OMV-Chef Seele: Europas Energieversorgung nicht Angelegenheit der USA

Wien (APA) - Hinter den Sanktionsdrohungen der USA gegen Russland und Unternehmen, die mit Russland Geschäfte machen, stecken nach Ansicht v...

Wien (APA) - Hinter den Sanktionsdrohungen der USA gegen Russland und Unternehmen, die mit Russland Geschäfte machen, stecken nach Ansicht von OMV-Chef Rainer Seele massive US-Wirtschaftsinteressen. Es gehe vor allem um den Verkauf von amerikanischem LNG-Gas in Europa. „Aber eines muss klar sein: Europäische Energieversorgung ist immer noch eine europäische Angelegenheit und nicht der USA“, sagt Seele.

„Der Schlachtruf ‚America first!‘ markiert eine Wende in den transatlantischen Beziehungen. Europa reagiert auf die Herausforderung und ist dabei, sich unabhängiger und damit autarker zu machen“, sagte Seele am Donnerstag bei der Präsentation der OMV-Ergebniszahlen für das erste Halbjahr. Das gelte nicht nur in der Außen- und Sicherheitspolitik, sondern auch in der Energiepolitik, formulierte Seele seine Hoffnung. Die USA hätten den europäischen Gasmarkt ins Visier genommen und der US-Senat übe Druck aus, indem er das russisch-europäische Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2 explizit in ein neues Sanktionsgesetz aufgenommen habe, „mit klarem, unverhohlenem Hinweis auf US-Jobs und amerikanische Wirtschaftsinteressen. Amerikanisches LNG konkurriert natürlich mit russischem Pipeline-Gas“, erklärte Seele.

Aus europäischer Sicht sei im Hinblick auf die Versorgungssicherheit bei Erdgas „Nord Stream 2 faktisch unverzichtbar“. Die Pipeline werde zusätzliche Transportkapazität schaffen, verpflichte aber nicht zum Kauf des russischen Erdgases, betonte Seele. Eine echte Alternative sei amerikanisches LNG (Liquified Natural Gas) aber nicht, erläuterte Vorstand Manfred Leitner, zuständig für Raffinerien, Tankstellen und Erdgas. „Wenn LNG so günstig wäre, dann würden wir es ja heute schon sehen in Europa.“ Etwa drei Viertel der Regasifizierungskapazität in Europa würden derzeit nicht genützt.

Die Auswirkungen der US-Drohungen auf Nord Stream 2 müsse man zwar noch prüfen, aber er wolle aus dem Projekt nicht aussteigen, „im Gegenteil, wir sind vollumfassend zu diesem Projekt committed“, denn es habe hohe strategische und logistische Bedeutung für Österreich. Bisher habe die OMV zur Finanzierung der Pipeline bereits mit rund 200 Mio. Euro beigetragen, insgesamt hätten sich die europäischen Partner bereit erklärt, bis zur Hälfte der gesamten Kosten der Pipeline zu finanzieren, davon wiederum 30 Prozent direkt und 70 Prozent über Projektfinanzierung. Man müsse nun abwarten, wie der Bankensektor auf das amerikanische Ermächtigungsgesetz reagiere, davon werde es abhängen, ob man einen noch größeren Anteil direkt finanzieren werde. Dass sich die Pipeline insgesamt verteuern könnte, glaubt Seele nicht.

Auch mit einem Schaden für die anderen russischen Projekte der OMV durch die drohenden US-Sanktionen rechnet der OMV-Chef nicht. „Man versucht mit diesem Gesetz nicht in erster Linie Investitionen in Russland zu verhindern, sondern versucht jetzt den Import von russischem Gas nach Europa zu erschweren.“

Für die milliardenschwere Beteiligung der OMV am westsibirischen Gasfeld Juschno Russkoje habe man bereits die Genehmigung der russischen Behörden, man werde die Transaktion daher voraussichtlich wie geplant bis Jahresende abschließen. Auch die Verhandlungen mit Gazprom über den Asset-Tausch würden wie geplant fortgesetzt. Den Genehmigungsprozess bei den norwegischen Behörden wolle man im Herbst starten.

( 0804-17, 88 x 80 mm)

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