Südkoreas Präsident rief zu umfassender Militärreform auf

Seoul/Pjöngjang (APA/dpa/Reuters) - Unter dem Eindruck des offensichtlich fortgeschrittenen Atomprogramms Nordkoreas hat Südkoreas Präsident...

Seoul/Pjöngjang (APA/dpa/Reuters) - Unter dem Eindruck des offensichtlich fortgeschrittenen Atomprogramms Nordkoreas hat Südkoreas Präsident Moon Jae-in zu einer tiefgreifenden Reform der eigenen Armee aufgerufen. „Ich glaube, wir brauchen eine vollständige Verteidigungsreform im Sinne einer Wiedergeburt, anstatt nur einige Modifizierungen oder Verbesserungen durchzuführen“, sagte Moon am Mittwoch laut der Nachrichtenagentur Yonhap.

Demnach will Südkorea unter anderem Raketen mit höherer Sprengkraft anschaffen, um unterirdische Bunker zerstören zu können. Der südkoreanische Staatschef hatte sich am Vormittag (Ortszeit) zu einer Besprechung mit sechs Spitzenbefehlshabern seines Militärs getroffen.

Zuvor hatten sich die Spannungen im Nordkorea-Konflikt massiv verschärft. US-Präsident Donald Trump drohte Nordkorea im bisher härtesten Ton für den Fall weiterer Provokationen mit „Feuer und Zorn“, wie es die Welt noch nie erlebt habe. Nur wenige Stunden später konterte die Führung in Pjöngjang und drohte mit einem Präventivschlag und einem Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam.

Vom dem dortigen Luftwaffenstützpunkt starten immer wieder US-Bomber zu Manövern in Richtung koreanische Halbinsel, so auch erst am Montag. Auch ein U-Boot-Verband und das Raketenabwehrsystem Thaad sind dort stationiert. Der Gouverneur von Guam, Eddie Calvo, sagte, Nordkoreas Gerede über Vergeltung sei keine Drohung. „Guam ist amerikanischer Boden“, sagte Calvo. „Wir sind nicht nur eine Militäreinrichtung.“ Die Insel sei für „alle Eventualitäten“ gewappnet.

Trumps Warnung sorgte aber auch in den USA für Kritik. Der außenpolitisch profilierte US-Senator John McCain mahnte Trump zur Zurückhaltung. „Die großen Führer, die ich kenne, sprechen keine Drohungen aus, solange sie nicht bereit zum Handeln sind“, sagte der Republikaner dem US-Radiosender KTAR. „Und ich bin nicht sicher, dass Präsident Trump bereit zum Handeln ist.“

Australiens Premierminister Malcolm Turnbull warnte eindringlich vor einer kriegerischen Eskalation der Lage. „Ein Konflikt wäre vernichtend“, sagte Turnbull vor Journalisten in Canberra. „Er hätte katastrophale Konsequenzen. Das ist uns allen klar.“

Trotz Verboten des UN-Sicherheitsrates und Warnungen aus dem Ausland hatte Nordkorea am 28. Juli eine Interkontinentalrakete getestet. Diese hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10.000 Kilometern. Nordkoreas Staatschef Kim sagte nach dem Test, das Festland der USA sei jetzt in Reichweite. Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UN-Sicherheitsrat die bisher schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.

Das Säbelrasseln belastete auch die Finanzmärkte. Trumps Drohung stoppte die Rekordjagd an der Wall Street. Die Kurse in New York drehten ins Minus, und der Dow Jones schloss rund 0,2 Prozent tiefer. Auch die asiatischen Märkte gaben nach, und der Dollar geriet in Fernost unter Druck.


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