„Geige von Buchenwald“ soll wieder erklingen

Jahrzehnte, nachdem der Schriftsteller Bruno Apitz auf seiner Geige vor Mithäftlingen im KZ Buchenwald gespielt hat, lässt der Violonist Matthias Wollong das historische Instrument aufleben.

(Symbolfoto)
© Zoller

Weimar – Nach seiner ersten Begegnung mit der „Geige von Buchenwald“ kommt Violinist Matthias Wollong ins Schwärmen. „Sie lässt sich sehr gut spielen und klingt wunderbar“, so der 1. Konzertmeister der Staatskapelle Dresden. Trotz ihrer 150 Jahre ist das einstige Eigentum des Schriftstellers Bruno Apitz (1900-1979, „Nackt unter Wölfen“) in einem hervorragenden Zustand. Dieser soll in seiner Zeit als Häftling im KZ Buchenwald bei Weimar darauf gespielt haben. Bei einem „Gesprächskonzert“ am 7. September in Erfurt will Wollong nun auf dieser Geige, die dank Apitz´ Witwe der Gedenkstätte übergeben wurde, Musik zu Gehör bringen, die einst im Lager gespielt wurde.

Geige als Symbol der Untergrundmusik im KZ

„Es ist belegt, dass Apitz bei der illegalen Trauerfeier, die im Lager für Ernst Thälmann organisiert wurde, auf seiner Geige gespielt hat“, berichtet Rikola-Gunnar Lüttgenau. Der einstige KPD-Vorsitzende Thälmann war 1944 im KZ Buchenwald ermordet worden. Auch an Kulturabenden, bei denen Apitz als Regisseur und Conferencier aufgetreten sei, habe er auf dem Instrument musiziert.

Im Fundus der Gedenkstätte finden sich laut Lüttgenau mehrere Musikinstrumente, die aus Nachlässen einstiger Häftlinge stammen, beispielsweise eine Balalaika. Apitz‘ Instrument sei die einzige Geige darunter. Es gebe schon länger Überlegungen, die im Lager entstandenen Programme neu aufzulegen. „Dazu ist das Gesprächskonzert ein erster Versuch.“ Wollong spricht von einem spannenden Projekt. Er wolle dabei auch Musik spielen, die im Lager selbst komponiert wurde, wie das Lied „Kopf hoch“. Das Lied aus Thälmanns Trauerfeier solle genauso erklingen wie Musik von Bach, kündigte der Violinist und Professor an der Weimarer Musikhochschule an. Die Inspiration für das Konzert kam vom israelischen Geigenbauer Amnon Weinstein. Er sammelt Geigen, deren Geschichte mit dem Holocaust verbunden ist. Wollong und Lüttgenau betonten, dass die Geschichte hinter Apitz‘ Geige eine andere sei als die jener Instrumente in Weinsteins Sammlung, die hauptsächlich Musikern gehörten, die im Vernichtungslager Auschwitz umgebracht wurden. Die „Geige von Buchenwald“ verweise vielmehr auf das Kapitel der Untergrundmusik im Konzentrationslager. Dabei sei es darum gegangen, Mithäftlinge zu ermutigen und die eigene Situation zu reflektieren, erklärte Lüttgenau. (APA)

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