Gesundheit

Unbewusstes Gesundheitsrisiko: 55 Hepatitis-C-Fälle in Tirol

Langsam stirbt die Leber ab: Eine Chronische Hepatitis kann zu Zirrhose und Krebs führen.
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EU-weit hat Österreich die zweithöchste Todesrate. Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Hepatitis C bis 2030 weltweit auszurotten, scheint dennoch ereichbar.

Von Jasmine Hrdina

Innsbruck – Ihren Ruf als „stiller Killer“ trägt sie wohl zu Recht: Denn die als Hepatitis bezeichnete Leber-Erkrankung kann viele, im nachhinein nur schwer nachvollziehbare, Ursachen haben und wird oft monatelang nicht bemerkt. Viel Zeit für die Viren, sich zu vermehren und zu verbreiten.

Zum Welt-Hepatitis-Tag, der jährlich am 28. Juli stattfindet, rufen Mediziner und Gesundheitsorganisationen die Bedrohung dieser vielfältigen Erkrankung ins Bewusstsein. „Weltweit sterben mehr Menschen an Virushepatitis als an HIV und Malaria“, erläutert Angelika Widhalm, Vorsitzende der Hepatitis Hilfe Österreich - Plattform Gesunde Leber (HHÖ).

Konstante Zahlen in Tirol, hohe Dunkelziffer weltweit

Seit Jahresbeginn wurden in Tirol 55 Hepatitis-C-Fälle bekannt (Stand 28. Juli 2017). Bei der ähnlichen B-Form sind es 31, die über Schmierinfektion übertragene Hepatitis-A wurde nur zweimal gemeldet, berichtet Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber. Im Vergleich zu den Vorjahren seien die Zahlen stabil geblieben. Während in Tirol keine Todesopfer zu beklagen waren, starben österreichweit 268 Menschen in Folge einer Hepatitis-Erkrankung. Gemessen an der Zahl der Gesamteinwohner ist dies EU-weit die zweithöchste Todesrate: Auf eine Million Einwohner kommen 32 Hepatitis-Tote, berichtet das statistische Amt der Europäischen Union (eurostat). Lediglich in Italien fällt die Bilanz mit 40 Sterbefällen pro Million schlechter aus. Im letzten Jahr erlagen hier 2820 Personen der Infektionskrankheit. Finnland bildet das positive Schlusslicht mit zwei Toten pro Million Einwohnern.

Weltweit gab es laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1,3 Millionen Todesopfer. Schätzungsweise 71 Millionen Menschen seien mit Hepatitis C infiziert, 257 Millionen tragen den B-Virus in sich. Die Zahl der Infizierten steige aufgrund zunehmender Migration auch in wohlhabenden Ländern, berichtet die WHO. In Tirol lässt sich dieser Trend laut Landessanitätsdirektion allerdings nicht beobachten.

Ausrottung von Hepatitis C bis 2030 „realistisch“

„In Österreich gehen wir derzeit von etwa 20.000 bis 40.000 Hepatitis-C-Betroffenen aus“ berichtet Widhalm. Die Dunkelziffer dürfte aber weitaus höher sein, denn die Lebererkrankung äußere sich meist in Symptomen, die für die Betroffenen kaum oder erst nach Monaten bemerkbar seien. Eine Impfung gegen Hepatitis-C gibt es derzeit noch nicht.

Was ist Hepatitis?

Der Name Hepatitis leitet sich vom griechischen Begriff „hepar“ für „Leber“ ab und bezeichnet eine Entzündung dieses zentralen Stoffwechselorgans. Als Ursache können Unfälle mit Prellungen oder Blutabflusstörungen ebenso fungieren, wie der Konsum toxischer Substanzen (Medikamende, Drogen, Gifte). Häufigste Auslöser sind jedoch Krankheitserreger wie Viren, Bakterien oder Parasiten. Mediziner unterscheiden zwischen 5 klassischen Virushepatitiden, die mit den Buchstaben A bis E gekennzeichnet sind, wobei A bis C am häufigsten vorkommen.

Hepatitis A

wird oft als „Reisemitbringsel“ bezeichnet, da der Virus relativ leicht über Schmierinfektion, Trinkwasser oder Lebensmittel übertragen wird. Allerdings heilt sie für gewöhnlich rasch und ohne Komplikationen spontan aus.

Deutlich gefährlicher sind hingegen

Hepatitis B und C.

Eine chronische Erkrankung kann zu Leberzirrhose oder einem Leberkarzinom führen. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über Blut, bei hochgradig infizierten Personan aber auch über Urin, Speichel, Samenflüssigkeit, Tränensekret, Galle und Muttermilch.

Während es für

Hepatitis A und B kombinierte Impfstoffe

gibt, existiert für die C-Form noch kein wirksames Serum.

Dennoch sei das Ziel, den Virus bis 2030 zu eliminieren laut Landessanitätsdirektion „realistisch“. Neue Medikamente zur Behandlung seien günstiger und wirkungsvoller denn je, die Heilungsrate liege bei über 90 Prozent. Essentiell sei vor allem die Diagnose: Häufig würde die Krankheit im Rahmen der jährlich empfohlenen Gesundenuntersuchung per Zufall entdeckt. Erhöhte Leberwerte können ein deutliches Warnsignal sein.

„Als Virenträger ist man ansteckend. Das ist unangenehm, weil man es selber oft nicht im Bewusstsein hat, dass man sein Umfeld gefährdet“, sagt Katzgraber. Speziell Personen, die in medizinischen Berufen oder Laboren tätig sind, aber auch Prostituierten und jenen, die Suchtmittel intravenös konsumieren, sei angeraten, regelmäßige Bluttests zu machen.

Herdenschutz bei Hepatitis A und B

Der dringenden Empfehlung der WHO, bereits Neugeborene gegen Hepatitis impfen zu lassen, schließt sich auch Katzgraber an: „Die Impfung hilft, die Verbreitung zu vermeiden. Wir setzen hier vor allem auf die sogenannte Herdenimmunität. Ein breiter Impfschutz in der Bevölkerung ist wichtig, damit die Viren nicht frei in der Bevölkerung zirkulieren können. Man schützt sich dabei nicht nur selber, sondern vermeidet auch, ungewollt jemanden zu gefährden und anzustecken.“ Seit 1998 wird im Rahmen der „Impfaktion Tirol“ Kindern bis zum 15. Lebensjahr die Grundimmunisierung gegen Hepatitis B gratis angeboten.