Alm-Streit in Tösens landet vor Gericht

Der Streit zwischen der Gemeindegutsagrargemeinschaft Tösens und einigen Schaf- und Ziegenbauern eskaliert. Nun wurde einer von ihnen auf 7000 Euro verklagt.

Der Streit um die Bealpung von Schafen und Ziegen in Tösens eskaliert.
© Dietrich

Von Matthias Reichle

Tösens –Da liegen sich zwei in der Wolle, heißt eine Redensart. In Tösens passt dieses Wortspiel besonders gut – dort eskaliert derzeit ein Streit zwischen Schafbauern, die sich auf alte Rechte berufen, und der Gemeindegutsagrargemeinschaft Tösens über die Bealpung von Schafen und Ziegen. Die Fronten sind verhärtet, der Streit sehr persönlich: Einem der Betroffenen flatterte kürzlich eine Unterlassungsklage ins Haus. Die Gemeindegut klagt ihn darin – weil er seine Ziegen zum wiederholten Mal ohne Erlaubnis auf ihr Almgebiet aufgetrieben hat – auf 7000 Euro.

„Ich bin das Opfer“, schüttelt der Betroffene, der selbst kein Tösner und auch nicht Mitglied der Agrargemeinschaft ist, den Kopf über diesen finalen Schritt. Dass man „wegen so einer Kleinigkeit so einen Aufstand betreibt“, kann er nicht verstehen. „Da muss jetzt halt der Richter entscheiden, ob das gerechtfertigt ist“, weil zurückziehen will er nun keinesfalls – „dazu ist es zu spät“.

Keine Lösung sieht auch Bürgermeister Bernhard Achenrainer: „Wenn wir sagen, es geht nicht, dann geht es nicht. Für mich ist wichtig, dass nicht jeder tut, was er will. Irgendwann müssen die Leute auch finanziell zur Rechenschaft gezogen werden, sonst glauben sie es nicht.“

Die Lage ist verzwickt. Es ist nicht das erste Jahr, dass die Bauern ihre Tiere gegen den Willen der Gemeindegutsagrargemeinschaft aufgetrieben haben. Bereits 2016 kochten die Emotionen über – die Tiroler Tageszeitung hat berichtet.

Daraufhin hatte die Abteilung Agrarwirtschaft des Landes einen Almbewirtschaftungsplan erstellt, um das Problem zu lösen. Es gab mehrere Begehungen und Sitzungen, an deren Ende ein Vorschlag stand, der auch den Schafbauern miteinbezogen hätte. Das Land befürwortete, dass künftig auch Schafe und Ziegen auf den Almen Platz finden.

Das Konzept sah es vor, dass jedes in Tösens überwinterte Vieh aufgetrieben werden darf: Kühe, Kalbinnen, Kälber, Pferde sowie 300 Schafe und 20 Ziegen. Im April lehnten die Agrarmitglieder den Plan jedoch mehrheitlich ab – und auch der Agrarausschuss schloss sich dem einstimmig an. „Schade um die Arbeit“, lautet der Kommentar dazu aus der Agrarbehörde – denn die Bealpung aller Tiere hätte funktioniert, wenn man zusammengearbeitet hätte.

Mit Beginn der Almsaison begannen dann die Probleme aufs Neue – die vier Bauern trieben ihre Tiere auch heuer wieder auf die Almen auf – und kündigten es vorher auch an. „Da der neue Weidewirtschaftsplan nicht in Kraft treten wird, machen wir weiterhin von den alten Weiderechten Gebrauch“, teilte einer von ihnen seine Pläne mit.

Darauf berufen sich die vier Landwirte. Man habe das Recht, überwintertes Vieh auf Gemeindegrund weiden zu lassen, betont Thomas Schranz, einer der betroffenen Bauern, der auch in alten Almbüchern nachweisen kann, dass früher bis zu 500 Schafe den Sommer auf der Alm verbracht haben.

„Sie haben diese Rechte nicht“, entgegnet Bürgermeister Bernhard Achenrainer, „es gibt nur das Durchgangsrecht bei den Bundesforsten, es steht jedoch nirgendwo ein Weiderecht auf den Almen.“ Es stimme, dass früher Schafe auf die Almen aufgetrieben wurden – die seien aber jeweils nur geduldet worden. Der Grund warum nur gegen einen der Bauern zivilrechtlich vorgegangen wird sei, dass nur dieser kein Agrarmitglied ist. Gegen die anderen sei Anzeige bei der Agrarbehörde erstattet worden, so Achenrainer. Man habe die Betroffenen aufgefordert, die Beweidung zu unterlassen.

Für ihn gab es gute Gründe, den Almbewirtschaftungsplan des Landes abzulehnen. Für die Bauern sei nicht zu akzeptieren gewesen, dass zwar für die Schafe, jedoch nicht für die Mutterkuhhaltung eine Lösung gefunden wurde. Außerdem wären auf die Gemeinde hohe Kosten beim Zäunen und Behirten zugekommen. Dem stimmt auch Agrarobmann Hans Monz zu.

Für die Rinder sei man bereit zu zäunen, für die Schafe nicht, betont Schranz. Er begrüßt das Gerichtsverfahren, um Klarheit zu schaffen. Auch seitens der Schafbauern seien Anzeigen gegen Agrar- bzw. Gemeindevertreter in Ausarbeitung und schon eingebracht worden.


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