkten. Gerade läuft es irre gut“, greift Glötzer-Thaler nicht nach den Sternen. Mehr sei zeitlich nicht möglich.
Als vollbeschäftigte Apothekerin und zweifache Mutter (Florian/4, Fabian/2) ist das Training auf dem gepachteten Bauernhof in Wiesing nur in der Früh möglich. Gecoacht wird sie von ihrem Mann Dieter, einem ehemaligen Springreiter. Zu den Turnieren fährt die Familie gemeinsam mit Wohnmobil und Pferdeanhänger. „Der Alltag hat mich schnell wieder zurück auf den Boden gebracht“, erklärte sie. Dass sie aufgrund des Sieges mit der Tiroler Mannschaft (mit Obenauer, Kogelnig und Nothegger) sogar doppelte Staatsmeisterin ist, bezeichnete Glötzer-Thaler als „unglaublich und cool“.