München

NSU-Prozess: “Sie arbeiteten Hand in Hand zusammen“

Auch nach über 370 Verhandlungstagen ist das Medieninteresse in München ungebrochen. Der NSU-Prozess gehört zu den teuersten und aufwändigsten in der Geschichte Deutschlands.
© dpa-Bildfunk

Die Verhandlung gegen Beate Zschäpe, Hauptangeklagte im vielbeachteten NSU-Prozess, neigt sich dem Ende. Im Schlussplädoyer der Bundesstaatsanwaltschaft werden schwere Vorwürfe erhoben: Zschäpe sei Mittäterin gewesen und habe mit den anderen Mitgliedern des “Nationalsozialistischen Untergrunds“ Hand in Hand für die gemeinsame Sache zusammengearbeitet.

München - Die deutsche Bundesanwaltschaft hat auch am zweiten Tag ihres Plädoyers im NSU-Prozess gegen mutmaßliche Rechtsterroristen schwere Vorwürfe gegen die Hauptangeklagte Beate Zschäpe erhoben.

Zschäpe spielte demnach bei der Tarnung des "Nationalsozialistischen Untergrunds" eine zentrale Rolle. Ihr sei es stets darum gegangen, ihre beiden Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt "sorgfältigst abzusichern", sagte Oberstaatsanwältin Anette Greger am Mittwoch vor dem Münchner Oberlandesgericht. Sogar untereinander hätten sich die drei mit ihren Tarnnamen angeredet.

"Alle drei Mitglieder arbeiteten für ihre Sache ganz bewusst einvernehmlich Hand in Hand zusammen", sagte Greger.

Alleinig für Ausstattung mit Handys verantwortlich

Als Beleg für die Bedeutung Zschäpes nannte Greger die im NSU-Prozess gewonnenen Erkenntnisse zum Besitz von Computern und Handys. Die Ausstattung des NSU mit SIM-Karten für Mobiltelefone sei "ausschließlich" über Zschäpe erfolgt. Sie habe auch über das Haupthandy, den Hauptcomputer und das Hauptlaptop des NSU die Verantwortung gehabt.

In ihrer eigenen Aussage hatte Zschäpe erklärt, kein NSU-Mitglied gewesen zu sein und sich als abhängig von Mundlos und Böhnhardt bezeichnet. Mit den Verbrechen des NSU will sie nichts zu tun gehabt haben.

Hintergrund: Der erste Teil des Plädoyers

Zschäpe sei „Mittäterin" bei den zehn Morden, zwei Bombenanschlägen und den weiteren Taten des NSU, sagte Bundesanwalt Herbert Diemer am Dienstag in seines Plädoyer vor dem Oberlandesgericht München. Mehr dazu lesen Sie hier: http://bit.ly/2uWvH4I

Immens teuer und aufwändig, aber wichtig

Der Prozess gegen Beate Zschäpe gehört zu den aufwändigsten und vor allem teuersten in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Rund 150.000 Euro kostet ein einziger Prozesstag. Die Gesamtkosten der Verhandlungen, bei über 370 Verhandlungstagen, werde auf circa 64 Millionen Euro geschätzt.

"Es muss bei Verbrechen von diesem Ausmaß der Grundsatz gelten: Gründlichkeit vor Schnelligkeit", rechtfertigt Frank Bräutigam, Rechtsexperte bei der ARD, die immensen Kosten des NSU-Prozesses. Denn der Rechtsstaat sei es den Opfern und Angehörigen schuldig, "alles zur Aufklärung dieser Taten zu tun."

Die Kosten in die Höhe trieb, wegen der gewaltigen logistischen Herausforderungen, auch das gewaltige Medieninteresse an den Verhandlungen. 123 Medien hatten sich zu Beginn des Verfahrens akkreditieren lassen, 50 von ihnen einen festen Platz reservieren lassen.

Ende des Plädoyers erst kommende Woche

Mit dem Plädoyer, das voraussichtlich erst kommende Woche abgeschlossen wird, befindet sich der seit Mai 2013 andauernde NSU-Prozess in der Schlussphase. Zschäpe und vier mutmaßliche NSU-Helfer sind wegen der zehn Morde, zwei Bombenanschläge und fünfzehn Raubüberfälle angeklagt, die dem NSU angelastet werden.

Das rechtsextreme Terrortrio soll die Taten im Untergrund begangen haben. 1998 waren Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe untergetaucht und begingen laut Anklage aus dem Untergrund heraus unerkannt die Taten. Bekannt geworden war der NSU erst, nachdem sich im November 2011 nach einem Raubüberfall Böhnhardt und Mundlos bei einem Polizeieinsatz mutmaßlich das Leben nahmen und Zschäpe sich wenige Tage später bei der Polizei stellte. (TT.com, APA, dpa, AFP)