Unmut über Wohnblöcke bei ÖVP

Geänderte Bebauungspläne für eine neue Wohnanlage führten zu Diskussionen im Reuttener Gemeinderat. Wie viele Blöcke verträgt ein Ort?

© Helmut Mittermayr

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Lange Zeit stellten Wohnblöcke in der Marktgemeinde Reutte die Ausnahme dar. Der Außerferner Bezirkshauptort war quasi hinter der Tiroler Entwicklung zurückgeblieben. Dieses „Manko“ hat Reutte in der Ära von BM Alois Oberer mehr als wettgemacht. Die Bevölkerung wächst rasant und die Neuankömmlinge werden vorzugsweise in Wohnblocks untergebracht. Inzwischen gibt es aber auch Unmut über das „Un-Vermeidliche“, wie eine Diskussion in der vergangenen Gemeinderatssitzung zeigte. Anlass war eine von den Mandataren zu beschließende Bebauungsplanänderung im Bereich der Hofäckerfelder. Die Alpen Creativ Bau hat dort nahe der evangelischen Kirche sechs Grundstücke erworben und errichtet eine große Wohnanlage mit drei Gebäuden. Da die Blöcke in verdichteter Bauweise teils näher beieinanderstehen werden, als es die Tiroler Bauordnung vorsieht, war ein ergänzender Bebauungsplan notwendig.

Hier hakte die ÖVP-Fraktion unter Vizebürgermeister Klaus Schiman­a ein und erklärte, die Zustimmung verweigern zu wollen – ein äußerst seltener Moment im Reuttener Marktparlament. Schimana: „Eine verträglichere Bauweise wäre wünschenswert. Hier wird noch per Beschluss über das vorgesehene Maß hinausgegangen. Wir wollen das nicht. Das wird ja eine Schlucht zwischen den Häusern.“ Überhaupt gehe der Wohnblockbau in Reutte inzwischen viel zu weit.

Marktchef Oberer erklärte, dass es ganz andere Bauträger in Reutte gebe, deren Projekte ihm nicht gefallen und die sich keineswegs mit der Gemeinde – wie hier vorbildlich – absprechen würden. „Dies wird eine wunderbare Anlage, so sind zum Beispiel alle Autos unter der Erde.“ Schimana ließ das nicht gelten: „Über den Bebauungsplan hätten wir es in der Hand und winken einfach alles durch.“ Bauausschuss­obmann Robert Bader von der Bürgermeisterliste entgegnete, dass die Änderungen, die der Gemeinderat zulasse, nur marginal seien und die Anlage ja sowieso nicht aufzuhalten sei. GV Gerfried Breuss, ebenfalls Liste Oberer, zeigte sich froh, dass „hier tolle Eigentumswohnungen nach heutigem Standard entstehen“. Oberer gab der großzügigen Ausweisung von Bauflächen in Reutte vor seiner Amtszeit die Schuld an der Misere. Er sei prinzipiell gesprächsbereit. Die Änderung des Bebauungsplanes wurde mit 13:6 beschlossen.


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