Kalt-warm für Badegäste und Betreiber

Bisher ein durchwachsener Sommer für die Freibäder im Außerfern: An Spitzentagen erreichten manche die Grenzen der Kapazitäten. Dann breitete sich aber immer wieder auch Fadesse aus.

© Nikolussi Hans

Von Hans Nikolussi

Außerfern –Wenn Meteorologen den Sommer 2017 rückblickend als „durchwachsen und von einem Auf und Ab der Temperaturen geprägt“ bezeichnen, so sagen sie eigentlich nicht wirklich Epochales. So hat die „hitzegeschädigte“ und „kältegeprüfte“ Bevölkerung das wohl auch gesehen. Als Grund für die Wetterkapriolen nennen die Fachleute einen stets nach Süden verschobenen „Jetstream“, welcher die Tiefdruckrinne immer wieder zwischen Island und England einleitete und so für das sprunghafte Wetter mit unwetterartigen Ereignissen sorgte. Nimmt man zum heutigen Stand an, dass der letzte Sommermonat August normal verlaufen wird, so könnte der Sommer 2017 gegenüber dem langjährigen Mittelwert etwa um 1,2 Grad zu warm ausfallen.

Die TT wollte wissen, ob sich dieses „Auf und Ab“ auch auf die Auslastung der Freibäder im Bezirk auswirkte und wie die Saison bisher gelaufen ist. Da weiß zum Beispiel Juri Spin, der Bademeister des Panoramabades Lermoos, von einem Rekordtag zu berichten. „Noch nie in meiner sechsjährigen Tätigkeit sind wir auch nur annähernd an die 1000er-Marke bei den Eintritten herangekommen. Heuer ist uns das mit beinahe 1200 Eintritten an einem Tag gelungen. Ein absoluter Rekordtag, der vom Gott sei Dank aufgestockten Personal trotzdem problemlos bewältigt werden konnte.“ Im Juli kämen die Gäste vorzugsweise aus Deutschland. Im Moment seien die Niederländer in der Überzahl, meint der Bademeister der Anlage, die von Gemeinde und Tourismus betrieben wird. Über seine „Frühschwimmer“ – Einheimische, die sich am Morgen ins kühle Badewasser schmeißen – freut er sich besonders. Er spricht schon jetzt von einer positiv verlaufenen Saison.

Harald Pfauth bringt sein ganzes Engagement in das Bad am Ufer des Haldensees ein.
© Nikolussi Hans

Zuständig für die idyllisch am Ufer des Haldensees gelegene „Wasserwelt“ ist ein ganz besonderer Bademeister. Harald Pfauth, gebürtiger Hamburger, diplomierter Maschinenbauingenieur und bis zu seiner Pensionierung im technischen Außendienst in ganz Europa unterwegs, ist nun im Unruhestand der Herr über die Anlage im Wäldchen am See. 69 Lenze zählt der Neotiroler und ist aber kein bisschen müde. Hat er sich doch im fortgeschrittenen Alter noch zum Bademeister ausbilden lassen. „An den guten heißen Tagen läuft’s naturgemäß gewaltig. Es kommen auch schon mal Gäste aus der weiteren Umgebung wie Augsburg oder Kaufbeuren zu uns. Wir hatten heuer schon Tage mit über 2000 Eintritten. Da geht es dann schon rund. Da bin ich froh, dass mich mein kleines Team tatkräftig unterstützt, darunter unser ‚Asylant‘, der mir bei der Betreuung des Lavendelfeldes und des Steingartens unter die Arme greift.“

Unterhalb der Kirche, direkt am Lech gelegen, findet die Anlage von Häselgehr durchaus Anklang bei Gästen und Einheimischen. Pächter und „technischer Direktor“ dort ist Hartmut Selb vom gegenüberliegenden Sägewerk, über das die Anlage auch, wenn nötig, mit weiterer Energie versorgt wird. Hauptwärmelieferant ist allerdings eine Solaranlage. Selb: „Heuer war es wirklich heiß-kalt. Trotzdem darf man nicht jammern. Für das Wetter ist ja niemand verantwortlich zu machen. Wir sind also nicht unzufrieden. Der Großteil unserer Besucher sind Leute aus dem Ort und dem mittleren Lechtal. Der Lechweg bringt uns zunehmend weitere Gäste. Nun kommt aber die Zeit, wo die Leute lieber in den Bergen und auf den Almen unterwegs sind. Unsere Stammgäste werden uns aber auch dann die Treue halten.“

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Viel von Einheimischen, auch aus dem Talkessel von Reutte, frequentiert ist das Freischwimmbad von Weißenbach. Über die laufende Saison äußert sich der Kiosk-Pächter und Verantwortliche für die Technik, Franz Leiss, differenzierter als die anderen: „Juni gut, Juli aufgrund der Witterung wesentlich schlechter. Das wird voraussichtlich meine letzte Saison im Bad gewesen sein.“ Er sei Unternehmer und könne von einem Minus am Ende nicht leben. Trotzdem sei er gegenüber der Gemeinde gesprächsbereit. Das in die Jahre gekommene Schwimmbad ist seiner Meinung nach nicht wirtschaftlich zu führen. Personalprobleme und die Kosten dafür sind ein weiterer Grund für seine Skepsis. Ohne ein aufwändiges „Refit“ sieht er „schwarz“ für die Zukunft des Weißenbacher Bades. Selbst Spitzentage mit 400 Besuchern könnten, so Leiss, andere kostenintensive Tage mit kaum Gästen im Bad nicht wettmachen. Er wähnt sich dabei in guter Gesellschaft mit ähnlich gelagerten Bädern. Die „Stammkundschaft“ aus dem Ort und der nahen Umgebung werde das nicht gerne hören.

Bürgermeister Hans Dreier sieht das anders und bricht eine Lanze für das Schwimmbad. Der kommerzielle Erfolg des Kioskbetreibers liege in dessen Hand, für Aufsicht und technische Arbeiten werde er ja ohnehin bezahlt. Renovierungsarbeiten stünden an, die Beckenhaut müsse erneuert werden. Für die angespannte Finanzlage der Gemeinde eine große Herausforderung, die die Kommune aber bereit sei zu stemmen.


Kommentieren


Schlagworte