Erzbischof von Caracas entsetzt über Lage in Venezuela

Caracas (APA) - Kardinal Jorge Urosa beobachtet die jüngsten Maßnahmen der Regierung im Machtkampf in Venezuela laut Kathpress mit „Staunen ...

Caracas (APA) - Kardinal Jorge Urosa beobachtet die jüngsten Maßnahmen der Regierung im Machtkampf in Venezuela laut Kathpress mit „Staunen und Ablehnung“. Dass die neue Verfassunggebende Versammlung in Caracas am Dienstag im Saal der Nationalversammlung tagte und dafür Mitgliedern des frei gewählten Parlaments der Zugang von der Nationalgarde verweigert wurde, sei „gegen den Willen des leidenden Volkes“.

Das Vorgehen, der Erzbischof von Caracas sprach laut Radio Vatikan am Mittwoch (Ortszeit) wörtlich von einer „Besetzung“, ebenso wie die Entlassung mehrerer oppositioneller Bürgermeister „verblüffen mit ihrer Gewalt und Willkür“, so der Kardinal. Er forderte Präsident Nicolas Maduro auf, „derartige Aktionen einzustellen und eine ruhige Atmosphäre zu schaffen“, um Lösungen für die Krise zu finden.

In der Nacht auf Dienstag hatte die Nationalgarde das Parlamentsgebäude betreten und danach den Parlamentsabgeordneten den Zugang verweigert. Stattdessen tagte dort die Verfassungsgebende Versammlung (ANC), und zwar erstmals im angestammten Saal des Parlaments und nicht wie zuvor in einem der anderen Räume des Gebäudes. Dabei verabschiedete die ANC unter anderem ein Dekret, mit dem sie sich über alle anderen politischen Institutionen des Landes stellte. Die Versammlung ist damit die mächtigste Institution im Land und hat de facto auch das regulär gewählte Parlament entmachtet, in dem die Opposition über eine Mehrheit verfügte.

Am Mittwoch wurde das neue politische Chaos in Venezuela dann auch optisch deutlich: Die Vertreter des entmachteten regulären Parlaments begannen nach einem Bericht der Tageszeitung „El Universal“ ihrerseits eine Sitzung im gleichen Parlamentssaal.

Präsident Maduro trat unterdessen die Flucht nach vorne an. Das sozialistische Staatsoberhaupt schlug ein Gipfeltreffen der Gemeinschaft Lateinamerikanischer und Karibischer Staaten (CELAC) in El Salvador vor, um über die Situation in seinem Heimatland zu sprechen.

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) sei mit dem Versuch gescheitert, die Bolivarische Revolution zu beenden, sagte Maduro nach Angaben der deutschen Katholischen-Nachrichtenagentur. Er sei bereit, mit Ländern wie Mexiko, Argentinien, Kolumbien, Chile oder Paraguay zu diskutieren, die die Spielregeln gebrochen hätten, weil sie die umstrittene verfassunggebende Versammlung nicht anerkennen. In Mexiko und Argentinien würden 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung die kritische Haltung ihrer Regierungen gegenüber Venezuela nicht teilen. Zuvor hatten die Außenminister von zwölf lateinamerikanischen Staaten die verfassunggebende Versammlung scharf verurteilt und ihr die Anerkennung verweigert.


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