Wenn die Versicherung aussteigt

Eine Liebesbeziehung ist das Verhältnis zwischen Versicherer und Versichertem zumeist nicht. Wer unvollständige Angaben macht, steht im Schadensfall ohne Schutz da.

Wiederholte Unfallschäden führen zu höheren Versicherungsprämien. Oder der Versicherer kündigt den Vertrag.
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Von Markus Schramek

Innsbruck — Versichern beruhigt. Mit solchen Slogans wirbt die Branche der Assekuranzen. Das Auto wurde zu Schrott gefahren? Da ist es gut, wenn wenigstens der finanzielle Schaden gedeckt ist. Das Eigenheim steht unter Wasser, weil Rohre zu Bruch gingen? Vernünftig versichert, glänzt der Parkettboden bald wieder wie neu.

Aber halt! Versicherungen sind Wirtschaftsunternehmen und keine wohltätigen Einrichtungen, die ihrer Kundschaft Euroscheine nur so nachwerfen. Es kommt gar nicht selten vor, dass eine Versicherung es ablehnt, einen Schaden zu decken oder dass sie einen Vertrag kündigt.

Worauf wir Konsumenten achten müssen, schildert Walter Schieferer dem TT-Ombudsteam. Er ist Sprecher der Versicherungswirtschaft in der Wirtschaftskammer und Vorstand der Tiroler Versicherung. Mehr an praktischer Erfahrung ist kaum möglich.

1. Rudi Sorglos hat bald Sorgen. Versicherte haben Rechte, aber auch Pflichten. Das beginnt beim Ausfüllen des Antragsformulars. Die Angaben müssen korrekt und vollständig sein, Fragen, auch sehr persönliche, sind zu beantworten. „Sonst kann es sein, dass der Versicherer im Schadensfall leistungsfrei bleibt", warnt Schieferer. Dass der Versicherte die vereinbarten Prämien pünktlich zu zahlen hat, fällt wohl unter die Kategorie „Hausverstand". Wer mit dem Zahlen im Rückstand ist, braucht nicht zu erwarten, dass die Versicherung für Schäden geradesteht.

2. Gefahrerhöhung. Mit Abschluss der Versicherung ist die Sorgfaltspflicht aber nicht erledigt. Es können Umstände eintreten, die eine Neubewertung der Versicherung nötig machen. „Schieferer: „Ein ständig bewohntes Eigenheim stellt ein geringeres Risiko dar als ein leerstehendes." Wird ein Objekt nicht mehr ständig genützt, sollte man die Versicherung informieren. Einbruchsgefahr und das Risiko, Schäden über längere Zeit nicht zu erkennen, steigen und somit möglicherweise auch die Prämie.

3. Hier kommt der Bruchpilot. Eine Kfz-Haftpflichtversicherung ist für Autofahrer Pflicht. Ohne diese hat man auf Straßen nichts verloren, gilt es doch, für Unfall- und Personenschäden vorzusorgen. Es gibt allerdings Lenker, die häufig Unfälle verursachen. Über das Bonus-Malus-System steigt deren Versicherungsprämie dann empfindlich. Oft kündigt der Versicherer aber überhaupt den Vertrag eines Bruchpiloten. Freiwillig wird ihn kaum noch jemand versichern. Daher gilt folgende Regelung, wie Schieferer erläutert: „Der Versicherungsverband weist besagtem Autofahrer einen Versicherer zu." Es wird also eine Gesellschaft dazu vergattert, mit dem unfallträchtigen Lenker einen Vertrag abzuschließen.

4. Kleinvieh macht auch Mist. Solcherlei Denken kommt auch vor, etwa bei der Haushaltsversicherung. „Mancher Versicherte meldete jede Bagatelle, damit er die Jahresprämie wieder hereinspielt." Das ist nicht verboten. Allerdings ziehen solche Kunden den Argwohn von Versicherern auf sich. „Wir schauen uns das natürlich schon genauer an, es kommt auf die Schadensfrequenz an", sagt Schieferer. Eine Versicherung diene in erster Linie der Sicherung der Existenz, betont der Experte. Brand- und Wasserschäden etwa, die richtig ins Geld gehen, dafür sei sie gedacht. „Eine 100-Euro-Rechnung kann ich doch auch einmal selber bezahlen."

5. Schutz für Kranke. Ein Spezialfall ist die Zusatz-Krankenversicherung. Egal, wie oft jemand operiert werden muss oder einer Spitalsbehandlung bedarf: Die Versicherung darf die Betroffenen nicht kündigen und auch die Prämie nicht erhöhen (abgesehen von Indexanpassungen). Kranke sollen nicht auch noch dafür „bestraft" werden, dass sie unters Messer müssen. Voraussetzung ist es allerdings, dass die Angaben über den Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss vollständig gewesen sind.


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