LA: London-WM sprengt Maßstäbe - „Schwer was Besseres finden“

London (APA) - Selbst an einem Abend mit nur drei Medaillen-Entscheidungen und bei kühlem Regenwetter ist die Hütte mit 50.000 Zuschauern vo...

London (APA) - Selbst an einem Abend mit nur drei Medaillen-Entscheidungen und bei kühlem Regenwetter ist die Hütte mit 50.000 Zuschauern voll: die London-WM 2017 könnte in der Leichtathletik länger unerreicht bleiben. Das Publikum ist fachkundig, der Geräuschpegel ohrenbetäubend, die Bewerbe spannend - Innovationen sind dennoch gefragt. ÖLV-Sportkoordinator Hannes Gruber hofft auf Wahrung der Sorgfaltspflicht.

An zehn Tagen sind bei den Welttitelkämpfen in London 14 Sessions im Stadion angesetzt, dazu kommen die Marathon- und Geherentscheidungen an je einem Tag in der City. Sprechen manche ob des ausgedehnten Zeitplanes von einem künstlichen Aufblähen, so glaubt Gruber nicht, dass man so eine Veranstaltung in weniger als vielleicht neun Tagen über die Bühne bringen kann. „Bei Olympia, einer WM oder EM darf das Teilnehmerfeld nicht auf die absolute Elite reduziert werden. Das würde in vielen Ländern die Leichtathletik kaputt machen“, warnte Gruber im APA-Gespräch.

Eine Entwicklung, wie es sie zum Beispiel bei den Olympischen Jugendspielen gäbe, wo nach kontinentalen Trials nur noch die 16 Besten zum Hauptwettkampf fahren, lehne er ab. „Das wünsche ich mir auf keinen Fall. Das killt die Leichtathletik.“

Es sei natürlich möglich, von zehn WM-Tagen wegzukommen, dann müsse man über das Wettkampfprogramm und insbesondere über den Zeitplan nachdenken. „Aber will man Usain Bolt dreimal sehen oder nur einmal? Will man Mohamed Farah auf 10.000 und 5.000 m sehen oder nur einmal? Aus der Sicht der Veranstalter und der IAAF ist verständlich, dass man die Topstars einfach öfters sehen will.“ In London reichte es, dass Nationalheld Farah einen Vorlauf lief, damit 51.130 Tickets für einen Abend verkauft wurden.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Man müsse auf dem Weg zur Erneuerung große Meisterschaften und Ein-Tages-Veranstaltungen (Meetings) differenziert betrachten, hob Gruber hervor. „Die IAAF macht sich Gedanken, wie man die Leichtathletik grundsätzlich attraktiver gestalten kann. Aber die WM ist von ihrer Größe und Stärke und dem Weltklasse-Elitefeld schon so stark genug. Ein Meeting hat ganz andere Ziele, ganz andere Voraussetzungen als eine WM, das sind zwei paar Schuhe.“

Bei Meetings solle man sehr wohl über neue Formate nachdenken, und das passiere auch. Gruber führte etwa in der Diamond League den als Mixed-Bewerb ausgetragenen Diskuswurf in Shanghai oder den Dreikampf der Mehrkämpfer in Paris mit 110 Meter Hürden, Speerwurf und Weitsprung an.

Dort war ÖLV-Mehrkämpfer Dominik Distelberger mit dabei, der würde sich so etwas öfter wünschen. „Das wurde vom Publikum super angenommen, es ist kurz und knackig. Vielleicht kann man eine Meeting-Serie planen.“

Im sportverrückten Großbritannien muss man sich bei einer WM über mangelndes Zuschauer-Interesse nicht beklagen. „Es lässt sich schwer was Besseres finden als London. Meine Vorfreude ist riesig. Es kann auch sein, dass du nie wieder so eine Stimmung in einem Stadion hast wie hier in London“, sagte Distelberger angesichts der Fernsehbilder, noch bevor er überhaupt eine Disziplin im Stadion bestritten hatte.

Doch als nächstes wartet in zwei Jahren die Doha-WM, die nicht nur wegen der Hitze unter schlechten Vorzeichen steht. „Eine WM in dieser Region ist grundsätzlich ein Problem, auch wenn du im Stadion die Temperatur runterfährst, was geplant ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Stadion mit Zuschauern gefüllt wird und eine Stimmung aufkommt“, sagte Gruber.

Einen positiveren Blick richtet er auf Eugene 2021. „Eugene wird sicher die gleiche Liga wie London sein, da mache ich mir keine Sorgen. Eugene ist das Leichtathletik-Mekka in den USA, die werden das Stadion mit amerikanischen Zuschauern schon vollkriegen. Es ist ganz wichtig, dass die Leichtathletik auch in die USA und nach Kanada geht.“

Er erinnerte an Edmonton 2001. „Die Nordamerikaner haben vielleicht nicht so den Einblick in die Leichtathletik, haben aber vor den Bewerben im Stadion sogar das Regelwerk erklärt bekommen. Der Stadionsprecher war perfekt, von der Stimmung und Organisation her war es eine ganz tolle Veranstaltung. Darum blicke ich total zuversichtlich nach Eugene, so muss man die Fans einbeziehen.“

Auch in London geben die Stadionsprecher dem Publikum ausreichend Hintergrundinformationen. Auf „Track and Field“ ist als eifriger Reporter Iwan Thomas unterwegs, Europameister 1998 in Budapest über 400 m, und teilt sein Wissen mit den Sportfans.


Kommentieren