Der Abschied von Bolt stiehlt am Super-Samstag allen die Show

Megastar und Fan-Liebling Usain Bolt beendet am Samstag mit dem Sprint-Staffelrennen seine glanzvolle Laufbahn, Jamaika-Staffel mit Bolt im Vorlauf Dritte.

Ein letztes Mal will Usain Bolt das Blitzlichtgewitter der Fotografen genießen. Am liebsten mit der Goldmedaille um den Hals.
© REUTERS

London - Die 4x100-m-Staffel der USA mit u.a. Einzel-Weltmeister Justin Gatlin und Christian Coleman ist am Samstag mit der Jahresweltbestzeit von 37,70 Sekunden in das WM-Finale am Abend eingezogen. Anders als in der Vergangenheit war Usain Bolt bereits im Vorlauf angetreten, er führte das jamaikanische Quartett im Londoner Olympiastadion in 37,95 zum Vorlaufsieg und der gesamt drittbesten Zeit. Auf Platz zwei reihte sich Großbritannien in 37,76. Bolt wird mit dem Staffel-Finale seine glanzvolle Karriere beenden. Über 100 m hatte es vor einer Woche nur zur Bronzemedaille gereicht hatte, der 30-Jährige möchte aber mit dem zwölften WM-Gold abtreten.

Innerhalb eineinhalb Stunden werden am vorletzten Tag der Welttitelkämpfe im ausverkauften Olympiastadion die Glanzlichter abgefeuert. Nach seiner 100-m-Bronzemedaille anstatt der erhofften Goldenen will der 30-jährige Bolt unbedingt mit einem Titel abtreten und das zwölfte WM-Gold den acht bei Olympischen Spielen hinzufügen. Der Rockstar unter den Athleten wird schmerzlich vermisst werden. Seine Anwesenheit füllte Stadien, seine Weltrekorde öffneten neue zeitliche Dimensionen, seine Weste blieb weiß und sein Marketingpotenzial ließ die Dollar, Euro und Pfund fließen.

„Usain Bolt war ein ganz Großer, der es geschafft hat, punktgenau zur richtigen Zeit richtig schnell zu sein“, sagte Sonja Spendelhofer, die Präsidentin des Österreichischen Verbandes. „Er war kein Stiller, er konnte sich gut medial vermarkten, hat eine große Show geboten. Bei ihm traf alles zusammen.“ Ihr würde es aber auch gefallen, würde der nächste Superstar der Leichtathletik eine anderen Disziplin vertreten. „Die 100 m faszinieren natürlich. Aber vielleicht kommt der nächste aus dem Mehrkampf oder dem Speerwurf, es gibt so viele schöne Disziplinen“, sagte die ehemalige Mehrkämpferin und Werferin.

Farah liebäugelt mit Marathondistanz

Der 34-jährige Farah hat bei den Olympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro sowie bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2013 in Moskau und 2015 in Peking das Langstrecken-Double über 10.000 und 5.000 m errungen. Dazu kommt der erste Platz 2011 in Daegu über die 5.000 m, womit er auf sieben WM-Titel auf der Bahn kommen könnte. Obwohl seine Beine und Füße bei seinem Sieg über 10.000 m am WM-Eröffnungstag ziemlich malträtiert wurden, zog Farah am Mittwoch souverän in den Endlauf über 5.000 m ein. Auch er plant Neues, will in absehbarer Zeit auf die Marathondistanz wechseln.

„Das Double zu holen, ist nicht leicht, wir haben bei Usain Bolt gesehen, was passieren kann. Es wäre schön gewesen, ihn gewinnen zu sehen, ich habe mich darauf gefreut, aber es ist nicht passiert. Niemand schenkt dir das einfach, egal wer du bist“, sagte Farah, der einst als Flüchtling aus Somalia nach Großbritannien gekommen war und in den vergangenen Jahren mit seiner Siegesserie bei Großereignissen die Briten in Begeisterungsstürme versetzt hat.

Distelberger als letzter ÖLV-Athlet im Einsatz

Die Zehnkämpfer ermitteln am Samstag den Nachfolger von Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler Ashton Eaton aus den USA, der seine Karriere gemeinsam mit seiner ebenfalls mehrkämpfenden kanadischen Ehefrau Brianne Theisen-Eaton im Jänner beendet hat. Mit Dominik Distelberger startet auch ein Österreicher, er ist als letzter ÖLV-Athlet nach Lukas Weißhaidinger (Diskus/9.), Ivona Dadic (Siebenkampf/6.), Verena Preiner (Siebenkampf/Aufgabe) und Valentin Pfeil (Marathon/23.) im Einsatz.

Das Speerwurf-Finale der Männer verspricht ebenfalls zu halten, was der Saisonverlauf angekündigt hat. Der Jahresbeste Johannes Vetter hatte bereits in der Qualifikation mit 91,20 m die 90er-Marke übertroffen. „Ich kann nicht in die Quali gehen und mit nur achtzig Prozent werfen. Ich habe alles gegeben“, sagte Vetter. Mit Olympiasieger Thomas Röhler und Andreas Hofmann schafften es auch seine deutschen Teamkollegen, der DLV träumt vom historischen Dreifachsieg. Das will u.a. der mitfavorisierte Finne Tero Pitkämäki verhindern.

Vetter kam heuer bereits auf 94,44 m, auf die 98,48 m des tschechischen Weltrekordler Jan Zelezny fehlen aber noch ein paar Meter. „Der Weltrekord ist weit weg. Manche denken, das sind ja nur noch ein paar Meter, aber zwischen 94 und 98 das ist wirklich ein langer Weg“, bremste der 24-Jährige die Erwartungen. Noch gab es keinen Weltrekord bei der WM in London. (APA)


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