Salzburger Festspiele - „Starrampentheater“: Pressestimmen zur „Aida“

Salzburg (APA) - „La Repubblica“ (Rom): „Anna Netrebko ist charismatisch in dem blauen Gewand der äthiopischen Sklavin. Ihre Stimme beeindru...

Salzburg (APA) - „La Repubblica“ (Rom): „Anna Netrebko ist charismatisch in dem blauen Gewand der äthiopischen Sklavin. Ihre Stimme beeindruckt wegen ihrer technischen Sicherheit und poetischen Substanz. Regisseurin Shirin Neshat ist Autorin einer klaren, modernen und antikonformistischen Aufführung ohne die kitschige Schwülstigkeit, die typisch für Aida ist.“

„New York Times“: Netrebko hat „einen Gipfel erklommen, Verdis Aida in einer kühlen, unpersönlichen Produktion, die das Zentralstück der diesjährigen Salzburger Festspiele ist“ (...) „Netrebko ist bereit für Aida (...) ihre Arien sind sicher, vorsichtig, ernsthaft.“ (...) „Muti erschafft Effekte, die man kaum für möglich hält...“ (...) „Das Drama handelt nur noch vom Klang, nicht mehr von den Charakteren auf der Bühne. (...) Das war wohl die am wenigsten intime Aida, die möglich ist - selbst in jedem flüchtigen Detail poliert und zur Schau gestellt.“

„Der Standard“: „Eine grandiose Anna Netrebko und sehr gute Kollegen blieben in der Inszenierung von Shirin Neshat unterfordert.“ (...) „So bleibt es vielfach beim Eindruck einer Fotoprobe, bei der die Sänger in konventioneller Gestik erstarren“ (...) „Es ist womöglich so: Dirigent Riccardo Muti will die Sänger musikpragmatisch nahe an der Rampe sehen..“ (...). „Verdis Welt bleibt bei ihm trotz der Klangschönheit und Details aber lange ohne große Innenspannung, bleibt irgendwie respektable Routine...“

„El Pais“: „Netrebko weiht sich in Salzburg zur größten Sopranistin des 21. Jahrhunderts“ (...) Shirin Neshat „...begünstigt sie durch ein sehr statisches und sehr ästhetisches dramaturgisches Konzept. Riccardo Muti gefällt es nicht, Sichtkontakt mit den Sängern zu verlieren. Dem kommen sie entgegen, indem sie es wie eine konzertante Version behandeln. Es vermittelt den Eindruck, dass der neapolitanische Maestro die Freiheiten von Neshat eingeschränkt haben könnte...“

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„Die Presse“: „Schon im Monolog am Ende des ersten Bilds löst diese Aida ein, was sie im Detail vom ersten Auftritt an durch ihre sagenhafte Bühnenpräsenz verspricht.“ (...) „Was im Programmheft Regie heißt, beschränkt sich auf die Ausrichtung sämtlicher Solo- und Chorsänger auf die Zentralsonne am Pult der Wiener Philharmoniker.“ (...) „Dank Riccardo Muti (...) erfahren die Hörer an diesem Abend viel über Verdis beliebte Oper.“

„Süddeutsche Zeitung“: „So füllt Netrebkos Stimme wie gewohnt und stets tonschön den riesigen Raum“ (...) „Zudem badet Muti im schönen Klang. Anstatt mit Elan und Verve anzutreiben, lässt er die Musik stagnieren. (...) So aber zerfällt die Partitur in zwei Welten, in affirmatives Donnern oder intimes Bezaubern. Beides steht beziehungslos nebeneinander, zumal Muti der Moment immer mehr interessiert als die große, geschlossene Form.“ (...) „Erstaunlicherweise ist Shirin Neshat nichts zum Plot und schon gar nichts zur Musik eingefallen. Weshalb diese ‚Aida‘ nicht nur unkritisch und brav, sondern beinahe als eine konzertante Aufführung (...) daherkommt. Die von der Regie im Stich gelassenen Sänger schaffen es dann auch nicht, ihre Figuren übers Offensichtliche hinaus zu konturieren.“

„Corriere della Sera“ (Mailand): „Minimalistische Inszenierung, pharaonischer Erfolg: Die Salzburger Festspiele haben das Tabu von Aida gebrochen, die seit 1979, seit einer Aufführung unter dem Dirigat von Herbert von Karajan, nicht mehr inszeniert wurde. Weder Sphinxen noch Pyramiden, kein Gigantismus, kein Flittergold, keine vulgäre Tradition. Muti taucht ganz in seine Verdi-Welt ein, obwohl er seit den 70er-Jahren diese Oper nicht mehr dirigiert hatte.“

„Kurier“: „Man sieht Steh-Theater, Sitz-Theater, Schreit-Theater mit Gesten wie aus dem Handbuch für Opernklischees...“ (...) Netrebko „spielt intensiv wie fast immer, versteht ihr Publikum zu berühren (...). Stimmlich ist ihr traumhaft timbrierter Sopran endgültig in diesem schon sehr dramatischen Fach angekommen(...)“ (...) „Riccardo Muti leitet die hinreißend, farbenprächtig spielenden Wiener Philharmoniker höchst differenziert (...). Man wird jedoch das Gefühl nicht los, dass jede Sequenz für sich allein schön gestaltet ist, dass das dramaturgische Ganze, der große Bogen dabei aber etwas verloren geht.“ (...) „Die Idee, Shirin Neshat mit ‚Aida‘ zu betrauen, ist (...) definitiv klug. Als Bühnenbildnerin wäre sie aber wohl besser zur Geltung gekommen.“

„Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Die in den erlesen schön stilisierten Bildern singenden Figuren werden nicht durch dramatische Gestik individualisiert, sondern nur in der sängerischen Aktion. Man mochte sich an den Rat halten, den Richard Wagner dem jungen Friedrich Nietzsche vor der ersten Bayreuther Aufführung erteilte: ‚Nehmen Sie die Brille ab, Sie sollen die Musik nur hören.‘“ (...) „Sein Versprechen, das Werk wie Kammermusik aufzuführen, hat Muti - womöglich im gesegneten Zustand von Altersmilde - auf eindringliche Weise erfüllt.“ (...)“Aus der früher rein lyrischen Stimme ist ein jugendlich-dramatischer Sopran geworden, der (...) Chor und Orchester ohne jedes Forcieren überstrahlt.“

„Salzburger Nachrichten“: „Die Salzburger Festspiele zeigen ein Gegenmodell des Massentheaters, denn Riccardo Muti (...) und Shirin Neshat legen andere Maßstäbe an - und faszinieren gerade deshalb, nur subtiler als gewohnt.“ (...) „Muti legt die Schwerpunkte abseits des orchestralen Pomps, was die Wiener Philharmoniker mit fabelhafter Orchesterkultur mittrugen.“ (...) „Neshat hat sich viel mit bebilderten Arrangements der Menschenaufläufe und - auf intimer Ebene - hochkochenden Beziehungsproblemen befasst, die sich zumeist an der Rampe mit Blick auf den Dirigenten austobten. Vor allem legte sie bei jeder Figur Wert auf Würde.“

„Neue Zürcher Zeitung“: „Tatsächlich kann man heute wohl keine stimmschönere Sängerin für die Titelrolle engagieren. Anna Netrebko befindet sich vokal hörbar auf dem Gipfel ihrer Laufbahn“ (...) „Und die Regie? Beschränkte sich in der Personenführung auf ein paar stereotype, leicht exaltierte Gesten und auf hochästhetische Tableaus..“ (...) „Das Erstaunliche ist: Trotz der Statik funktioniert der Abend - wegen des überragenden Niveaus von Dirigent und Sängern. Dies ist Musik-Theater, freilich rein aus der Kraft von Verdis Partitur.“

„Kronen Zeitung“: „Die Inszenierung ist spartanisch zurückgenommen. Sehr statisch, ohne Stehtheater an der Rampe zu werden.“ (...) „Im Mittelpunkt steht die ‚Kultfigur‘ Anna Netrebko. Sie hat die Partie der Aida mit Muti beeindruckend erarbeitet.“

„Il Messaggero“ (Rom): „Die Erwartungen für Netrebkos Debüt in der Rolle der Aida waren groß, die Diva hat ihre Fans nicht enttäuscht: Starke Bühnenpräsenz, eine Stimme wie in schwarzem Samt umhüllt. Am meisten haben aber Muti und die Wiener Philharmoniker mit ihrer Transparenz und Klarheit die Zuschauer begeistert.“

„TAZ“: „Der, man möchte sagen, behutsame Ikonoklasmus, mit dem Shirin Neshat den vier Akten der ‚Aida‘, dieser exotischen Fieberfantasie des Westens, begegnet, erweist sich dramaturgisch schnell von Nutzen. Er unterstützt die Arbeit des Dirigenten Ricardo Muti über die stadiontauglichen Hits hinaus.“ (...) „Der Pomp blieb draußen, beziehungsweise er war vorgelagert.“

„Wiener Zeitung“: „Netrebko erwies sich als Aida im Großen Festspielhaus als der funkelndste Stern in einer vokal herausragenden Besetzung.“ (...) „Die Superlative sind für diese Produktion damit aber schon verbraucht.“ (...) „Die poetische und feinstoffliche Kraft der Foto- und Filmarbeiten von Shirin Neshat kann sich jedoch nicht entfalten. So wird man den Eindruck nicht los, dass Dirigent Riccardo Muti hier als der eigentliche Regisseur die Fäden gezogen hat. Man erkennt die Handschrift des glühenden Gegners des Regietheaters jedenfalls deutlich. Muti hat sich auch musikalisch ganz auf die Sänger konzentriert, den Klang der Wiener Philharmonikern rund um sie gebaut.“

„Die Welt“: „Und wie war nun die Anna? Toll! Toll! Toll! Doch, schon! (...) Himmlisch, ach was, göttlich!, so tschilpten es die Generalprobenkiebitze. Sagen wir mal: sehr, sehr gut. Wieder kommt ihr die Glorie der voll ausgereiften Netrebko-Stimme zu pass, diese Gegensätze zwischen geerdet warmem, fest verwurzeltem Timbre und nicht schwerelos, aber herrlich elegant hochfliegenden, saftig breiten Legatobögen.“ (...) „Während also die Erwartungshaltung im Großen Festspielhaus den Siedepunkt erreicht, gart im Graben Riccardo Muti altersmilde und nicht immer taktexakt mit sanftem Dampf.“ (...) „Ach ja, die Inszenierung! War da was? (...) Es gibt Auf- und Abtritte, starre Tableaus, das übliche Starrampentheater. Die Szene ist meist zugestellt mit zwei nüchtern weißen Betonkuben.“ (...) „Neshat will sich weder stilistisch noch inhaltlich festlegen, erzählt weder von weiblicher Sehnsucht noch von männlichem Fanatismus. Sie hat mit Angst gepaarten Respekt vor der Oper und will deshalb vor allem nicht stören.“

„Kleine Zeitung“: „Anna Netrebko brillierte in der Titelrolle, Riccardo Muti sorgte für musikalische Finessen und Shirin Neshat lieferte eine Inszenierung ohne Pomp, die dennoch mächtig faszinierte.“


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