Schlepper ließen Migranten vor dem Jemen ertrinken - Viele Vermisste

Genf (APA/dpa/Reuters) - Es ist an Brutalität kaum zu übertreffen: Schlepper haben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufo...

Genf (APA/dpa/Reuters) - Es ist an Brutalität kaum zu übertreffen: Schlepper haben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge vor der Küste des Jemens zahlreiche jugendliche Migranten aus Somalia und Äthiopien ertrinken lassen.

Nur 24 Stunden nach einem ähnlichen Vorfall stießen Schlepper am Donnerstag erneut bis zu 180 Migranten von Bord eines Bootes, wie die in Genf ansässige IOM mitteilte. Bisher seien fünf Leichen gefunden worden, weitere 50 Menschen gelten als vermisst. Die Opfer seien großteils Jugendliche.

Erst am Mittwoch hatte ein Schlepper nach Aussagen von Überlebenden mehr als 120 Migranten von einem Boot gedrängt. Kurz darauf hätten Mitarbeiter der Organisation, die an die Vereinten Nationen angegliedert ist, am Strand 29 Leichen in flachen Gräbern entdeckt. 22 Migranten würden außerdem noch vermisst.

„Das ist vielleicht der Beginn eines neuen Trends“, sagte IOM-Sprecherin Olivia Headon der Nachrichtenagentur Reuters. „Die Schmuggler wissen, dass die Situation gefährlich für sie ist und auf sie geschossen werden könnte. Also setzen sie sie in der Nähe der Küste aus.“

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Überlebende hätten berichtete, dass der Schlepper sie ins Wasser gestoßen habe, als er an der Küste Behördenmitarbeiter entdeckte, teilte IOM mit. Er habe sich dann auf den Rückweg nach Somalia gemacht, um auf derselben Route mehr Migranten an die jemenitische Küste zu bringen. Die Tat sei „schockierend und unmenschlich“, sagte Laurent de Boeck, Leiter der IOM-Mission im Jemen.

Trotz des Bürgerkriegs im Jemen kamen nach IOM-Schätzungen bisher rund 55.000 Migranten vom Horn von Afrika über das Rote Meer und den Golf von Aden. Teils hoffen sie auf Arbeit in den wohlhabenden Golfstaaten, teils flüchten sie vor Konflikten in ihrer Heimat.


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