Nordkorea droht nach Sanktionen: „USA sind nicht sicher“

Pjöngjang hält an seinem Atomprogramm fest. Die USA und Südkorea erhöhen den Druck auf Nordkorea. China ruft zur Mäßigung auf.

Pjöngjang hält an seinem Atomprogramm fest.
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Pjöngjang, Moskau – Nordkorea will trotz der jüngsten UNO-Sanktionen nicht von seinem Atomprogramm abrücken und droht stattdessen den USA. „Es gibt keinen größeren Fehler für die USA als zu glauben, dass ihr Land auf der anderen Seite des Ozeans sicher ist“, erklärte die kommunistische Führung in Pjöngjang am Montag über die amtliche Nachrichtenagentur KCNA.

Solange die USA dem Land feindlich gesinnt seien, werde es keine Verhandlungen geben, hieß es weiter. US-Präsident Donald Trump und sein südkoreanischer Kollege Moon Jae-in vereinbarten hingegen, den Druck auf den Norden weiter zu erhöhen. Nordkorea stellte „eine ernste und wachsende direkte Bedrohung“ für die meisten Länder der Welt dar, erklärte das US-Präsidialamt. China bemühte sich, die Wogen zu glätten, und rief die beiden koreanischen Staaten zum Dialog auf.

„Gerechte Gegenmaßnahmen“

Nordkorea kritisierte die auf Drängen der USA einstimmig vom UNO-Sicherheitsrat beschlossenen Strafmaßnahmen als Verletzung seiner Souveränität. Das weitgehend abgeschottete Land kündigte „gerechte Gegenmaßnahmen“ an, ohne diese jedoch zu konkretisieren.

In einem Telefonat vereinbarten Trump und sein südkoreanischer Kollege Moon, Nordkorea weiter zum Einlenken zu drängen. Zugleich mahnte Moon in dem Telefonat, es müsse eine „friedliche und diplomatische Lösung“ gefunden werden. Der Süden könne es nicht zulassen, dass „ein weiterer Krieg ausbricht“, sagte er laut einer Erklärung des Präsidentenbüros in Seoul in Bezug auf den Korea-Krieg 1950 bis 1953.

US-Außenminister Rex Tillerson sagte am Rande eines ASEAN-Treffens in Manila, das beste Signal wäre, wenn Nordkorea auf seine Raketentests verzichte. Dann könne es auch Gespräche geben. Auch andere Staaten der Region ermahnten die nordkoreanische Regierung, ihren „bedrohlichen und provokanten Pfad“ zu verlassen. Ansonsten würden weitere diplomatische und wirtschaftliche Schritte eingeleitet, um das Land zum Einlenken zu bringen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die Japan, Australien und die USA am Rande des ASEAN-Treffens veröffentlichten.

China rief alle Seiten zur Mäßigung auf

Nordkoreas letzter Verbündeter und wichtigster Handelspartner China rief alle Seiten zur Mäßigung auf. Außenminister Wang Yi erklärte, Nordkorea habe ein Gesprächsangebot des Südens nicht rundheraus abgelehnt. China, das als ständiges Mitglied ein Veto-Recht im UNO-Sicherheitsrat hat, trägt die Sanktionen mit, hat aber klargemacht, sie nicht als Dauerlösung zu betrachten.

Nordkoreas Außenminister Ri Yong-ho hatte die Offerte bei einer kurzen Begegnung mit seiner südkoreanischen Kollegin Kang Kyung-wha am Rande der ASEAN-Konferenz als „unaufrichtig“ bezeichnet, wie ein Vertreter der Regierung in Seoul sagte.

Bei dem kurzen Zusammentreffen in der philippinischen Hauptstadt schüttelten die beiden Außenminister einander die Hände, wie die südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Kang habe ihren nordkoreanischen Amtskollegen aufgefordert, das Angebot zur Aufnahme von Militärgesprächen anzunehmen. Doch habe Ri dies zurückgewiesen.

Forderung nach Abrüstung

Russland forderte eine atomare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel. Außenminister Sergej Lawrow teilte am Montag mit, er habe bei einem Treffen mit seinem nordkoreanischen Kollegen Ri am Rande der Konferenz in Manila zur Zurückhaltung in dem Konflikt aufgerufen. Alle Seiten müssten unverzüglich eine diplomatische Lösung des Streits suchen, sagte Lawrow einer Mittelung des Außenministeriums in Moskau zufolge.

Der UNO-Sicherheitsrat hatte am Samstag einstimmig die bisher schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen das international isolierte Land verabschiedet. Die von den USA eingebrachte und mit China sowie Russland abgestimmte Resolution sieht unter anderem Ausfuhrverbote auf Kohle, Eisen, Blei und andere Rohstoffe vor. Damit werden die ohnehin schon mageren Exporterlöse Nordkoreas nach US-Angaben um eine Milliarde Dollar (850 Millionen Euro) und so mindestens um ein Drittel gekürzt.

Vorausgegangen war der zweite Test einer nordkoreanischen Interkontinentalrakete binnen eines Monats. Solche Tests hatte der UNO-Sicherheitsrat verboten. Die am 28. Juli abgefeuerte Rakete hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10.000 Kilometern. Sie hätte damit das Festland der USA treffen können. (APA/Reuters/dpa/AFP)


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