Internationale Pressestimmen zu den jüngsten Nordkorea-Sanktionen

Pjöngjang (APA/AFP/dpa) - Die Zeitungen kommentieren am Montag die neuen, auch von China mitgetragenen UNO-Sanktionen gegen Nordkorea:...

Pjöngjang (APA/AFP/dpa) - Die Zeitungen kommentieren am Montag die neuen, auch von China mitgetragenen UNO-Sanktionen gegen Nordkorea:

„Times“ (London):

„Viel hängt davon ab, wie China diese Maßnahme gegen das Land umsetzt, das praktisch unter seiner Schirmherrschaft steht. Wegen der Befürchtung, dass ein wirtschaftlicher Zusammenbruch Nordkoreas zu einem chaotischen Ende des Regimes führen und einen Flüchtlingsstrom über die Grenze auslösen würde sowie der erste Schritt zu einem wiedervereinigten Korea unter amerikanischer Vormundschaft wäre, hat China lange gezögert, umfassenden Sanktionen zuzustimmen. Das stand im Gegensatz zu seinem langfristigen strategischen Ziel, die USA aus Asien zu verdrängen.

Als Kim Jong-un im vergangenen Monat aber seine zweite Interkontinentalrakete startete, wurde Peking klar, dass es noch einen Grund gibt, nervös zu sein: die Möglichkeit, dass das Weiße Haus einen präventiven Angriff auf Nordkoreas nukleares Kommandozentrum befehlen würde, anstatt zu warten, bis Kim seine Waffen fertig entwickelt und einsetzt. Ein solcher Angriff - selbst wenn das Kim-Regime an der Macht bliebe - wäre ebenso schädlich für Peking und würde Asien grundlegend destabilisieren. Daher hat China sich entschieden, Sanktionen zu unterstützen. Es sollte nun zu seinem Wort stehen.“

„Süddeutsche Zeitung“ (München):

„Die Sanktionen sind hart und werden Nordkorea schwer treffen. Es fehlt aber ein Eskalationsplan: Was, wenn Kim die nächste Rakete testet? Was, wenn der sechste Bombentest gezündet wird? Die Geschlossenheit des Sicherheitsrats ist wertvoll. Besser wäre jetzt ein politischer Krisenplan mit einem Vermittler, der Nordkorea zum Gespräch zwingt.“

„Sme“ (Bratislava):

„Die Einstimmigkeit, mit der alle Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates inklusive China und Russland weitere Sanktionen gegen Nordkorea beschlossen, ist vor allem ein Indiz dafür, dass die anderen Großmächte verstanden haben, wie nahe die Regierung von (US-Präsident) Donald Trump einem Präventivschlag steht. Und weil ein solcher das Leben von Millionen Menschen in Südostasien und die Sicherheit der ganzen Welt gefährden würde, suchen sie lieber eine gemeinsame Lösung.“

„De Tijd“ (Brüssel):

„Die Frage ist, wie groß der Einfluss von Peking auf das Regime in Pjöngjang noch ist. Nordkoreas Führer sieht die Entwicklung eines Raketenarsenals mit Atomsprengköpfen als Mittel zur Aufrechterhaltung seines Regimes im eigenen Land. Zugleich soll mit dieser Drohung jegliche militärische Intervention von außen erschwert werden.(...)

Gegen ein Regime wie das von Kim Jong-un vorzugehen ist schwierig. Es ist despotisch, unberechenbar und daher lebensgefährlich. Sanktionen treffen nicht die korrupte Oberschicht des Regimes, sondern die einfache Bevölkerung. Über den Handel kann man das Regime packen und den Machthabern wehtun. Dies ist der einzige Weg, um sie an den Verhandlungstisch zu bringen.“

„Dernieres Nouvelles d‘Alsace“ (Straßburg):

„Chinas doppeltes Spiel besteht weiterhin darin, die USA auf Abstand zu halten (...) und zu knurren, sobald (...) Krieg zur realen Bedrohung wird. So gesehen ist die chinesische Beteiligung an den UNO-Sanktionen beunruhigend. Ein immer martialischer auftretender Trump (...) und immer weiter reichende nordkoreanische Raketen steigern das Risiko für China, einen dramatischen Konflikt vor seiner Haustür austragen zu müssen.“

„Sud-Ouest“ (Bordeaux):

„Kim Jong-un stellt inzwischen eine zu große Gefahr für Frieden und Stabilität im Nordosten Asiens dar, als dass Peking auf eine Reaktion verzichten könnte. Die Hoffnung ist, dass die Sanktionen den Diktator von Pjöngjang ein wenig zur Vernunft bringen werden. Weil Nordkorea über Atomwaffen verfügt, ist ein militärisches Eingreifen wie einst in Libyen oder im Irak unvorstellbar.“


Kommentieren