In Virgen stehen die Bäume kopf

Auf dem Gelände des einstigen Sägewerks wurde eine Steinbildhauerwerkstätte eröffnet. Fünf Künstler schufen in einem zweiwöchigen Symposium Skulpturen für einen Ausstellungsweg – mit einem speziellen Blickfang.

Wo die Bäume verkehrt in den Himmel ragen: Das Freiluftatelier der Virgentaler Bildhauer soll zu einem Festivalort werden.
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Von Christoph Blassnig

Virgen –Den neuen Schaffensplatz für fünf Virgentaler Bildhauer sieht man schon aus einiger Entfernung: Entrindete Baumstämme ragen in den Himmel. Sie stehen verkehrt herum – ihre Wurzelballen ragen anstelle der Äste in den Himmel. Fünf überdachte Kojen, südlich offen und angebaut an das ehemalige Sägewerk in der Tratte, bieten den kreativen Köpfen Platz und Raum für die Arbeit an ihren großen Werkstücken. Die Lage etwas abseits vom Dorf erlaubt das Schleifen, Schneiden und Behauen von Steinmassiven in einer Umgebung, wo Staub und Lärm wenig stören. Vorbeikommende können das Tun frei verfolgen.

Lukas Fuetsch hat im ersten Symposium eine Endlosschleife aus Carrara-Marmor geschaffen.
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„Wer hätte sich vor 15 Jahren gedacht, dass aus unserem aufgelassenen Sägewerk einmal ein solches Krafthaus für Kunst, Kultur und Kulinarik werden würde?“, fragte BM Dietmar Ruggenthaler in seiner Eröffnungsrede. Sichtlich stolz auf das „Werk der fünf Manda“ Lois Oberwalder, Michael Fuetsch, Gerold Leitner, Lukas Fuetsch und Michael Lang wünscht sich Ruggenthaler einen neuen Anziehungspunkt im Virgental. „Wenn wir es zu ähnlicher Bekanntheit wie der Freiluftpark Arte Sella im Trentino schaffen, hätten wir für die Talente in unserem Tal Großes erreicht.“

Medusa und die Schlangen der Neuzeit, Keramik in Metall von Michael Lang in der Ausstellung.
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30.000 Euro hat die Gemeinde in das Projekt investiert. Sie stellt auch das Gelände zur Verfügung. Als Pacht wurde mit den Bildhauern vereinbart, dass sie der Gemeinde jährlich eine Skulptur überlassen – unter der Auflage, dass diese im öffentlichen Raum gezeigt werden muss und nicht verkauft werden darf. „Besucher wollen kurze Wege gehen und wünschen sich Gastronomie – wir haben einen Standort mit Potenzial und werden zeigen, dass wir hier etwas Bedeutendes schaffen“, meint Künstler Lang. Ein Gastwirt habe bereits Interesse bekundet.

Michael Lang will das nächste Bildhauersymposium in Virgen um internationale Künstler erweitern.
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Schon nächstes Jahr möchte der Initiator ein international besetztes Symposium veranstalten. „Zur Umsetzung hoffen wir dann auch auf finanzielle Unterstützung des Landes“, so Lang. Ein Festival wäre möglich, wo gekocht, musiziert, gewerkt und ausgetauscht wird. „Einfach passieren und wachsen lassen – dann werden wir sehen, wo wir in zehn Jahren sind.“ Regionale Verwurzelung soll auf den unverbrauchten Zugang von Außenstehenden treffen.

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In der Ausstellung zu sehen: Gerold Leitners Balance aus Zirbe, bemalt und auf einem Serpentin-Sockel.
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Mit der Zeit wird ein „Skulp Tour“ genannter Ausstellungsweg entstehen und die Künstlerarbeiten in der Natur präsentieren. „Noch heuer legen wir in Zusammenarbeit mit Grundbesitzern und Forst über 350 Meter einen Weg an“, berichtet Michael Lang. 28 Betonfundamente werden am Weg vom neuen Freiluft­atelier am Trattenweg in Richtung Schwoagahof gegossen und sollen bald die ersten fünf Steinkunstwerke tragen, die in den vergangenen zwei Wochen im Rahmen des ersten Symposiums entstanden sind.

Für den Osttiroler Kunstsachverständigen Erich Mair folgen die Virgentaler Bildhauer der Tradition bekannter Vorgänger wie Adrian Egger, Josef Trojer, Josef Gasser, Johann Dorer, Gottfried Fuetsch, Virgil Rainer und Hans Unterweger. „Innerhalb des Vereines Art Osttirol unter Obmann Christian Pramstaller mögen sie den Namen ‚Die Iseltaler‘ tragen“, meint Erich Mair. „Die Skulpturer haben einen großen Schritt getan nach dem Vorbild Karl Prantls, nämlich Kunst sicht- und erlebbar in die Umgebung zu integrieren.“

Die Künstler Michael Fuetsch, Lukas Fuetsch, Gerold Leitner, Michael Lang und Lois Oberwalder mit Art-Osttirol-Obmann Christian Pramstaller (v. l.).
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