Borkenkäfer setzen Tiroler Wäldern zu

Für eine „sehr ernste Situation“ bei den Waldbauern sorgen derzeit die Borkenkäfer. Der Befall hat sich mittlerweile auch schon bis auf 1700 Meter ausgebreitet.

Schadholz und eine günstige Wetterlage ermöglichen es den Borkenkäfern, sich derzeit in großer Menge zu vermehren.
© boehm

Innsbruck –Es ist vom stärksten Borkenkäferbefall in den Tiroler Wäldern überhaupt die Rede. So weit will Klaus Viertler, Geschäftsführer des Waldverbandes Tirol, zwar nicht gehen, aber auch er sagt: „Es ist schlimmer als im Vorjahr und sicher schlechter als in den vergangenen zehn, 15 Jahren.“ Genaue Zahlen, wie sehr der Käferbefall den heimischen Wälder schaden wird, gibt es noch nicht, aber jetzt gehe es um „Schadensbegrenzung“, und der Wert vom Vorjahr werde mit Sicherheit erreicht bzw. möglicherweise auch überschritten. „Die Situation ist sehr ernst.“

115.000 Festmeter Holz sind im Vorjahr vom Borkenkäfer befallen worden. Christian Schwaninger von der Abteilung Waldschutz der Gruppe Forst im Landhaus sagt: „Der Borkenkäfer ist heuer ein landesweites Problem.“ Mitverantwortlich dafür sei auch das Wetter. Es sei im Herbst lange warm gewesen, wodurch sich die Tiere entwickeln und dann überwintern konnten. Auch der Frost im heurigen Frühjahr habe ihnen nicht geschadet. Dazu kamen die Hitzeperioden im Juni und auch jetzt. „Bei den Fichten, aber auch bei den Kiefern gibt es sehr große Borkenkäfernester. Normalerweise leben die Tiere bis zu einer Höhe von 1200 Metern, inzwischen sind sie auch schon auf 1700 Metern zu finden“, sagt Schwaninger. Dort sei es aber natürlich besonders schwierig, befallene Bäume zu schlägern und abzutransportieren. Die beiden Experten sind sich einig, dass es das Wichtigste sei, einen befallenen Baum möglichst rasch aus dem Wald zu bringen.

Ob alle Waldbauern dies umsetzen? Viertler sieht gewisse Unterschiede. „Es gibt viele, die sehr professionell Schadholz aus dem Wald bringen und wirklich dahinter sind. Dann gibt es Waldbesitzer, die gar keinen Bezug mehr dazu und ein Stück geerbt haben.“ Viertler erklärt aber, dass sich das System mit Waldaufsehern bewährt habe. Zudem würde man seitens der Landwirtschaftskammer „informieren, informieren, informieren“.

Vorerst kaum absehbar sei die Entwicklung des Holzpreises durch die Borkenkäfer-Problematik. Viertler sieht vorerst den „Frischholzpreis stabil“ und auch bei den Preisen von Schadholz sei dies so. Da es aber in Bayern noch deutlich größere Probleme mit dem Borkenkäfer gibt, könne es sein, dass von dort für die Tiroler Holzindustrie billigeres Holz angeboten werde und dadurch die Preise sinken.

Schwaninger hofft zudem auf den Wettergott. Ideal wären nämlich „viel Wasser und kühle Temperaturen. Denn zum Gedeihen brauchen die Käfer die Wärme. Bei einer normalen Temperatur braucht der Käfer 100 Tage zur Entwicklung, bei passendem Klima praktisch fast nur die Hälfte.“ (np, mw)


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