Marsch mit Gepäck: Die Last der Rekruten

Der Tod eines Rekruten in Horn hat eine Debatte über den Umgang mit den jungen Männern beim Heer ausgelöst.

Grundwehrdiener müssen nicht nur stundenlang marschieren, sondern auch stehen – bei brütender Hitze und eisiger Kälte.
© Böhm

Von Lina Wernisch

Wien –Eine Stunde Sport am Tag: „Die Körperausbildung hat den Zweck, Soldaten körperlich so leistungsfähig zu machen, dass sie den Anforderungen des Dienstes gewachsen sind.“ Dies soll auch das Selbstvertraue­n heben, Sicherheit geben und den Leistungswillen fördern. Damit wirbt das Österreichische Bundesheer auf seiner Webseite.

Darüber wurde nun kontrovers diskutiert. Bei einer Sporteinheit kam es vergangenen Donnerstag zum Tod eines Rekruten. Die Garde in Horn brach zu einem Marsch auf. Wegen der hohen Temperaturen wurde Marsch­erleichterung verordnet – unter anderem in Form von leichterer Bekleidung und mehr Wasser. Trotzdem kollabierte ein 19-jähriger Rekrut, der später im Krankenhaus verstarb. Er habe eine Körpertemperatur von 44 Grad gehabt, die durch einen akuten Infekt ausgelöst wurde, ergab die Blutuntersuchung. Vorher wurde von einer Überhitzung ausgegangen.

Daraufhin hat das Verteidigungsministerium zwei Sonderkommissionen beauftragt, um den Fall zu klären. „Wir werden das Ergebnis und die Konsequenzen offen auf den Tisch legen“, verspricht SPÖ-Verteidigungsminister Hans Pete­r Doskozil. Dabei will er auch das „gesamte System hinterfragen“.

Und wie schaut die Ausbildung derzeit aus? Die ersten vier Wochen nennen sich „Ausbildung Kern“, erklärt Major Michael Barthou, Leiter der Online-Medien des Heeres. Dabei würden militärisch­e Grundkenntnisse gelernt werden.

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Danach unterscheiden sich die Aufgaben, je nachdem, welche spezifische Ausbildung der Grundwehrdiener wähle. Seit der Wehrdienst­reform würden zudem so genannte Wahlpflichtmodule existieren – wie Schießen, vertiefende Selbst- und Kameradenhilfe oder Sprachausbildung. In der „Ausbildung Kern“ gebe es ein bis zwei kurze Gewöhnungsmärsche mit einem 15 Kilogramm schweren Gepäck. „Marscherleichterungen können diesen Wert jedoch deutlich reduzieren“, meint Bartho­u.

Doskozil bestätigte kürzlich, dass es Vorschriften gebe, „was bei gewissen Witterungsverhältnissen zu passieren hat“. Trotzdem sollen genauere Forderungen gestellt werden, die klar definiert sind.

Es gebe in Österreich über 20.000 Mitarbeiter beim Bundesheer. Viele davon seien gut; „Dass manche falsch handeln, kommt vor“, sagt der Verteidigungsminister. Er hat versprochen, auf alle strafrechtlich relevanten Kommentare einzugehen.

Ein rauer Umgangston ist bei den Ausbildern des Bundesheeres offenbar Alltag. Das Magazin Vic­e richtete eine Webseite ein; dort kann jeder seine Meinung kundtun. Kommentare wie „Ich lebte in den vier Wochen Grundausbildung in ständiger Angst“ und „Dort geht es wirklich drum, die Menschen zu brechen, um sie danach neu zu formen“ sind keine Seltenheit unter den Postings.


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