Wegen Totschlags verurteilter Soldat tritt Strafe an

Ein israelischer Soldat, der einen verletzt auf dem Boden liegenden Palästinenser erschossen hatte, muss nun in Haft.

Der ehemalige israelische Soldat Elor Azaria auf einer Archivaufnahme.
© REUTERS

Jerusalem – Nachdem er wegen Totschlags an einem palästinensischen Attentäter verurteilt wurde, hat ein israelischer Soldat seine 18-monatige Haftstrafe angetreten. Elor Azaria sei im Militärgefängnis in Zrifin südöstlich von Tel Aviv erschienen, berichteten israelische Medien am Mittwoch.

Der Kampfsanitäter hatte im März 2016 in Hebron einen am Boden liegenden verletzten palästinensischen Attentäter mit einem Kopfschuss getötet. Ein Mitarbeiter der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem filmte den Vorfall.

Kontroverse in Israel, Ministerpräsident für Begnadigung

Der Fall hatte weltweit für Aufsehen gesorgt und in Israel eine heftige Kontroverse ausgelöst. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte sich kürzlich erneut für eine Begnadigung des Soldaten ausgesprochen.

Derzeit läuft Medienberichten zufolge noch ein Gesuch von Azaria an den Generalstabschef der Armee für eine Reduzierung seiner Haftstrafe und eine Umwandlung in Sozialstunden. In dem Schreiben habe Azaria keine Reue wegen seiner Tat gezeigt.

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18 Monate Haft wegen Totschlages

Ein Militärgericht hatte Azaria im Jänner des Totschlags für schuldig befunden und ihn später zu 18 Monaten Haft verurteilt. Ein Berufungsgericht bestätigte Ende Juli das Urteil. Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst stand Azaria zuletzt unter Hausarrest.

Azaria hatte während des Prozesses angegeben, er habe befürchtet, der Palästinenser könne einen versteckten Sprengsatz tragen. Die Richter hielten seine Aussagen allerdings für nicht glaubwürdig. Azaria habe aus Rache gehandelt und sich „wie auf einem Schießstand“ verhalten, hieß es in dem Urteil. „Es bestand keine Notwendigkeit, das Feuer zu eröffnen.“ (APA/dpa)


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