Identitären-Schiff in Seenot: Hilfe von NGO verweigert

Das Schiff der rechtsextremen Identitären erlitt offenbar einen Maschinenschaden. Eine zu Hilfe geschickte NGO wurde wieder weggeschickt. Eigentlich wollten die Identitären selbst die NGOs beobachten.

Eine Aufnahme der "C-Star" vom 5. August 2017.
© AFP

Regensburg/Wien – Eigentlich will die rechtsextreme Mission „Defend Europe“, mit Österreichern an Bord, im Mittelmeer Flüchtlinge an der Überfahrt nach Europa hindern und dazu NGO-Schiffe blockieren. Nun erlitt die von den „Identitären“ gecharterte „C-Star“ aber offenbar einen Maschinenschaden und ausgerechnet eine Hilfsorganisation wurde am Freitag von der EU-Mission Sophia beauftragt, ihnen zu helfen.

Ein Sprecher der EUNAVFOR MED Operation Sophia hätte die deutsche Nichtregierungsorganisation (NGO) Sea-Eye am Freitagvormittag informiert, dass die „C-Star“ mit „einem Maschinenschaden manövrierunfähig und der Hilfe bedürftig sei“, berichtete die NGO in einer Aussendung. Der Sea-Eye-Kutter, hieß es weiter, sei aufgrund ihrer geografischen Nähe damit beauftragt worden, den „Identitären“ zur Hilfe zu kommen, und habe sich auf den Weg gemacht. Bei der EU-Mission Sophia war für die APA vorerst niemand zu erreichen.

Rechtsextreme lehnen Hilfe ab

Am Abend wurde bekannt, dass die Identitären offenbar die Hilfe der NGO Sea-Eye verweigerte. Das teilte die deutsche Hilfsorganisation mit. Ein Sprecher der EU-Mission Sophia bestätigte indes, dass die C-Star-Crew mit österreichischer Beteiligung das technische Gebrechen meldete.

Die NGO teilte mit, dass die Rechtsextremisten nach einem Funkkontakt „jede Hilfe“ der Sea-Star ablehnten. Daraufhin hätte das Schiff der Hilfsorganisation auf „Weisung der EU-Mission“ ihren „Erkundungskurs nach Schiffbrüchigen und Ertrinkenden“ fortgesetzt, hieß es in einer Aussendung.

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Identitäre: Kein Notfall

Die Aktivisten der „C-Star“ schrieben auf dem Kurznachrichtendienst Twitter hingegen: Das Schiff habe „gerade technische Probleme. Wir arbeiten an der Lösung. Es ist kein Notfall“. Der Hauptmotor sei gestoppt worden und das Schiff gelte somit als „nicht unter Kontrolle“. Entsprechende Informationen seien an Schiffe in der Nähe mitgeilt worden.

Die Rechtsextremen, die u.a. auch in Österreich vom Verfassungsschutz beobachtet werden, machen seit mehreren Wochen im Mittelmeer Druck auf Flüchtlings-Retter, denen sie „Menschenhandel“ vorwerfen. Erst vor wenigen Tagen verfolgten sie ein Schiff der beiden Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee (SOS Mittelmeer). Die Identitäre Bewegung hat auch in Frankreich, Italien und der Schweiz Anhänger.

NGO wollte helfen, übte aber Kritik

Der Vorsitzende von Sea-Eye, Michael Buschheuer, hatte vor der Ablehnung in einer Aussendung geschrieben: „In Seenot Geratenen zu helfen, ist die Pflicht eines jeden, der auf See ist – unterschiedslos zu seiner Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Gesinnung.“

Ein Sprecher von Sea-Eye übte laut Nachrichtenagentur AFP aber scharfe Kritik an den Zielen der „C-Star“-Aktivisten. Ihnen gehe es um ein „groß angelegtes Propaganda-Manöver“ gegen Flüchtlinge und ihre Helfer im Mittelmeer. Sie beschränkten sich einseitig auf die Forderung, die Menschen zurück nach Afrika zu bringen.

Der Sea-Eye-Sprecher kritisierte zudem die jüngste Drohung Libyens, gegen Flüchtlingshelfer vor der eigenen Küste vorzugehen. Die rechtsextremen Aktivisten hatten die libysche Ankündigung dagegen auf Twitter als „Sieg für die Verteidigung Europas“ bezeichnet. (TT.com/APA)


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