Diese Frauen rocken die Berge

Der Bergsport wird von Männern dominiert. Beim Filmfest St. Anton übernehmen hingegen starke Frauen aus den Bereichen Alpinismus, Sportklettern und Freeriden das Kommando.

Mayan Smith-Gobat gelingt eine seltene Begehung in Patagonien.
© versch

Von Matthias Christler

St. Anton –Der Berg ist männlich, das war bisher immer so, sei es bei Erstbesteigungen von Gipfeln, wenn neue Routen begangen werden oder Männer lebensmüde Linien in den Schnee ziehen. Der Bergsport aber wird weiblicher. Die Frauen holen auf, machen vieles, was ihnen früher nicht zugetraut wurde, und erfahren dafür in der Öffentlichkeit inzwischen die ihnen zustehende Würdigung.

Was den österreichischen Fußballerinnen mit einem Turnier soeben gelungen ist, nämlich dass ihre Leistungen geschätzt und nicht reflex­artig mit jenen ihrer männlichen Kollegen verglichen werden, mussten sich Alpinistinnen wie etwa Gerlinde Kaltenbrunner in den vergangenen Jahren erarbeiten. Das Filmfest in St. Anton (23. bis 26.8.) würdigt deshalb die Spitzenathletinnen des alpinen Bergsports und überlässt ihnen am Eröffnungsabend die Bühne.

Anna Stöhr, mehrfache Weltmeisterin und Gesamtweltcup-Siegerin im Bouldern, wird auf der Bühne über ihre Konkurrenz zu den Männern sprechen und gleich zwei Filme präsentieren. In „Lost in Japan“ zeigt sie, wie sie mit ihrer Sportkletter-Kollegin und Freundin Jule Wurm in japanischen Boulder-Gebieten unterwegs ist.

Es sei ein Film geworden über zwei Frauen, die sich gut verstehen und gemeinsam neue Projekte angehen, wie sie es mit einem Mann nicht machen hätte können, erzählt die 29-jährige Innsbruckerin. „Mit Kilian (Anm. ihr Freund und Boulder-Gesamtweltcupsieger Kilian Fischhuber) habe ich schon viele Kletterprojekte geschafft, aber von Frau zu Frau ist es doch etwas anderes.“

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Lorraine Huber zieht am Arlberg ästhetische Schwünge.
© versch

Beim Klettern ist oft die Spannweite entscheidend und Männer setzen bei Zügen ihre körperlichen Vorteile ein. „Die lassen oft ihre Muskelkraft spielen.“ Frauen hingegen suchen andere Lösungen. „Dafür öffnet uns Frauen die Kreativität andere, vielleicht bessere Lösungswege. Klettern ist daher, denke ich, eine sehr gute Sportart, bei der Frauen mit Männern auf jeden Fall schon auf einer Stufe stehen können“, stellt Stöhr fest.

Um in die Männerdomänen Sport- und Alpinklettern einzudringen, haben Frauen wie Stöhr oder auch die Tirolerin Barbara Zangerl und die Neuseeländerin Mayan Smith-Gobat (Interview rechts), die beide ebenfalls in St. Anton zu Gast sind, in ihren Sparten Pionierarbeit geleistet.

Einen „Geschlechterkampf“ wird es aber nicht geben. Nicht am Berg und auch nicht beim Filmfest. Dafür sorgt schon der erste Film des „Ladies only“-Abends von Lorraine Huber. Die 37-jähriger Lecherin ist aktuelle Freeride-Weltmeisterin und sieht sich nicht in Konkurrenz zu den Männern. Auf eine „gewisse Art und Weise“ gebe es für sie männliche Vorbilder, weil diese zeigen würden, was am Berg möglich ist. „Aber eigentlich messe ich mich mit niemandem. Mir geht es darum, mein eigenes Können stetig weiterzuentwickeln.“ Dieses Können verhalf der Skifahrerin in der vergangenen Saison erstmals auf den Thron der Freeride World Tour. Damit gingen diese Titel seit 2013 immer an Österreicherinnen, Männer aus Österreich sucht man in dieser Auflistung vergeblich. Was machen die Frauen also besser? „Besser würde ich nicht sagen. Wir Österreicherinnen sind im Freeriden einfach technisch starke Skifahrerinnen, die in schwierigem Gelände flüssige, solide und schnelle Schwünge fahren“, sagt Huber über das weibliche Erfolgsgeheimnis.

Anna Stöhr wagt sich in Südafrika an einen schwierigen Griff.
© Fischhuber

Dass Männer beim Freeriden mehr Risiko eingehen, sieht sie eher als Stereotyp, das schön langsam überholt ist. „Frauen riskieren schon auch. Wichtig ist, dass man die Herausforderungen mit den eigenen Fähigkeiten in Einklang bringt.“ Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle.

In ihrem Schwarzweißfilm „Die Skispur in der Kulturlandschaft“ ging es Huber und Filmemacher Hanno Mackowitz auch nicht um die schwierigsten, sondern um ästhetisch schöne Linien in der Umgebung von Architektur im Naturraum. In diesem Zusammenhang darf man auch einmal die Frage stellen, ob es auf den Bergen anders aussehen und es weniger klotzige Bergstationen geben würde, wenn mehr Frauen das Sagen hätten. Ein bisschen mehr in der Formensprache von Zaha Hadid würde den Bergen sicher guttun. Glaubt auch Huber.

Bei der Architektur dominiert das Männliche immer noch. Beim Bergsport gibt es inzwischen schon viele weibliche Vorbilder, die den Männern um nichts nachstehen.


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