Tagein, tagaus: Ein Tal versinkt im Verkehrschaos

Es ist täglich dasselbe Bild: Vormittags staut es sich talauswärts, am späten Nachmittag taleinwärts im Zillertal. Dagegen helfe auch die beste Straße nicht, sind sich Experten sicher. Ein Verkehrsgipfel ist geplant.

Egal wohin man schaute – überall im vorderen Zillertal staute sich gestern der Verkehr. So wie fast jeden Morgen talauswärts und am späten Nachmittag taleinwärts.
© Dähling

Von Angela Dähling

Fügen, Bruck –Gestern ging mal wieder nichts mehr auf den Straßen im vorderen Zillertal. Stau von Aschau bis Strass, und das nicht nur auf der B169 Zillertalstraße, sondern auch auf den Nebenstrecken. Im Brucker Ortsteil Imming musste die Polizei Strass den Verkehr zur Mittagszeit entflechten, denn auf der schma­len, einspurigen Dörferstraße in den vom Regen aufgeweichten Wiesen von Hart nach Bruck gab es kein Vor und Zurück mehr. Gut eine halbe Stunde stand der Verkehr komplett still, weil die Autos nicht mehr aneinander vorbeikonnten.

Danach wurden die Polizisten gleich zum nächsten Staupunkt gerufen. „Das ist beinahe täglich der Fall. Wir können den Stau nicht auflösen, aber versuchen, den Verkehr ins Rollen zu bringen und kontrollieren, ob Fahrverbote auf Radwegen oder Gemeindestraßen wie in Gagering eingehalten werden“, heißt es seitens der Polizeiinspektion Strass.

So gesehen gibt es kein Entkommen aus dem Stau. Das ist längst auch Verkehrsexperten wie Baubezirksamtsleiter Werner Huber gewusst. „Wir könnten, überspitzt gesagt, die Zillertalstraße auf 80 Meter Breite ausbauen und der Stau wäre immer noch da“, sagt er. Auch Bezirkshauptmann-Stv. Wolfgang Löderle sagt, was sich eh schon jeder denkt: „Auch die besten Straßenkonzepte können dieses Verkehrschaos nicht mehr lösen und den Verkehr wieder flüssig kriegen.“

Die steigenden Nächtigungszahlen in diesem Sommer schlagen sich besonders an Regentagen mit nervtötenden Staus auf den Straßen nieder. Dann wollen die Gäste raus in die Städte: nach Rattenberg, Innsbruck etc. „Früher gab es dorthin Tagesausfahrten mit Bussen. Heute fährt jeder mit dem eigenen Auto“, sieht auch LHStv. Josef Geisler Handlungsbedarf. Bus und Bahn, das seien die einzigen wirklichen Alternativen zum Stau. Daher, so Geisler, sei die Attraktivierung und Modernisierung der Zillertalbahn auch so wichtig. Er schlägt vor, die Zillertal Aktivcard zu erweitern: „Eine Bahnfahrt bis Innsbruck pro Woche sollte darin inkludiert sein“, meint er. Mit der Vorteilskarte können um 63,50 Euro (Kinder fahren bis 15 Jahre beim Kauf von zwei Karten gratis) die Bergbahnen, Freibäder und viele öffentliche Verkehrsmittel im Tal sechs Tage genutzt werden.

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„Den extremen Ausflugsverkehr müssen wir in den Griff bekommen“, ist auch Wolfgang Löderle überzeugt. Anfang September werde es daher einen Verkehrsgipfel mit den Bürgermeistern des Tales und Verkehrsexperten des Landes geben. „Dabei geht es unter anderem auch um Verkehrsregelungen wie Ortsdurchfahrtssperren im kommenden Winter. Jetzt brauchen wir aber auch Konzepte für den Sommer“, sagt Löderle.


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