Bezirk Kitzbühel

Missenmacher Helmut Gruber: Ein Leben mit Reich und Schön

Helmut Gruber mit der amtierenden Miss Tirol Alexandra Pahr.
© MTW

Als Schneider steckte er die Promis in feinen Zwirn und seit 41 Jahren ist er der Missenmacher Tirols. Der Kitzbüheler Helmut Gruber feiert heute seinen 70. Geburtstag und gibt Einblicke in sein Leben.

Kitzbühel — Ein Auge für das Schöne hatte Helmut Gruber wohl schon immer. Doch seit nun 41 Jahren wird sein Name mit den schönsten Tirolerinnen in einem Satz genannt. Der Kitzbüheler gilt als der Missenmacher Tirols und feiert heute seinen 70. Geburtstag.

Sie bezeichnen sich gerne als echten Kitzbüheler, wie definieren Sie das?

Helmut Gruber: Als Kitzbüheler muss man in Kitzbühel geboren sein und seit zwei Generationen ein Grab in Kitzbühel am Friedhof haben. Beides trifft auf mich zu. Ich bin eine Hausgeburt gewesen und in der Villa Zurner aufgewachsen. Dort habe ich 27 Jahre gelebt. Ich bin mit sechs Geschwistern aufgewachsen und habe noch einen Halbbruder.

Ihr erlernter Beruf ist Schneider. Eine für einen Mann eher ungewöhnliche Berufswahl. Wie kam es dazu?

Gruber: Ich wollte Buchhalter werden, da mein Vater Finanzbuchhalter war. Aber mein Vater sagte: Ein Verrückter in der Familie reicht. Meine Mutter war Schneiderin und mich als Nachkriegskind hat es begeistert, was sie mir aus alten Kleidungsstücken machen konnte. Somit habe ich den Beruf des Schneiders ergriffen. Bei Josef Winkler bin ich in die Lehre gegangen und war fünf Jahre bei Franz Prader. Ich habe dann die Meisterprüfung gemacht und war damals der jüngste Schneidermeister Tirols. Da habe ich mich selbstständig gemacht. Nach 28 Jahren musste ich aber nach einer Augenoperation den Beruf aufgeben.

Schon als Schneider haben Sie es verstanden, die Promi­s in Kitzbühel für sich zu nutzen. Wie kam es dazu?

Gruber: Als ich zum Prader gekommen bin, habe ich das zu schätzen gelernt, dass Prominente ins Geschäft gekommen sind, und ich dachte mir, das ist der richtige Weg, um auch über Kitzbühel hinaus bekannter zu werden.

Aber schon damals haben Sie die Miss-Tirol-Wahl für sich entdeckt?

Gruber: Die Miss-Austria-Wah­l hat 33 Jahre in Kitzbühel in der Tenne stattgefunden. Der damalige Veranstalter Erich Reindl hat einmal jemanden gesucht, der schnell Hot Pants kleiner machen kann. Da wurde ich ihm empfohlen. Mir hat das natürlich sehr gut gefallen. Bald bin ich am Kontrolltisch der Miss Austria gesessen und dann wurde ich gefragt, ob ich die Miss-Tirol-Wahl machen könnte. Ich habe dann die Vorwahlen in Tirol eingeführt. Zum Teil habe ich zehn Vorwahlen in Tirol veranstaltet.

Sie haben nun über 40 Jahre mit schönen Frauen zu tun gehabt.

Gruber: Ich muss schon sagen, der Job hat viel Freude gemacht. Natürlich weil man als Mann mit vielen hübschen Frauen zu tun hat. Aber ich habe dadurch auch zu den heutigen jungen Menschen ein anderes Verhältnis als meine Gleichaltrigen. Weil ich plötzlich sehe, dass die heute andere Probleme haben als wir damals. Und was mich auch wahnsinnig freut, ist, dass ich mit sehr vielen Missen über all die Jahre noch Kontakt habe.

Gibt es unter all den Missen eine besondere?

Gruber: Ja, die besonderste lebt nicht mehr. (Ena Kadic, Anm. d. Red.) Das war ein ganz besonderes Mädchen. Ich werde nie vergessen, wie sie sich bei uns beworben hat. Beim ersten Treffen hat sie mich angestrahlt und gefragt, was sie schaffen kann. Ich sagte, im schlechtesten Fall Miss Austria.

Was ist die Herausforderung bei den Miss-Wahlen? Über die Jahre wird sich ja einiges verändert haben.

Gruber: In den 41 Jahren hat sich alles verändert. Ich will keiner zu nahe treten, die damals teilgenommen hat. Aber das Schönheitsbild hat sich total verändert. Da waren früher Leute dabei, die Miss Austria geworden sind, die würden es heute nicht mal mehr durch die Vorwahl schaffen. Es ist aber auch viel schwieriger, eine Miss als ein Model zu sein. Ein Model soll überschlank und groß sein und nach Möglichkeit grantig schauen. Bei uns soll sie aber ein nettes Gesicht haben, eine schöne Figur, muss sich artikulieren können und soll Ausstrahlung haben.

Wie hat sich das Schönheitsideal verändert?

Gruber: Der Gesamteindruck ist ganz anders geworden, nicht nur der Körper und das Aussehen. Die Mädchen waren früher oft ganz schüchtern und gehemmt auf der Bühne. Was sich mehr als das Aussehen geändert hat, ist also das Selbstbewusstsein der Mädchen.

Die Miss-Wahlen werden gerne in das voyeuristische Eck gedrängt, was sagen Sie dazu?

Gruber: Das ist ein Schmarren. Heutzutage sieht man in jedem Schwimmbad mehr als bei uns bei der Miss-Wahl. Wenn einer spechteln will, ist er bei uns falsch.

Wie kommen Sie zu den Teilnehmerinnen?

Gruber: Ein Teil meldet sich übers Internet, dann auch über Printmedien und dann gibt es noch immer einen sehr hohen Anteil von Mädchen, die von ihren Müttern angemeldet werden. Über all die Jahre habe ich maximal drei bis vier selber angesprochen.

Nach 41 Miss-Wahlen, wie geht es weiter?

Gruber: Das wird sich heuer im Herbst entscheiden. Die Entscheidung, ob ich aufhöre oder weitermache, ist nicht so einfach und wälze ich schon seit Monaten vor mir her. Ich habe immer gesagt, ich möchte es lassen, bevor die Leute sagen: Jetzt schleicht er sich, der Alte. Ich wäge ab, ob es mir zu sehr fehlen würde.

Ein runder Geburtstag wird oft dafür genützt, um Zwischenbilanz zu ziehen. Wie sieht Ihre aus?

Gruber: Meine Kindheit war nicht problemlos, so dass ich mir als Kind schon dachte: So schön ist das Leben nicht. Wenn ich aber jetzt mit 70 darüber nachdenke, hat es der Herrgott sehr gut gemeint mit mir. Ich hatte einen Beruf, den ich sehr gerne ausgeübt habe, die Miss-Wahlen sind ein weiterer sehr positiver Punkt, dann hatte ich ein riesiges Glück mit meiner Frau, ich konnte ein Haus bauen und bin gesund geblieben. Ich bin also sehr, sehr glücklich mit meinem Leben.

Das Gespräch führte Harald Angerer

Gruber mit Robert Schwan und Franz Beckenbauer.
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Gruber in seiner Zeit als Schneider mit Niki Lauda.
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Udo Jürgens und Helmut Gruber.
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