„Ofner war ein fauler Hund“
Zwischen Wachstumsschub, falscher Einstellung und großer Erwartung: Tennis-Ass Sebastian Ofner spielt heute (17.30 Uhr) als erster Österreicher bei den Generali Open in Kitzbühel.
Von Roman Stelzl
Kitzbühel –Sebastian Ofner marschiert pfeilgerade aus der Kitzbüheler Player’s Lounge. Er lächelt, begrüßt sein Gegenüber mit einem festen Händedruck und einem „Wie geht’s?“. Der 21-jährige Tennisspieler spaziert kurz darauf durch das Areal der Generali Open, die Blicke richten sich auf ihn. Das Gesicht des Steirers ist vielen Fans nach dem glanzvollen Auftritt in Wimbledon (3. Runde) in Erinnerung geblieben – selbst wenn das Haargel gestern im Kabinenspind blieb.
„Es ist das erste Mal, dass ich beim Turnier in Kitzbühel spiele“, sagt Ofner mit sonorer Stimme, der Blick ist ruhig, keine Bewegung hektisch. „Ich freue mich sehr, hier zu spielen, die Höhenlage taugt mir. Der Ball springt höher ab, das Spiel ist schneller, da geht etwas vorwärts.“
Dieses Gespräch wird nicht das einzige sein, das Ofner vor seinem heutigen Erstrunden-Auftritt (17.30 Uhr, ORF Sport Plus) gegen Nikolos Basilaschwili (GEO) führt. Die Anfragen haben sich gehäuft. Und das hat einen Grund: Der Weltranglisten-155., der dank einer von Jürgen Melzer geerbten Wildcard spielt, trägt mit Gerald Melzer die heimischen Hoffnungen. Und: Er tut es trotz geringer Chance auf Erfolg in ungleich größerem Ausmaß.
Denn die Geschichte des Sebastian Ofner ist jene des charismatischen Außenseiters. Mit fünf Siegen in Wimbledon schaffte es der Schützling von Wolfgang Thiem aus der Qualifikation in die dritte Runde. Nicht nur die heimischen Medien stürzten sich auf ihn. Plötzlich war ein kleiner Star geboren – und die Schuhe, in die Ofner nun passen sollte, wuchsen und wuchsen. „Es ist schön, wenn man erkannt wird. Aber Wimbledon hat nicht wirklich etwas in meinem Leben verändert“, sagt Ofner.
Wie schon in London trägt der fünffache Future-Sieger drei Sponsoren (Hose, Shirt, Schuhe) zur Schau. Einen gemeinsamer Nenner gibt es noch nicht. „Aber wir haben nach London einige Angebote bekommen“, ergänzt Ofner.
Den rasanten Aufstieg quittiert der Schützling von Wolfgang Thiem mit einem Schulterzucken. „Ich war schon früher einer der Besten in Österreich. Und da wollte ich nach der Matura wieder hin“, sagt Ofner, der dem Schulabschluss („Ich wollte schon alles hinschmeißen“) am Ende den Vorzug gab.
Mitschuld am verspäteten ATP-Auftritt trug zudem ein kräftiger Wachstumsschub. „Früher war ich eher schmächtig und klein. Zwischen dem 18. und 20. Lebensjahr bin ich dann noch mal um 12, 13 Zentimeter gewachsen“, erklärt der 1,91 Meter große Spieler.
Nach dem Schulabschluss kam vor etwa einem Jahr der Wechsel in der Südstadt zu Thiem und Günter Bresnik – Tennis-Star Dominic Thiem wurde zum Trainings- und Weggefährten. Seither ging es für den vom ÖTV gesponserten Spieler mit großen Schritten voran, wie Akademie-Leiter Bresnik erwähnt.
„Ofner war früher ein fauler Hund. Aber er hat seine Einstellung geändert“, erklärt Thiem-Mentor Bresnik. Von Ofner als Wimbledon-Eintagsfliege will der Wiener Altmeister nichts wissen: „Als Eintagsfliege kommst du nicht in die Top 150. Er macht seinen Weg.“ Was Bresnik besonders imponiert, ist seine nunmehrige Hingabe. Ofner: „Da gibt es Parallelen zu Dominic (Thiem, Anm.). Für beide dreht sich fast alles um Tennis. Und beide bleiben am Boden. Das fehlt vielen anderen Spielern, die zu früh hochgelobt werden.“
Heute müssen gegen Vorjahres-Finalist und „Wundertüte“ Basilaschwili Taten folgen. Eine Unterarmverletzung ist auskuriert, alles andere als eine Niederlage wäre aber nur noch Draufgabe. Und die wäre vor heimischem Publikum mehr als doppelt so groß.