Fußball-Frauen-EM

Spaniens Damen-Nationalteam und Liga im Aufwind

Spaniens Frauen Nationalteam
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An der Spitze der Frauen-Liga sind mittlerweile mit dem FC Barcelona und Atletico Madrid auch bekannte Clubs die Aushängeschilder.

Von Thomas Tretzmüller/APA aus Wageningen

Wageningen – Nach Jahren der Stagnation ist der spanische Frauenfußball im Aufwind. Hauptverantwortlich dafür ist Jorge Vilda, der das Nationalteam seit Juli 2015 coacht und ähnlich wie die Männerauswahl auf Ballbesitz großen Wert legt. Auch die Liga hat einen großen Schritt nach vorne gemacht, an der Spitze sind mittlerweile mit dem FC Barcelona und Atletico Madrid auch bekannte Clubs die Aushängeschilder.

Den Weg für Vilda machten die Spielerinnen quasi selber frei. Am Tag nach dem Out bei der WM 2015 in Kanada, wo sie als Gruppenletzter mit nur einem Punkt und 2:4-Toren enttäuschten, hatten alle 23 Kickerinnen sich in einem offenen Brief für die Entlassung von Ignacio Quereda ausgesprochen. 27 Jahre lang hatte er das Team betreut, plötzlich waren seine oftmals kritisierten Trainingsmethoden auch aufgrund einer nicht optimalen Turniervorbereitung nicht mehr gefragt.

Mit acht Siegen durch die Qualifikation „gerauscht“

„Wir mussten die Richtung ändern, es musste etwas passieren“, sagte Teamspielerin Vicky Losada im Vorfeld der EM. Der heute 67-jährige Quereda trat zurück. Mit Vilda wurde ein junger Trainer installiert, der zuvor bereits erfolgreich in Spaniens Nachwuchs Aufbauarbeit geleistet hatte. Dort war er acht Jahre lang tätig, coachte etwa die U17 oder U19.

Der Sprung nach oben war der logische nächste Schritt für den Ex-Nachwuchskicker, der früh den Trainerweg eingeschlagen und in den Anfängen auch Erfahrungen als Männer-Konditionstrainer bei Atletico Madrid, Real Madrid und Barcelona gesammelt hatte.

Durch die EM-Qualifikation brauste sein Team mit acht Siegen, gegen EM-Teilnehmer Portugal, Finnland, Irland und Montenegro gelangen 39 Tore. In der Turniervorbereitung konnte mit dem Gewinn des Algarve Cups ein Zeichen gesetzt werden.

Nur ein Sieg in der Gruppenphase

Bei der EM ist der Motor des Weltranglisten-13. aber nach einem Auftakt-2:0 gegen Portugal ins Stottern gekommen. Die Tore von Losada und Amanda Sampedro blieben vorerst Spaniens einzige im Turnier. Gegen England (0:2) und Schottland (0:1) gab es Niederlagen.

Eine Vero Boquete würde Spaniens Spiel vielleicht gut tun. Die Offensivspielerin von Paris St. Germain wurde aber nicht nominiert. Angeblich gab es Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Prämien. Das Fehlen der 30-Jährigen hat auch Österreichs Teamspielerinnen überrascht, die am Sonntag (18.00 Uhr/live ORF eins) im EM-Viertelfinale in Tilburg auf Spanien treffen. Viele kennen sie gut aus der deutschen Liga, in der sie zwischen 2014 und 2016 gespielt hatte und die sie dann von München aus verließ.

Losada wechselte 2014 in die USA zu New York Flash, weil es damals keinen Profibetrieb in Spanien gegeben habe. Nach einem Gastspiel in England kehrte sie Anfang 2017 zum FC Barcelona zurück. Nicht nur der betreibt den Frauenfußball mittlerweile sehr ernst. Mit Meister Atletico Madrid steht ein zweiter Männer-Topclub auch bei den Frauen an der Spitze.

Das 2002 gegründete Barca war von 2012 bis 2015 Meister, danach zweimal Vizechampion. 2016 hinter Athletic Bilbao, dem Frauen-Rekordmeister. Mit Valencia spielt ein weiteres prominentes Team eine wichtige Rolle. „Ich denke schon, dass die spanische Liga im Aufwind ist, speziell Barcelona, die sehr gute Spielerinnen eingekauft haben“, weiß auch ÖFB-Teamspielerin Sarah Zadrazil.

Noch kein „Clasico“ bei den Frauen

Noch vor der EM sicherte sich Barca die Dienste von Frankreichs Elise Bussaglia und Englands Stürmerin Toni Duggan. Großes Ziel wird wohl bald der Gewinn der Champions League sein, da gelang den Katalaninnen zuletzt als erstes spanisches Team überhaupt der Einzug ins Halbfinale.

Real Madrid ist bei den Frauen bisher noch nicht vertreten gewesen, die Pläne, die es schon vor Jahren gegeben hatte, wurden nun wieder aus der Schublade geholt. Im Juni kündigte Präsident Florentino Perez die Installierung eines Frauenteams an. Verständlich, wenn man bedenkt, dass auch das Fernsehen die Liga mittlerweile für sich entdeckt hat und zu Schlagerspielen mehr als 10.000 Zuschauer kommen. Real wolle sich aber von unten nach oben kämpfen. Bis zum ersten „Clasico“ der Frauen wird es also noch dauern. (APA, Reuters)