Tschechien: Schweinemast auf NS-Lagergelände wird abgerissen

Prag (APA/dpa) - Im Streit um eine Schweinemast auf dem Gelände des früheren NS-Zwangsarbeitslagers Lety im heutigen Tschechien gibt es eine...

Prag (APA/dpa) - Im Streit um eine Schweinemast auf dem Gelände des früheren NS-Zwangsarbeitslagers Lety im heutigen Tschechien gibt es eine Einigung. Der Besitzer des Agrarbetriebs stimmte dem Verkauf der Anlage an den Staat zu. Der endgültige Vertrag werde Anfang September unterzeichnet, sagte Kulturminister Daniel Herman am Montag dem tschechischen Rundfunk.

Der Staat will die Anlage abreißen lassen und damit ein würdiges Gedenken an die NS-Opfer ermöglichen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Das sogenannte „Zigeunerlager“ Lety war 1942 unter deutscher Besatzung eingerichtet worden. Unter katastrophalen Bedingungen starben dort 327 Menschen. Die Zahl der Toten könnte indes weit höher liegen als bisher angenommen: Archäologen stießen vor kurzem auf Spuren bisher unbekannter Massengräber. Ein Teil der Häftlinge wurde zudem ins KZ Auschwitz verschleppt und dort ermordet.

Vertreter der Roma-Minderheit und der UN-Menschenrechtsausschuss hatten jahrelang die Schließung des Schweinemastbetriebs gefordert, der in den 1970er Jahren errichtet worden war. Seit 2010 gibt es eine Dauerausstellung zur Geschichte des Ortes, die jährlich von gut 10.000 Menschen besucht wird. Der geplante Kauf durch die Mitte-Links-Regierung stößt in Tschechien auch auf Kritik. Es sei „hinausgeworfenes Geld“, hieß es in einem Internet-Blog.


Kommentieren