Lotto-Motto für das Tiroler Derby: „Alles ist möglich“

Das erste Saisonderby zwischen der WSG Wattens und dem FC Wacker Innsbruck weist heute (20.30 Uhr/TT.com-Live-Ticker) im Gernot-Langes-Stadion keinen klaren Favoriten aus. Auf den Rängen wird mit 4000 Fans gerechnet.

Auf ein stimmungsvolles Fußballderby – im Gernot-Langes-Stadion werden 4000 Zuschauer erwartet.
© gepa

Wattens muss im letzten Drittel explodieren

Von Alex Gruber

Wattens – WSG-Coach Thommy Silberberger suchte gestern in Vorbereitung aufs Derby noch nach dem Baum der Erkenntnis. Denn die Saison war bislang ein Wechselbad der Gefühle: Zuerst gab es die ÖFB-Cup-„Watschn“ bei Bad Gleichenberg (1:5) und die Liga-Auftaktniederlage gegen Hartberg (0:1), ehe sich die Wattener gegen Liefering (1:0-Auswärtssieg) und Kapfenberg (3:1-Heimsieg) von ihrer Sonnenseite präsentierten. Und dann kam eben die 0:1-Niederlage beim FAC, die Silberberger mit Verweis auf den Saisonstart als „Rückfall in alte Muster“ titulierte: „Wir sind zu lasch im letzten Drittel, da müssen wir explodieren.“ In Sachen Positionsspiel und Ballbesitz (69 Prozent beim FAC mit 115 Ballkontakten von Mittelfeld-Routinier Florian Mader) hat Wattens Zugang zur Liga-Spitze gefunden.

Die Tabelle weist die WSG derzeit als Mittelmaß aus. Als Aufsteiger und vermeintlich graue Maus geht man nach starker Vorsaison und drei Derbysiegen über den FC Wacker nicht mehr durch. Das Potenzial zum Überholmanöver scheint da. „Wir müssen die Schnelligkeit von Wacker über die Seiten mit Spielern wie Harrer, Rakowitz oder Jamnig in den Griff bekommen“, führt Silberberger aus. An Ideen hat es dem WSG-Coach nie gemangelt, nur im letzten Duell der alten Saison griff er bei der 3:4-Niederlage taktisch etwas daneben.

Zuhause soll es heute wieder am schönsten sein: „Ich hab mir etwas überlegt. Und die Mannschaft weiß, was sie gutzumachen hat. Der Heimvorteil und das Heimpublikum könnten für uns sprechen“, hofft der „Silbi“ auf Unterstützung von den Rängen. Denn es werde bei einem „50:50-Spiel“ eine „mega-enge Schnittpartie“ werden: „Jedes Team wird drei bis fünf Schlüsselszenen haben. Und wer die entscheidenden Momente besser nutzen kann, wird als Sieger den Platz verlassen.“

Das Derby sorgt für Anspannung pur. „Lasch“ wird wohl keiner sein. Silberberger hat neben dem FC Wacker auch das folgende Heimspiel gegen Austria Lustenau (Dienstag, 18.30 Uhr) auf dem Radar: „Wir können in den nächsten fünf Tagen alles richtig machen oder viel Kopfweh bekommen.“ Sportmanager Stefan Köck unterstreicht: „Wir brauchen nicht zu rechnen, sondern müssen unsere Leistung raushauen.“

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Kräftemessen zwischen Grünweiß und Schwarzgrün – die Kapitäne Ferdl Oswald (links) und Christoph Freitag.
© Rudy De Moor

„Die drei Niederlagen sitzen noch tief“

Von Wolfgang Müller

Innsbruck – „Kühler Kopf und ein brennendes Herz“ sind für Harald Pichler wichtige Derby­faktoren. Dass der FC Wacker sich heute in Wattens vor allem in spielerischer Hinsicht gegenüber den Darbietungen in Hartberg und zuletzt beim 3:2-Kampfsieg gegen Austria Lustenau steigern muss, ist dem schwarzgrünen Abwehrroutinier auch klar: „Die Gegentore sind immer ärgerlich. Vor allem die bei Standards. Aber wir arbeiteten zuletzt hart, damit das nicht wieder passiert.“ Quälende oder gar lähmende Gedanken aus der letzten Saison erstickt der 30-Jährige im Keim: „Die drei Niederlagen sitzen immer noch tief, aber jetzt ist es Zeit, eine neue Derby-Statistik zu schreiben.“

Was ganz im Sinne des schwarzgrünen Umfeldes und natürlich auch des Trainers wäre. Prognosen will Karl Daxbacher freilich keine abgeben, denn nach dem Start bestätigt die zweitklassige Sky Go Erste Liga, dass sie eine Wundertüte ist, in jeder Runde alles möglich ist: „Die Ausgangslage ist ausgeglichen. Der moralische Sieg gegen Lustenau war enorm wichtig für uns. Wattens erhielt beim FAC einen Dämpfer, aber viel heißen soll das auch nicht.“ Mit der Favoritenrolle kann der FCW-Coach nicht viel anfangen: „Aus der Geschichte heraus ist Wacker der Große und Wattens der Kleine. Für das Derby selbst bedeutet das nicht viel. Letzte Saison war Wacker auch immer Favorit und hat dreimal verloren. Es wird ein offenes Spiel, in dem jeder Ausgang möglich ist.“

Beim einzigen Derbysieg des Vorjahres – dem turbulenten 4:3 in Wattens – erzielte mit Patrik Eler jener Stürmer drei Tore, der heute fehlt. „Muss halt Dedic seinen ersten Treffer machen, Jamnig seine Torgefährlichkeit unter Beweis stellen. Auch Harrer und Rakowitz wären fällig oder ein Verteidiger wie zuletzt Maak trifft nach einem Standard. Hauptsache, wir schießen ein Tor mehr als Wattens“, sieht Daxbacher die Lage ohne Eler nicht so dramatisch. Worauf seine Mannschaft mit dem wieder spielberechtigten Dominik Baumgartner im Langes-Stadion besonders achten muss, weiß der FCW-Coach nach eingehender Videoanalyse. „Pranter ist als Vollstrecker und Vorbereiter extrem gefährlich. Mader ist der Spielführer und Lenker. Mit Jurdik, Katnik und Zangerl sind sie offensiv flexibel.“


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