Nordkorea legt Detail-Plan für Raketenangriff auf Guam vor

Donald Trump drohte mit „Feuer und Wut“. Pjöngjang legt nach: Ein sachlicher Dialog mit „diesem Typen“ sei unmöglich, der Einsatzplan für einen Raketenangriff fast fertig. Demnach sollen mehrere Raketen knapp vor US-Gebiet auf der Pazifikinsel Guam einschlagen.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un fordert US-Präsident Trump heraus.
© Reuters

Pjöngjang – Die Eskalationsspirale zwischen den USA und Nordkorea dreht sich weiter nach oben. Nordkorea hat seine Drohung gegen die USA erneuert und detaillierte Pläne für einen Raketenangriff auf Ziele vor der Pazifikinsel Guam vorgelegt. Wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA Donnerstag meldete, geht es um vier Mittelstreckenraketen, die 30 bis 40 Kilometer vor dem US-Außengebiet im Meer landen sollen.

Besorgt über den sich zuspitzenden Konflikt äußerten sich deutsche Politiker. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann brachte eine Vermittlung der EU in der Krise ins Gespräch. Südkorea rief den Norden auf, alles zu unterlassen, was die Spannungen erhöhen könnte. Auch Nordkoreas Verbündeter China rief zur Zurückhaltung auf.

Nordkorea: Mit USA kein vernünftiger Dialog möglich

Mit den USA sei kein „vernünftiger Dialog“ möglich, da Präsident Donald Trump „bar jeder Vernunft“ sei, sagte der nordkoreanische General Kim Rak Gyom. Trump hatte am Dienstag damit gedroht, mit „Feuer und Wut“ auf Provokationen aus Nordkorea zu reagieren. Daraufhin drohte Nordkorea mit dem Raketenbeschuss von Zielen im Umfeld von Guam. Auf der Insel im Westpazifik sind rund 6.000 US-Soldaten stationiert. Am Mittwoch legte Trump nach und erklärte im Onlinedienst Twitter, das Atomwaffenarsenal der Vereinigten Staaten sei „schlagkräftiger als je zuvor“.

Nordkorea spottete über Trumps Kriegsrhetorik. „Vernünftiger Dialog ist mit so einem Typen bar jeder Vernunft nicht möglich“, zitierte KCNA General Kim. Bei Trump helfe nur „absolute Stärke“. Seine Drohung, Nordkorea mit „Feuer und Wut“ zu überziehen, nannte der General „eine Menge Unsinn“.

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Raketen sollen knapp vor Insel einschlagen

Seinen Angaben zufolge will die Koreanische Volksarmee Machthaber Kim Jong Un nun bis Mitte August den detaillierten Plan für eine „deutliche Warnung an die USA“ vorlegen. Konkret geht es um vier Mittelstreckenraketen vom Typ Hwasong-12, die über Japan fliegen und nach genau 17 Minuten und 45 Sekunden Flugzeit rund 30 bis 40 Kilometer vor Guam im Meer aufschlagen sollen – das wäre gerade noch außerhalb der US-Hoheitsgewässer um die Pazifikinsel.

Nordkorea hatte zuletzt im Mai eine Rakete vom Typ Hwasong-12 getestet. Mit einer geschätzten Reichweite von 5000 Kilometern könnte sie Guam problemlos erreichen – das US-Außengebiet liegt rund 3300 Kilometer von Pjöngjang entfernt.

US-Verteidigungsminister droht mit „Vernichtung“

Auch die US-Regierung setzte ihre Kriegsrhetorik fort. US-Verteidigungsminister James Mattis warnte Pjöngjang vor allen „Aktivitäten, die zum Ende des Regimes und zur Vernichtung seines Volkes führen würden“. Das kommunistische Land sei den USA und ihren Verbündeten militärisch deutlich unterlegen.

US-Außenminister Rex Tillerson hingegen hatte am Mittwoch gesagt, es gehe „keine unmittelbare Bedrohung“ von Nordkorea aus. Eine Sprecherin seines Ministeriums war danach um Erklärungen bemüht. „Wir sprechen alle mit einer Stimme“, sagte sie. Medienberichten zufolge hatten Trumps aggressive Äußerungen sogar seine engsten Mitarbeiter überrascht.

Raketen könnten US-Festland treffen

Pjöngjang treibt trotz internationaler Sanktionen seit Jahren sein Raketen- und Atomwaffenprogramm voran. Im Juli testete Nordkorea zwei Interkontinentalraketen, mit denen das Land nach Einschätzung von Experten das US-Festland treffen könnte. Der UN-Sicherheitsrat hatte erst am Samstag die Strafmaßnahmen gegen Nordkorea verschärft, um Pjöngjang zum Einlenken zu bewegen.

Auf Guam leben rund 163.000 Menschen. Die USA betreiben dort eine Militärbasis. Guams Gouverneur Eddie Calvo gab sich betont gelassen. „Wir sind besorgt wegen dieser Drohungen, wollen aber gleichzeitig sicherstellen, dass die Menschen nicht in Panik verfallen und ihr normales Leben weiter führen. Viel Spaß am Strand“, sagte er zu Reuters.

Raketen könnten als Angriff empfunden werden

Der südkoreanische Politologe Lee Choon Geun warnte, es bestehe die Gefahr, dass eine Rakete doch näher an Guam landen könnte als beabsichtigt. „Die USA werden es als offenkundigen Angriff betrachten, wenn sie (die Rakete) in ihren Hoheitsgewässern niedergeht“, sagte er. Angesichts dieses Risikos würden die USA versuchen, das Geschoss abzufangen, bevor es in die Nähe ihres Hoheitsgebietes landen könnte. „Dies könnte die Bedrohung auf eine nie dagewesene Stufe erhöhen.“

Die siebte US-Flotte hat derzeit sechs Schiffe der Aegis-Klasse in der Region, die für die Raketenabwehr ausgerüstet sind. Japan hat weitere vier solcher Schiffe. Zudem ist auf Guam das Raketenabwehrsystem Thaad installiert, das die USA vor kurzem auch in Südkorea aufgebaut haben. (APA/AFP/Reuters)


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