Italienerin wandert auf Goethes Spuren durch Europa

Rom (APA) - 231 Jahre nach Beginn von Goethes Italienreise, verewigt in dessen Reisebericht, wandelt eine 67-jährige italienische Bergführer...

Rom (APA) - 231 Jahre nach Beginn von Goethes Italienreise, verewigt in dessen Reisebericht, wandelt eine 67-jährige italienische Bergführerin auf den Spuren des deutschen Dichters. Vienna Cammerota startet am 28. September – dem Geburtstag Goethes - vom tschechischen Karlsbad, wird mehr als 2.500 Kilometer zurücklegen und vier Länder bis Paestum in Süditalien mit seinen griechischen Tempeln durchqueren.

Cammerota folgt dabei den Weg, den Goethe bei seiner Italienreise ab 3. September 1786 unternahm. Am 25. August trifft die Bergführerin von Italien kommend in Karlsbad ein und startet drei Tage später ihre Reise, die sie über Wanderwege und Berge nach Bayern führen wird. Etappenziele sind auch Regensburg und München, danach wird sie Innsbruck und den Brenner erreichen. Etwa fünf Tage wird die Wanderin in Tirol verbringen. Sie will dabei einen Appell für offene Grenzen an die Tiroler richten und hofft, Bürgermeister jener Gemeinden zu treffen, die auf ihrem Weg liegen.

„Es gibt keine Barrieren, wir sind alle Europäer. Wir dürfen uns nicht verschließen und müssen stets den Dialog fördern. Durch Europa zu wandern, ist meiner Meinung nach der beste Weg, die Vielfältigkeit unseres Kontinents und seiner vielen Orte und Menschen wirklich kennenzulernen“, betonte die Süditalienerin mit blonden Haaren im Gespräch mit der APA. Cammerota mag die Tiroler Berge, wo sie oft zum Langlaufen war.

Die Wanderin wird Ende September den Gardasee, der Goethe stark beeindruckt hatte, und später die 2016 von einem Erdbeben zerstörte Kleinstadt Amatrice erreichen. Die Reise soll Anfang Oktober im kampanischen Felitto, Heimatort der Bergführerin, zu Ende gehen. Mit einem zehn Kilo schweren Rucksack startet Cammerota ihre dreimonatige Wanderung. Kein GPS-Gerät, sondern lediglich eine Landkarte wird die Frau bei sich haben.

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Als Bergführerin ist Cammerota an lange Wanderungen gewöhnt. Sie hat bereits einen Monat in Neapel und Tibet verbracht und Reisen durch Israel, Patagonien und Madagaskar unternommen. Bei ihren Wanderungen macht sie sich keine Sorgen um ihre Sicherheit. „Ich begegne den Menschen mit Offenheit und bin bisher immer sehr freundlich aufgenommen worden. Oft treffe ich Personen, die von meiner Reise erfahren und mich bei sich übernachten lassen. Da entstehen Freundschaften, die schon seit Jahren andauern“, berichtete die Italienerin, die während ihrer Wanderung stets Goethes „Italienische Reise“ bei sich haben wird.

Mit ihrer Wanderung will die Süditalienerin auch ein Beispiel für Frauen sein. „Frauen verschließen sich oft, vor allem ab einem gewissen Alter. Ich will jedoch die Botschaft entsenden, dass Frauen unabhängig von ihrem Alter alles machen können, wenn sie es wirklich wollen. Wir sind nicht unser Alter“, sagte sie. Unterstützt wird sie bei ihren Unternehmungen von ihren drei erwachsenen Töchtern, die ebenfalls gern wandern. „Sie motivieren mich, meine Ziele zu erreichen und unterstützen mich, wenn es auf dem Weg manchmal schwierig ist“, berichtete die Frau.

Wandern betrachtet Vienna Cammerota als Weg, neue Menschen kennenzulernen, den eigenen Horizont zu erweitern und sich selbst und den eigenen Körper besser kennenzulernen. Der Kontakt zur Natur sei ihr besonders wichtig. „Die Natur besitzt heilende Kräfte. Wenn man wandert, hört man mehr auf den eigenen Körper, den man pflegen und respektieren muss. Mit Massagen und guter Ernährung gelingt es mir, problemlos die 25 Kilometer am Tag zu schaffen.“

Johann Wolfgang Goethe beschrieb in seiner „Italienischen Reise“ seinen Italienaufenthalt zwischen September 1786 und Mai 1788. Er kam bis nach Sizilien. Als Grundlage dienten dem Schriftsteller seine Tagebücher. Weit mehr als ein Jahr hielt sich Goethe im Laufe seiner Tour in Rom auf. Bekannt sind auch folgende Italien-Verse Goethes: „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, im dunklen Laub die Goldorangen glühn, ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, die Myrte still und hoch der Lorbeer steht? Kennst du es wohl? Dahin, dahin möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!


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