LA: Venezuela in der Krise, aber die Athletinnen top - Erstes WM-Gold

London (APA) - Venezuelas Präsident Nicolas Maduro versucht, seine Bevölkerung in der von ihm mitverschuldeten Krise mit einem Twitter-Posti...

London (APA) - Venezuelas Präsident Nicolas Maduro versucht, seine Bevölkerung in der von ihm mitverschuldeten Krise mit einem Twitter-Posting über Sport bei Laune zu halten. Er kommentierte den Goldmedaillengewinn von Dreispringerin Yulimar Rojas, die bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London den ersten Titel in der WM-Geschichte für ihr politisch und wirtschaftlich gebeuteltes Land erkämpfte.

In einem hochklassigen Duell mit Rio-Olympiasiegerin Caterine Ibargüen setzte sich die 1,92 m große von Ivan Pedroso - kubanischer Weitsprung-Olympiasieger von 2000 in Sydney und vierfacher Weltmeister - betreute Rojas Montagabend mit 14,91 m um zwei Zentimeter vor der kolumbianischen Kontrahentin durch.

„Voller Stolz haben wir den Sieg unserer Yulimar Rojas gesehen. Sie ist eine glorreiche Athletin der goldenen Generation. Herzlichen Glückwunsch zur Medaille“, schrieb Maduro auf Twitter und postete ein Video vom Gold-Satz der Athletin dazu, die als Olympia-Silbermedaillengewinnerin nach London gereist war.

Geschichte geschrieben hatte am Sonntag auch Rojas Landsfrau Robeilys Peinado, ihr Stabhochsprung-Bronze mit dem nationalem Rekord von 4,65 m bedeutete die erste Medaille bei nun 16 Freiluft-Weltmeisterschaften überhaupt für Venezuela. Ein achter Rang eines Mittelstreckenläufers 2011 in Daegu war die zuvor beste Platzierung gewesen.

Beide Springerinnen haben für ihr Training aber den Weg ins Ausland gesucht. Die erst 19-jährige Peinado hat sich in Polen niedergelassen und wird von Wiaczeslaw Kaliniczenko betreut. „Ich glaube, dass es für mich der richtige Schritt war, in Europa zu leben und zu trainieren. Polen ist ein kaltes Land, aber das macht mir nichts mehr aus“, erzählte Peinado, die ihr langes dunkles Haar zum Pferdeschwanz gebunden trägt. Die in Spanien lebende 21-jährige Rojas indes kündigte eine Farbveränderung an, wollte von ihren blassgrünen Strähnchen auf „irgendwas zwischen rosa und lila“ wechseln.

Aber wenn die Sprache auf ihr Heimatland kommt, wird die quirlige und etwas ausgeflippte Rojas auch in der Stunde ihres größten Erfolges ernst. „Ich bin traurig wegen dem, was in meinem Land passiert. Es ist ein wundervolles Land. Ich weiß, dass wir das eines Tages alles beenden werden, diese Kämpfe und diesen Krieg zwischen Brüdern. Ich hoffe, ich habe mein Land stolz gemacht.“ Sie freue sich schon, bald wieder Urlaub in der Heimat bei der Familie und den Freunden zu machen.

Präsident Maduro hatte trotz internationalen Mahnungen an der Einsetzung der umstrittenen Verfassungsversammlung festgehalten und das Parlament de facto entmachtet. Seit Monaten gibt es blutige Proteste gegen Maduro, bei denen schon weit über hundert Menschen getötet wurden. Die Opposition macht den Staatschef für die wirtschaftliche Misere des ölreichen Landes und die Verarmung verantwortlich und wirft ihm vor, die Demokratie abzuschaffen und eine Diktatur anzustreben.


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