Mozart macht den Brexit vergessen
Vier Chöre aus Tirol, Bayern und England treffen sich in Erl, um den europäischen Gedanken musikalisch zu pflegen.
Von Wolfgang Otter
Erl –Musik ist eine Sprache, die jeder versteht. Ganz egal, aus welchem Land er kommt. Musik vereint die Menschen über Grenzen hinweg – diese Gedanken stehen hinter einem außergewöhnlichen und auch etwas gewagten Projekt von Drummond Walker, seit vier Jahren Leiter des Kufsteiner Singkreises. Statt Popmusik, Schlager, Gospels und Volksmusik wandte er sich mit seinen Sängerinnen und Sängern der klassischen Musik zu. Und dabei einem Werk, das die Krönung eines Komponistenlebens ist: Im Erler Passionsspielhaus soll am 17. September (18 Uhr) das „Requiem“ von Wolfgang Amadeus Mozart erklingen. Zugleich war es dessen Unvollendete, wurde das Requiem doch von seinen Schülern Joseph Eybler und Franz Xaver Süßmayr fertig komponiert. Viele Mythen ranken sich um die Entstehung, die letztlich mit zur Popularität dieses Werkes beitrugen.
Aufgeführt wird das Requiem in Erl – allem Brexit zum Trotz – von einem „europäischen Chor“. Neben dem Singkreis aus Kufstein stehen die Chorvereinigung Erl, der Musikverein Rosenheim und der Corsley Festival Choir aus England auf der Bühne.
„Am Anfang war man beim Singkreis ein wenig skeptisch“, erinnert sich Walker. Aber Probe für Probe begeisterte die Arbeit alle Beteiligten mehr. Gerade für die Chorsänger war es aber eine gigantische Herausforderung. Walker, selbst ausgebildeter Opernsänger, musste daher beim Einstudieren auch auf Stimmbildung setzen. Drei Tage vor der Aufführung in Erl treffen die Sänger erstmals aufeinander. Ein durchaus spannender Moment und Walker erwartet sich neben dem musikalischen Gewinn für die Beteiligten auch „Freundschaften“, die dadurch entstehen. Als Solisten hat er sich absolute Profis aus Amerika und Deutschland geholt. Das Orchester wird übrigens genauso grenzüberschreitend zusammengesetzt sein: Streicher des Musikvereins Rosenheim und Bläser aus Erl und Umgebung sind zu hören. Walker, der 2000 nach einem Auftritt bei den Festspielen in Erl hängen geblieben ist, wird 2018 ein häufiger Gast im Passionsspielhaus sein: Er übernimmt die musikalische Leitung der Passionsspiele.