Wahl 2017: Von Rennpferden, irren Kaisern und Neandertalern
Ein SPD-Politiker hat Verkehrsminister Dobrindt mit Caligulas Pferd verglichen: Auch in Deutschland prägt der kommende Wahlkampf bereits die politische Diskussion.
Berlin – Zustände wie im alten Rom! So werden umgangssprachlich unhaltbare, skandalöse Umstände beschrieben. In der Diskussion über den Dieselskandal und das vermeintliche Kartell der Autobauer hat nun SPD-Generalsekretär Hubertus Heil einen spitzen Vergleich zur Antike gezogen - und empörte Proteste beim (Noch-)Koalitionspartner CDU/CSU ausgelöst. „Merkel und Seehofer haben Dobrindt zum Verkehrsminister gemacht. Die schlechteste Personalwahl, seit Caligula sein Pferd zum Senator ernannt hat“, twitterte Heil am Samstag. Gemeint ist Incitatus, das Lieblingsrennpferd des wahrscheinlich geisteskranken römischen Kaisers.
Da habe sich Heil vergaloppiert, schimpften Unionspolitiker. Der CSU-Abgeordnete Volker Ullrich etwa nannte Heils Tweet unwürdig. „Wie groß auch Ihre Verzweiflung sein mag, das verbietet sich unter Demokraten. Entschuldigung ist fällig“, schrieb er ebenfalls auf Twitter. Michael Grosse-Brömer, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, befand resigniert: „Dieses Niveau hat die ehemals stolze SPD mittlerweile erreicht...“
Offensichtlich liegen wenige Wochen vor der Bundestagswahl bei manchen die Nerven blank in Berlin. Heil selbst schaltete auf stur und konterte, auch Dobrindt habe am Wochenende schließlich hart ausgeteilt und Anton Hofreiter von den Grünen einen „rhetorischen Neandertaler“ genannt.
Wie hieß es im alten Rom: O tempora, o mores! (Oh, (welche) Zeiten, oh, welche Sitten.) (dpa)