FPÖ holt „Verräter“ zurück: Lugar macht wieder blau

Wegen des Wechsels zu Konkurrenten hat Strache den bisherigen Stronach-Klubchef einst gescholten. Nun ist er wieder willkommen.

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Von Karin Leitner

Wien –Das Aviso lautet: „Pressekonferenz HC Strache: Präsentation eines neuen Fixstarters auf der FPÖ-Bundesliste.“ Wer das sein wird, ist freilich schon durchgesickert. Der Ex-Blaue Robert Lugar ist wieder mit von der Partie.

Und dann passiert Seltsames: Nicht Lugar ist vor den Medienleuten an Heinz-Christian Straches Seite, eine Frau nimmt neben ihm Platz.

Inhaltliches wolle er vorerst kundtun, sagt der FPÖ-Obmann. Eine halbe Stunde lang wettert er gegen Rot und Schwarz. „Fehlentwicklungen“ gebe es dort wie da – „Massenzuwanderung“, „ungerechte Mindestsicherung“. An die Adresse des zuständigen Ministers, ÖVP-Mann Sebastian Kurz: „Die Integrationspolitik ist völlig gescheitert.“ Ein „Desaster“ sei all das. Nur mit der FPÖ werde sich alles zum Besseren wenden: „Der 15. Oktober ist ein Lostag für Österreich.“

Dann kommt Strache zum Personellen. Er stellt die Dame vor. Susanne Fürst sei das, eine Oberösterreicherin und Rechtsanwältin. Sie habe zwei Buben und vertrete die FPÖ im ORF-Publikumsrat.

Sie sei dieser Partei seit Langem verbunden, sagt Fürst. Als Verfassungsrechtsexpertin habe sie schon für die Blauen gewerkt. Ergo habe sie nicht gezögert, das Offert anzunehmen, auf Platz sieben der Bundesliste zu kandidieren.

Es folgt Teil drei der Inszenierung. Er habe hier „ein druckfrisches Dokument“, das er Nationalratspräsidentin Doris Bures übermitteln werde, sagt Strache. Er genießt die fragenden Blicke. Was mag das für ein Schreiben sein? Er informiere Bures darüber, dass Lugar nun wieder ein Freiheitlicher sei, tut Strache kund. Der bisherige Fraktionschef des Team Stronach hat dessen Parlamentsklub ja diese Woche verlassen.

Nun der Höhepunkt der Dramaturgie: „Ich darf Herrn Abgeordneten Lugar bei uns begrüßen.“ Der betritt den Raum, reiht sich bei den Wieder-Gesinnungsfreunden ein. „Er ist in seiner ursprünglichen freiheitlichen Familie wieder herzlich willkommen“, sagt Strache. Die Parteigänger von Milliardär Frank Stronach hätten erkennen müssen, „dass Geld allein keine Politik macht“. Es sei „verständlich, dass sich Lugar eine glaubwürdige Plattform sucht, um an seinen Zielen arbeiten zu können – ohne von der Willkür und Laune eines Geldgebers abhängig zu sein“.

Was ist mit dem Zerwürfnis, damit, dass Strache Lugar 2012 als „Verräter“ tituliert hat, weil er sich zum BZÖ von Jörg Haider, hernach zur Truppe von Stronach gesellt hat? „Wir haben im Parlament sehr gut zusammengearbeitet, uns besser kennen gelernt. Und wir haben uns ,ausg’redt‘.“ Schon 2012 habe Lugar zur FPÖ zurückkommen wollen. „Damals war das Vertrauen aber noch nicht gegeben. Natürlich ist Lugar auch g’scheiter geworden in den vergangenen Jahren.“

Das Comeback habe vor fünf Jahren „leider nicht funktioniert“, sagt Lugar. Er habe daher gemeint: „Getrennt marschieren, aber gemeinsam kämpfen.“ Weil auch im Team Stronach „Werte“ der FPÖ seine Sache gewesen seien. „Inhaltlich hat uns nie etwas getrennt. Ich war im Herzen immer Freiheitlicher.“


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