Prozess um 270.000 Euro-Fund in Grazer Keller

Graz (APA) - Ein 49-jähriger Immobilienmakler hat sich am Dienstag im Grazer Straflandesgericht wegen Wuchers und Anstiftung zur Falschaussa...

Graz (APA) - Ein 49-jähriger Immobilienmakler hat sich am Dienstag im Grazer Straflandesgericht wegen Wuchers und Anstiftung zur Falschaussage verantworten müssen. Der Steirer hatte für eine Kundin eine große Liegenschaft nördlich von Graz verkauft und dafür 700.000 Euro „Erfolgshonorar“ bekommen. Einen Teil davon versteckte er in einem Kellerabteil. Es wurde Anfang 2017 von einem Nachmieter gefunden.

Vor Gericht bestritt der selbstständige Makler den Vorwurf, eine Notlage seiner Kundin ausgenutzt zu haben, um an mehr Geld zu kommen. Er bestätigte, dass er sowohl von der Verkäuferin als auch vom Käufer regulär jeweils rund 133.000 Euro bekam. Zusätzlich hatte er mit der Verkäuferin das „Erfolgshonorar“ in der Höhe von 700.000 Euro vereinbart. Ihm gelang der Verkauf der Liegenschaft, die offenbar in einem von Hochwasser gefährdetem Gebiet liegt und bisher noch nicht als Bauland gewidmet ist. Die Verkäuferin war scheinbar mit dem Preis sehr zufrieden und hatte ihm Ende 2016 die ersten 350.000 Euro übergeben. Der Rest sollte über ein anderes Geschäft laufen.

Kurz nach Erhalt des Geldes verreiste er, weshalb er rund 270.000 Euro in einem Kellerabteil in ein Handtuch gewickelt versteckte. Das Abteil habe er Monate davor vom Sohn des Hauseigentümers angemietet - und zwar befristet, bis ein neuer Mieter einzieht. Als ein neuer Mieter kam, habe es der Eigentümer verabsäumt, ihn zu informieren, schilderte der Angeklagte vor Gericht. Daher sei das Geld vom Nachmieter gefunden worden. Der Beschuldigte habe erst in den Medien davon gelesen und dann die Verkäuferin gebeten, zur Polizei zu gehen und zu sagen, dass das Geld aus ihrem Verlass stamme.

Vor Richterin Julia Riffel stellte sich der Fall als komplizierter Verlassenschaftsfall dar. Umwidmungen und geplante Siedlungsbauten waren im Zentrum. „Ich habe ihr geholfen, dass bei dem Verkauf mehr für sie und ihre Kinder herauskommt“, beteuerte er und fügte hinzu: „Entscheidend war die Idee, einen Teil der Liegenschaft auszugliedern.“ Der Teil wurde extra an einen Bauträger verkauft, wobei die Kaufsumme bei etwa 3,7 Millionen Euro lag. Die Verlassenschaft war davor auf weit weniger geschätzt worden, weshalb der Beschuldigte vorbrachte, dass es sein Verdienst war, dass ein so hoher Erlös erzielt wurde.

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Der 49-Jährige meinte, dass sich die Verkäuferin in keiner Notlage befunden habe, da die Verlassenschaft bereits schuldenfrei gewesen sei. Er meinte, dass bei der Frau Kalkül im Spiel sei. Sie habe keineswegs eine eingeschränkte Urteilsfähigkeit - zumal sie bei allen Tagsatzungen dabei gewesen sei und selbst ein Gewerbe angemeldet habe, sagte der Angeklagte. 350.000 Euro habe er ihr nun bereits zurückgegeben. „Es ist erschreckend, dass so eine Erfolgsgeschichte durch Zufall zu so etwas wird.“ Er zeigte sich überzeugt, dass ihm das Geld für die eineinhalb Jahre Arbeit, sein Verkaufskonzept und -geschick zustehe.

Der Prozess wurde am Nachmittag vertagt. Bei einem weiteren Termin soll auch die Verkäuferin gehört werden.


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