Sie brennen für ihre Leidenschaft

Manfred Lehnert und Sohn Alexander produzieren im Traditionsbetrieb „Kaiseradler“ im Kaiserbachtal hochwertiges Latschenkieferöl. Daraus entstehen Produkte, die bei verschiedenen Wehwehchen helfen sollen.

Manfred Lehnert arbeitet seit vier Jahren mit Sohn Alexander zusammen.
© Hotter/Lehnert

Kirchdorf –Vater und Sohn als Arbeitskollegen – kann das gut gehen? Im Fall von Manfred (54) und Alexander (26) Lehnert lautet die Antwort: „Ja!“ Die beiden brennen nämlich für das, was sie tun – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die zwei Männer stellen in der Latschenbrennerei im Kaiserbachtal hochwertiges Latschenkieferöl der Marke „Kaiseradler“ her.

„Ich bin seit 29 Jahren herinnen. Da kann es passieren, dass man betriebsblind wird“, erzählt Manfred Lehnert. Gut, dass Sohn Alexander vor vier Jahren den Entschluss fasste, ihm unter die Arme zu greifen. „Ich habe zu ihm gesagt: ‚Xandl, wenn dir etwas auffällt, das man besser machen kann, dann raus damit.‘“ Schwachstellen im Betrieb hat Alexander Lehnert nicht gefunden, dafür aber seine Berufung. „Ich habe meine Entscheidung nie bereut.“

Alltag in der Latschenbrennerei im Kaiserbachtal
© Lehnert

An die Arbeit machen sich die beiden Männer im Frühjahr, wenn der Schnee die Latschen freigibt. „Wir wandern auf den Feldberg“, verrät Manfred Lehnert. Die Pflanzen sind zwar geschützt, doch die Familie hat von den Österreichischen Bundesforsten die Genehmigung, die Latschen abzutragen. „Wobei wir sie nicht komplett abschneiden, sondern nur 50 bis 60 Zentimeter lange Äste mitnehmen. Die Latschen werden also ,ausgelichtet‘, damit sie wieder nachwachsen können“, räumt der 54-Jährige ein. In etwa 60 Kilogramm schweren Bündeln tragen die Männer die Latschen zu einem Zufahrtsweg, wo ein Traktor bereits auf die beiden wartet und sie zur Latschenbrennerei bringt.

Die zerkleinerten Latschen landen im Brennkessel, aus dem Alexander sie später wieder herausschöpft.
© Lehnert

Dort geht es dann ans Eingemachte: Nachdem Manfred Lehnert die Latschen zerkleinert hat, kommen sie in einen großen Kessel. „Rund 600 Kilogramm gehäckselte Latschen passen da rein. Daraus gewinnen wir aber nur eineinhalb Liter hochkonzentriertes Öl.“ Dieses muss weiterverarbeitet werden. „Sonst kann es Verbrennungen auf der Haut verursachen.“ Etwa 15 Kessel pro Saison von April bis Oktober werden angeheizt.

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Das Öl wird schließlich mit destilliertem Wasser und medizinischem Alkohol verdünnt und eignet sich danach zur Herstellung von Franzbranntwein. Dieses Produkt soll für eine bessere Durchblutung der Muskeln und der Haut sorgen – darauf schwören laut Manfred Lehnert viele Sportler. „Wichtig aber ist, den Franzbranntwein nicht nach dem Sport, sondern davor aufzutragen.“ Der ganze Stolz der Unternehmerfamilie ist allerdings die Salbe mit Latschenkieferöl. „Wenn man eine rissige, raue Haut hat, dann wirkt die Salbe sehr gut. Genauso bei Abschürfungen. Außerdem ist sie im Winter ein guter Kälteschutz.“ Aber auch Seifen, Bade- und Gurglsalz sowie Zuckerln haben die Lehnerts im Angebot. Die Produkte werden auch ins Ausland geliefert, etwa nach Deutschland, Schweden oder Norwegen. Für den Vertrieb ist Alexander Lehnerts Mutter bzw. Manfred Lehnerts Frau Christine zuständig, genauso wie für die Abfüllung der Produkte in Kössen.

Vater und Sohn bei der Arbeit: Manfred Lehnert zerkleinert im ersten Schritt die Latschen.
© Lehnert

Die Rezeptur für viele Produkte stammen von der „Latschen-Anni“, Christine Lehnerts Großmutter. „Ich habe ja nur eingeheiratet“, sagt Manfred Lehnert lachend. Anna Hofmann hatte die Latschenbrennerei 1947 aufgebaut. Ihr Erbe wird nicht nur erhalten, sondern geschätzt. „Ich denke mir jeden Tag: Wow, in dieser schönen Natur darf ich arbeiten“, sagt Manfred Lehnert, Sohn Alexander schaut seinen Vater an und nickt. Seine Augen sagen: „Mir geht es genauso.“ (miho)


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