Innsbrucker Festwochen: „Ulisse“ kehrt heim und De Marchi siegt

Innsbruck (APA) - Nachdem Odysseus heuer bei den Salzburger Festspielen heimgekehrt war, ließ er auch in Innsbruck seine ebenso treu wie seh...

Innsbruck (APA) - Nachdem Odysseus heuer bei den Salzburger Festspielen heimgekehrt war, ließ er auch in Innsbruck seine ebenso treu wie sehnsüchtig auf ihn wartende Gattin Penelope nicht allein: Claudio Monteverdis „Il ritorno d‘Ulisse in patria“ geriet Donnerstagabend beim Auftakt der Festwochen der Alten Musik zum souveränen Arbeitssieg für den am Dirigentenpult stehenden Alessandro De Marchi.

Das Premierenpublikum spendete nach rund dreieinhalb Stunden lang anhaltenden Applaus, vereinzelt ließen sich manche sogar zu Standing Ovations hinreißen. Der Erfolg kann neben De Marchi und seiner Academia Montis Regalis zwei weiteren Vätern zugeordnet werden: Dem das griechische Heldendrama straight-schnörkellos inszenierenden Regisseur Ole Anders Tandberg und dem - ohne wesentliche stimmliche und darstellerische Abstriche - herausragenden Ensemble auf der Bühne des Landestheaters.

Die Geschichte über den letztendlichen Sieg von Treue und Liebe über Betrug und Verrat - sie erfuhr eine perfekte Symbiose aus grandiosem, virtuos changierendem musikalischen Klangteppich und darstellerischer Grandezza gepaart mit mitwohltuender, nicht überbordender bühnenbildtechnischer Szenerie. Das Orchester wartete - wie von De Marchi angekündigt - auf die Besucher in dreifacher Ausführung - zugeschnitten auf die jeweiligen Akteure. Das „Meeresorchester“ mit Posaunen, Orgel, Regal und einem Perkussionsinstrument, das Rauschen des Wassers bei Auftritten von Meeresgott Nettuno und diversen Seefahrern und Matrosen imitierend. Das „Erdenorchester“ mit Flöten, Streichern, Cembalo und Zupfinstrumenten. Auch den folkloristischen Elementen Monteverdis wurde man gerecht - mit Gitarren und Perkussion.

Die Geschichte der Heimkehr des Odysseus, eines Helden mit Ecken und Kanten - eine Geschichte des ewigen Spiels um die Liebe, die letztlich triumphiert. „Ulisse“ kehrt nach zehnjähriger Irrfahrt nach Hause zurück. Seine treue, die Abwesenheit betrauernde Gattin Penelope, wird von drei aufdringlichen Freiern belagert, ihre Berater drängen sie dazu, wieder zu heiraten. Odysseus stehen die Götter wahlweise zur Seite oder stellen Hindernisse dar. Schließlich gelingt es ihm, erfolgreich um Penelope zu buhlen und sie von seiner wahren Identität zu überzeugen, die Freier aus dem Palast zu jagen und sein Königreich zurückzugewinnen.

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Die Herausragendsten eines herausragenden Ensembles: Christine Rice als nach innen gekehrte, nach Liebe dürstende Penelope - Bühnenpräsenz und Ausdruck in ihrer absoluten Perfektion. Und Kresimir Spicer als wandelbarer und verwandelter Ulisse - nicht nur stimmlich eine Wucht. Von köstlicher komödiantischer Gabe indes Carlo Allemano als „Vielfraß“ Iro, der von Penelopes Freiern lebt.

Die Inszenierung schreckt mitunter nicht - auf hohem Niveau - vor volkstümlichen, massentauglichen Einsprengseln zurück. Die Auseinandersetzung zwischen dem als Bettler verkleideten Ulisse und Iro wird zu einem Ringkampf in einem, leibhaftig auf der Bühne platzierten, Boxring. Die als Hirtin verkleidete Göttin Minerva trägt Lederhose und Gamshut zur Schau. Und drei dreibeinige Matrosen tanzen für Penelope - im Sinne der Ankündigung ihrer Freier, dass Penelope unterhalten werden soll.

Das Bühnenbild: statisch und doch flexibel-eindrücklich. Alles dabei - Feuer, Rauch, Nebel, Berge und wogende Meeresfluten. Ein stimmiges Gesamtbild. Ein Opernabend, der Eindruck machte.

(S E R V I C E - „Il ritorno d‘ulisse in patria“, Oper in drei Akten von Claudio Monteverdi. Alessandro De Marchi (Musikalische Leitung), Ole Anders Tandberg (Regie), Erlend Birkeland (Bühnenbild), Maria Geber (Kostüme), Kresimir Spicer (Ulisse), Christine Rice (Penelope), Telemaco (David Hansen), Ericlea (Ingebjorg Kosmo), Melanto (Vigdis Unsgard). Tiroler Landestheater, weitere Aufführungen am 12. August, 15 Uhr und 14. August, 18.30 Uhr, Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, Karten: 01 / 88 0 88, http://www.altemusik.at)

(B I L D A V I S O - Bilder zur Produktion wurden am 9. August versendet)


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