Kraftwerk Sellrain-Silz: Grünes Licht und Auflagen

Zu verhindern dürfte der Ausbau des Kraftwerkes Sellrain-Silz nicht mehr sein. Das Projekt hat wieder eine Hürde genommen. Die Kritiker freut die „Ökologisierung“ des Baus.

Gegen den Kraftwerksausbau Sellrain/Silz regt sich großer Widerstand.
© Tiwag

Von Anita Heubacher

Wien, Innsbruck –Es war 2006, als der Landesenergieversorger Tiwag den Ausbau des Kraftwerkes Sellrain-Silz als „fix“ bezeichnete. Innerhalb von sieben Jahren und um 330 Millionen Euro wollte die Tiwag die 100 Meter hohe Staumauer im Längental im Kühtai gebaut und das erweiterte Kraftwerk in Betrieb genommen haben.

Daraus wurde nichts. 2017 steht das Kraftwerk immer noch in seinen Altbeständen da. Nach dem positiven Bescheid der Umweltverträglichkeitsprüfung im Juni letzten Jahres hat das Projekt gestern eine weitere Etappe genommen. Das Bundesverwaltungsgericht in Wien hat den Ausbauplänen der Tiwag grundsätzlich grünes Licht gegeben, aber auch Auflagen wie Revitalisierungsmaßnahmen am Inn zwischen Stams und Rietz erteilt. Mit den Ansagen ist die Tiwag vorsichtiger geworden: Man habe einen nächsten Schritt zur Realisierung gesetzt, meinte gestern Tiwag-Vorstand Johann Herdina. Die Auflagen würden zwar Geld kosten, aber das Projekt nicht verunmöglichen. Wie viel teurer das Projekt werde, könne er nicht beziffern. Schon lange ist nicht mehr von 330 Millionen Euro wie vor elf Jahren, sondern von einer halben Milliarde Euro die Rede, die investiert werden soll.

Die Bagger sieht die Tiwag noch nicht auffahren. Herdina verweist darauf, dass die Beschwerdeführer sich an den Verwaltungs- bzw. Verfassungsgerichtshof wenden könnten.

Die Beschwerdeführer sind der Österreichische und der Deutsche Alpenverein, die Touristiker und Gemeindevertreter aus dem Stubaital, die Angst um ihr Wasser und ihren Wasserweg haben, und Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer. Noch würde ihm das Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts nicht schriftlich vorliegen, sagt er. Eine „gute Nachricht“ sei, dass neben den Ausgleichsmaßnahmen am Inn auch eine Ersatzmaßnahme im Umfang von 2,5 Hektar für den Verlust von Feuchtlebensräumen vorgeschrieben worden sei. „Damit sind zwei wesentliche Punkte und Forderungen der Landesumweltanwaltschaft berücksichtigt worden“, sagt Kostenzer. „Das Projekt bringt sehr viel Naturverlust.“

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Vier volle Tage lang wurde in Wien vor dem Bundesverwaltungsgericht vor einem Dreiersenat verhandelt. Die fünf Beschwerdeführer auf der einen, die Vertreter der Tiwag auf der anderen Seite. Außerdem standen den drei Richtern weitere Sachverständige zur Verfügung. Landesumweltanwalt Kostenzer sieht in dem Erkenntnis des Gerichts, „dass wir den Erstbescheid zu Recht beanstandet haben“.

Über die „zusätzliche Ökologisierung des Projektes“ freut sich auch der grüne Klubobmann Gebi Mair. „Ich erwarte mir vom Projektbetreiber auch eine ökologische Sanierung des bestehenden alten Kraftwerks. Das bedeutet beispielsweise, mehr Wasser im Alpeiner Bach im Stubaital zu belassen.“

Der Koalitionspartner, die ÖVP, freut sich mehr auf den Kraftwerksbau. „Ein Großteil der 500 Millionen Euro an Investitionskosten wird der heimischen Wirtschaft zufließen und mithelfen, Tausende Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern“, meint Klubobmann Jakob Wolf.


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