Treibhaus-Sommerfestival

„Uns ist nichts als die Musik geblieben“

© Treibhaus

Emel Mathlouthi wurde als Stimme des Arabischen Frühlings bekannt, sie tritt im Rahmen des Treibhaus-Sommerfestivals auf.

Von Silvana Resch

Innsbruck –„Es ging um Freiheit und um Würde“, sagt die Sängerin Emel Mathlouthi über die Revolution in ihrer Heimat Tunesien. Ein Volksaufstand gegen eine Diktatur mit mafiösen Strukturen, der einen Dominoeffekt auf den gesamten arabischen Raum haben sollte. Emel Mathlouthi, die ihre Wut über die Verhältnisse – Zensur, Korruption, Armut und Perspektivenlosigkeit – zunächst mit ihrer Goth-Metal-Band hinausschrie, wandte sich mit Anfang 20 der Protestmusik zu. Joan Baez oder den arabischen Künstler Marcel Khalife nennt sie als Einflüsse für die sanften Klänge mit politischer Sprengkraft.

Ihre Lieder wurden rasch verboten, trotz Warnungen und Drohungen führte sie die Stücke aber weiterhin auf, 2008 musste sie Tunesien verlassen. Als sie zwei Jahre später für einige Konzerte zurück in die Heimat reiste, sollte ihr Song „Kelmti Horra“ („My Word Is Free“) den Aufstand beflügeln. Ein YouTube-Video, in dem sie inmitten der Proteste das Lied singt, ging rasch viral. Seitdem gilt Mathlouthi als „Stimme der Jasminrevolution“ beziehungsweise des Arabischen Frühlings. „Natürlich hat Musik einen unmittelbaren Effekt, sie kann Brücken bauen“, sagt sie im TT-Gespräch. Als politische Sängerin will sie sich aber nicht verstanden wissen: „Wenn Musik mit einem Label versehen wird, limitiert das die Kunst. Ich möchte zu jeder Art von Publikum sprechen.“ Das tat die Sängerin 2015, als sie „Kelmti Horra“ bei der Verleihung des Friedensnobelpreises sang, diesmal mit großem Orchester. „Ich denke, dass Musik wichtiger ist als all die Reden. Obwohl ich arabisch singe, konnte ich die Menschen erreichen.“

Die Aufmerksamkeit, die ihr seitdem zuteil wird, hält sie im Sinne der Vielfalt für wichtig: „Es sollten nicht nur weiße, westliche Musiker gehört werden. Wir haben nicht die gleichen Chancen wie Künstler aus Europa oder Amerika.“

Anfang des Jahres ist ihr neues Album „Ensen“ erschienen, ein betörend dunkler Mix aus arabischen Beats und Electronica. „Auf dem Album geht es in erster Linie um das Menschsein. Um unsere Gefühle und Schwächen, um das Leben und die Dunkelheit in uns allen“, erklärt Mathlouthi. Den Glauben an die Kraft der Musik hat die 35-Jährige, die mit Mann und Kind in New York lebt, nicht verloren. „Musik hat die Menschen immer bewegt und wird das auch immer tun. Das hoffe ich zumindest, uns ist sonst nichts geblieben“, sagt sie mit Blick auf die aktuellen politischen Entwicklungen weltweit. Zur Situation in ihrer Heimat will sie sich nicht äußern, sie habe keine Verbindungen mehr. Seit sie ins Exil gehen musste, bezeichnet sich Emel Mathlouthi als Reisende.

Spannende Stimmen

U nter dem Motto „Reichlich weiblich“ versammelt das Treibhaus von Juli bis September Sängerinnen aus aller Welt. Protestsongs aus Tunesien stehen dabei ebenso auf dem Programm wie Partisanenlieder aus Italien.

Die Brasilianerin CÉU eröffnet heute Abend das hochkarätige „Fern:Weh“-Treibhaus-Sommerfestival mit ihrem gefeierten, zeitgemäßen „Brasil Pop“.

Ein Highlight verspricht „Papito“ (19.8.) der Schweizer Jazzsängerin und Grenzgängerin Erika Stucky zu werden: Punkrock trifft auf Barockmusiker, ein Countertenor (Andreas Scholl) darf da nicht fehlen.

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