Innsbrucker prüfen Gift-Eier, Streit um Kennzeichnung

Proben sind in Innsbrucker Labor, Ergebnis kommende Woche. Eine Ausweitung der Herkunftskennzeichnung lehnen Gastronomen ab.

Symbolbild.
© Belga

Innsbruck, Linz, Brüssel — Nach dem Auftauchen von nach Österreich importierten Eiern, die mit dem Insektizid Fipronil belastet sein könnten, ist in Oberösterreich eine Rückholaktion angelaufen. Zudem gibt es Stichprobenkontrollen der Lebensmittelaufsicht. Bei einem Großhändler war die Rückholung bereits am Freitag vollständig abgeschlossen — die Packungen waren noch gar nicht ausgeliefert worden.

Die gezogenen Proben wurden zur Analyse an die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) weitergeleitet. Die Verdachtsproben werden in einem Labor in Innsbruck untersucht, die Untersuchungen dauern drei Tage, Ergebnisse gebe es noch keine. Diese werden für Anfang kommender Woche erwartet, heißt es aus der Landessanitätsdirektion. Durch die spezielle Methodik der Untersuchung könnten auch sehr geringe Mengen an Fipronil in den Eiern festgestellt werden. Die Ergebnisse der Untersuchung werden den Landesbehörden mitgeteilt, diese würden bei Bedarf Maßnahmen setzen.

Gleichzeitig überprüfte die Lebensmittelaufsicht in Oberösterreich Betriebe, die im Eier-Import tätig sind. Vorerst wurden 25 Proben gezogen, die ebenfalls bis kommende Woche analysiert werden. Der oberösterreichische Landesrat Rudi Anschober (Grüne) sagte, „dass nach bisherigem Informationsstand Frischeier im Handel direkt für die Konsumenten derzeit nicht betroffen sind". Alle österreichischen Produkte hätten sich bei Beprobungen als „sauber" erwiesen. Er rät, nur einheimische Eier zu verwenden. Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) erneuert die Forderung der Landwirtschaft, die Herkunftskennzeichnung für Eier auszuweiten.

Gefordert wird zudem eine Ausweitung der Herkunftskennzeichnung auch bei verarbeiteten Lebensmitteln und in der Gastronomie sowie in Großküchen. Dieser Forderung erteilt Mario Pulker, Obmann des Fachverbandes Gastronomie, eine klare Absage. Strenge Kontrollen bei den Erzeugern — somit auch in der Landwirtschaft — seien der einzige Weg, um mögliche Risiken wie die aktuelle Fipronil-Thematik hintanzuhalten. Erst letztes Jahr wurde ein Landwirt aufgrund von schwerem gewerbsmäßigen Betrug mit Freiland-Eiern rechtskräftig verurteilt, da die Eier „nicht mehr zum Verzehr geeignet" waren. Durch eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in der Speisekarte könne Fehlern oder Manipulationen in den Vorstufen der Produktion nicht begegnet werden.

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Die AGES hat bereits Frisch-Eier, Backwaren, Hühnerfleisch, Kekse, Mayonnaise, Teigwaren und Waffeln aus dem österreichischen Einzelhandel auf Fipronil untersucht. „Alle bisherigen Ergebnisse waren negativ, das bedeutet, es konnte kein Fipronil in den Lebensmitteln nachgewiesen werden", teilte die AGES mit.

Rupprechter fordert eine umfassende Aufklärung des Skandals. Das angekündigte EU-Krisentreffen der zuständigen Minister für Gesundheit und Verbraucherschutz sei ein erster Schritt. Die EU-Kommission will am 26. September ein Krisentreffen zum Fipronil-Skandal um mit Insektizid verseuchte Eier abhalten. Alle „betroffenen" Staaten sollten an dem Treffen teilnehmen. (ver, APA)


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