ImPulsTanz: Ian Kalers tranige, trans-mediale Trans-Identität

Wien (APA) - Sollte „Livfe“, also das Leben, Bewegung bedeuten, herrschte am Sonntagabend bei Ian Kalers gleichnamiger ImPulsTanz-Premiere i...

Wien (APA) - Sollte „Livfe“, also das Leben, Bewegung bedeuten, herrschte am Sonntagabend bei Ian Kalers gleichnamiger ImPulsTanz-Premiere im Akademietheater das Gegenteil: Persönliche Verortungen als quälender Stillstand, die Windstille im Auge des Orkans möglicher Identitäten. Die Möglichkeiten des Theaters nutzt Kaler bei seinem ersten Projekt für eine Guckkastenbühne nur sehr bedingt.

In den Fokus des 50-minütigen Abends nimmt Kaler die Vielgestaltigkeit seines Charakters - wenn auch im Wesentlichen vermittelt durch das Wort. So setzt der gebürtige Wiener, der seine Karriere nach dem Studium der Transmedialen Kunst als An Kaler begonnen und vor wenigen Jahren die Geschlechtergrenzen überschritten hat, die ersten zehn Minuten ganz auf seine Stimme aus dem Off vor weißer Leinwand. Er skizziert dabei eine sich transformierende Persönlichkeit, die stets in Bewegung ist.

Einzig die von der Musikerin rRoxymore live zugespielte Geräuschkulisse zwischen afrikanischer Rhythmik, gefälligem 80er-Beat und elektronische Flatulenzen untermalt die Szenerie, die sich nach quälend langer Selbstbeschreibung hin zu einer Videosequenz erweitert - dem stärksten Kapitel. Identitätssymbole schieben sich hier kaleidoskopisch ineinander, evozieren Geschlechtsteile, Körper, Wandlung. Als Kooperation mit der Filmemacherin Imogen Heath wird diese Sequenz schließlich von assoziativen Bildern aus alten VHS-Filmen und Waldaufnahmen abgelöst, zu denen Kaler, nun erstmals persönlich auf der Bühne, semi-poetische Texte rezitiert. Und dann ist mit einem Male und unvermittelt Schluss.

Letztlich ist „Livfe“ eher eine Videoinstallation denn ein Liveerlebnis - bis auf wenige Zuckungen hat Kaler mit Tanz nichts am Hut. „Livfe“ ist entgegen des Namens kein Werk, das eine transitorische Theatersituation verträgt. In der Ausgesetztheit entsteht für den Zuschauer eine Intimität, die nicht berührt, sondern eher ratlos macht. Es ist eine Bauchnabelschau der eigenen Befindlichkeit, der Identitätssuche als Bestandsaufnahme, die für den jeweils Betroffenen selbstredend von enormer Bedeutung ist - für Außenstehende in der ungefilterten Form jedoch nur von begrenztem Interesse.

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(S E R V I C E - www.impulstanz.com)

(B I L D A V I S O - Pressefotos zu „Livfe“ stehen unter https://goo.gl/photos/cW1RPKML2SBXuzNr7 zum Download bereit.)


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