Vom Berg ins Museum: Danielle Spera wird 60

Wien (APA) - Bekannt wurde sie durch ihre Arbeit am Küniglberg - als Museumschefin ist die ehemalige TV-Moderatorin inzwischen aber ebenfall...

Wien (APA) - Bekannt wurde sie durch ihre Arbeit am Küniglberg - als Museumschefin ist die ehemalige TV-Moderatorin inzwischen aber ebenfalls erfolgreich und anerkannt: Seit 2010 leitet Danielle Spera das Jüdische Museum in Wien. Das Haus in der Dorotheergasse 11 sowie die Dependance am Judenplatz wurden unter ihrer Ägide modernisiert. Am Donnerstag (10. August) feiert die Direktorin ihren 60 Geburtstag.

Am 1. Juli 2010 übernahm Spera die Nachfolge des damaligen Museumsleiters Karl Albrecht-Weinberger. Sie galt als klare Favoritin der Stadt Wien, ihre Bestellung war somit alles andere als eine Überraschung. Der Abschied vom ORF fiel ihr - im wahrsten Sinn der Wortes - sichtlich schwer: Als sich die zweimalige Romy-Preisträgerin vom „ZiB“-Publikum mit einem „Danke für Ihre Anerkennung“ verabschiedete, versagte ihr beinahe die Stimme.

Spera wurde am 10. August 1957 in Wien als Kind jüdischer Eltern geboren, besuchte aber eine katholische Privatschule. Sie studierte Publizistik und Politikwissenschaft in Wien und promovierte 1983. Das Thema ihrer Dissertation waren die Wahlkämpfe der Sozialdemokratischen Partei in der Zwischenkriegszeit. Seit 1978 freie Mitarbeiterin des ORF, war sie von 1980 bis 1983 für die Auslandsredaktion in Mittelamerika, Griechenland und Zypern unterwegs.

1987 verbrachte sie als ORF-Korrespondentin in Washington, 1988 übernahm sie die Moderation der „Zeit im Bild“ - erst mit Josef Broukal, dann mit Horst Friedrich Mayer und Martin Traxl, zuletzt mit Tarek Leitner. Danielle Spera war auch als Redakteurssprecherin aktiv - sowie von 1990 bis 2002 Lehrbeauftragte am Institut für Publizistik der Universität Wien. In diese Zeit fällt auch ihre Biografie „Hermann Nitsch - Leben und Arbeit“ (1999) sowie die Mitbegründung des jüdischen Kulturmagazins „Nu“.

Das wohl größte Vorhaben in der Dorotheergasse erfolgte bereits zum Auftakt: Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit wurde das Jüdische Museum, das 1990 wiedereröffnet wurde (das erste Jüdische Museum in Wien wurde 1895 gegründet und 1938 zwangsweise geschlossen), umfangreich saniert. Zunächst wurden die Ausstellungsräumlichkeiten im Misrachihaus am Judenplatz adaptiert.

Eröffnet wurde der dortige Standort im Oktober 2000 zeitgleich mit der Enthüllung des Mahnmals für die Opfer des Holocausts. Der Fokus am Judenplatz lag und liegt auf der älteren jüdischen Gemeinde. Leihgaben aus ganz Österreich und archäologische Fundstücke sind dort Teil der Dauerausstellung. In den kommenden Jahren will Spera hier eine neue permanente Schau über die Anfänge des Wiener Judentums einrichten, wie sie der APA nun in einem Interview verriet.

Das Haupthaus wurde im September 2011 nach monatelanger Renovierung wieder eröffnet, vorerst aber noch ohne neue Dauerschau. Die Art der Entfernung von Hologrammen in der bisherigen Permanent-Ausstellung hatte für gröbere interne Verwerfungen und - vorübergehend auch internationale - Kritik gesorgt. 2013 erfolgte die Eröffnung der neuen Dauerausstellung. Sie beginnt mit dem Neustart 1945 und zeigt dabei eindrucksvoll, dass der Antisemitismus nicht mit der NS-Diktatur verschwand.

Das Spektrum, dass die Sonderausstellungen an beiden Standorten abdecken, ist überaus groß. Simon Wiesenthal wurde dabei genauso gewürdigt wie Amy Winehouse, der Künstler Boris Rabinovich, der Fotograf Michael Horowitz oder die aus Wien emigrierte Sekretärin von Elvis Presley. Auch ehemals jüdischen Kaufhäusern, Speisetraditionen, Wiens zerstörten Synagogen oder dem jüdischen Humor waren Ausstellungen gewidmet.

Zu den Hobbys von Danielle Spera gehört unter anderem die Beschäftigung mit zeitgenössischer Kunst, wie sie einem Magazin verriet - wobei sie bei der Gelegenheit auch darlegte, was sie auf die einsame Insel mitnehmen würde: „Meine Familie, für alle viele Bücher und viel Pasta zur Verköstigung.“ Davon würde der Psychoanalytiker Martin Engelberg profitieren, mit dem sie seit 1994 verheiratet ist - und die drei gemeinsamen Kinder.

(B I L D A V I S O – Bilder von Danielle Spera sind im AOM abrufbar.)

~ WEB http://orf.at ~ APA121 2017-08-07/10:45


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